NewsPolitikSchwangerschafts­abbrüche: Weiter Kritik an Liste mit Ärzten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Schwangerschafts­abbrüche: Weiter Kritik an Liste mit Ärzten

Donnerstag, 1. August 2019

/dpa

Berlin – Nach der Veröffentlichung einer Adressliste von Ärztinnen udn Ärzten, die in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, pocht die SPD auf schnelle Nach­besserungen. „Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn muss jetzt sicherstellen, dass es für die Betroffenen deutlich mehr Information gibt“, sagte der SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach dem Tagesspiegel. Die bisherige Übersicht der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) reiche in keiner Weise aus.

Auf der Liste sind bislang rund 90 Ärzte aufgeführt; die meisten von ihnen kommen aus Berlin und Hamburg. Nach Angaben der tageszeitung gibt es bundesweit rund 1.200 Stellen. Die Koalitionsfraktionen hatten sich bei der Reform des Werbeverbots für Schwanger­schaftsabbrüche auf die Veröffentlichung einer solchen Liste geeinigt.

Anzeige

Spahn räumte ein, dass die nun veröffentlichte Übersicht den Vorgaben des Kompro­mis­ses zum Strafrechtsparagrafen 219a nicht genügt. „Diese Liste ist absolut unvollständig und so auch keine Hilfe für schwangere Frauen in Konfliktsituationen, so wie es der Gesetzgeber wollte“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel.

Allerdings befinde sich das Ärzteverzeichnis erst im Aufbau. Es werde monatlich aktuali­siert und solle noch „deutlich benutzerfreundlicher gestaltet“ werden als bisher. „Wir setzen darauf, dass die Bundes­ärzte­kammer das so hinbekommt.“

Die Bundes­ärzte­kammer hatte bereits gestern erklärt, dass sich die Seite noch im Aufbau befindet. Es sei Ziel gewesen, die Liste „schnellstmöglich und rechtskonform“ auf den Weg zu bringen, so ein Sprecher. Die Ärzte können sich freiwillig auf die Liste setzen lassen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulle Schauws, be­zwei­felt, dass sich die Situation in den kommenden Monaten entscheidend verbessert. Schließ­lich könne man Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten, nicht zur Eintragung auf zen­tralen Listen verpflichten. „Viele überlegen sich sehr genau, ob sie auf diese Weise ins Visier von Abtreibungsgegnern geraten wollen“, sagte Schauws der Zeitung.

Fakt sei, dass es wegen des Werbeverbots zu „hanebüchenen Verrenkungen“ komme und die Regierung ihr Versprechen nicht halte. Die Informationsmöglichkeiten hätten sich nicht verbessert, die Versorgungssicherheit sei nicht gewährleistet. Die gesetzliche Regelung gehe „total an der Lebensrealität von Frauen vorbei“. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #716303
Frauengesundheitsaktivistin
am Freitag, 2. August 2019, 15:10

Listen zum Schwangerschaftsabbruch sind keine Lösung: Lückenhafte und reglementierte Informationen

Diese Listen verbessern die Information für ungewollt schwangere Frauen nicht. Die nun veröffentlichten Listen sind äußerst lückenhaft. Bislang haben nur 87 (7 %) der rund 1.200 Ärzt*innen beantragt, ihre Adresse aufzunehmen. Die Listen sind für Interessierte schwer zu finden. Bis zu welcher Schwangerschaftswoche Ärzt*innen Abbrüche durchführen, wird nicht genannt. Bei der operativen Methode wird nicht angegeben, ob dies durch das schonendere Absaugen oder durch Ausschaben erfolgt. Auch ist nicht ersichtlich, ob und wenn ja, welche Narkose durchgeführt wird. Die Kosten für einen Abbruch werden nicht offengelegt. Der Staat reglementiert damit das Recht der Frauen auf Information. Das widerspricht dem Recht auf Informationsfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft und den Patientenrechten.
Der Arbeitskreis Frauengesundheit findet nachvollziehbar, dass viele Ärzt*innen sich nicht in die Listen eintragen lassen, da sie Anzeigen oder auch Demonstrationen von Fundamentalisten und Rechtsextremen vor ihren Praxen fürchten. Frauen haben das Recht auf Selbstbestimmung und evidenzbasierte Gesundheitsinformationen, gerade auch zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Deshalb, §219a streichen!
Sylvia Groth, Vorstandsmitglied Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V., Berlin
Avatar #763194
SusaBe
am Freitag, 2. August 2019, 10:03

Werbung vs Information

Wieso wird denn immer von Werbung gesprochen? Das sollen doch Informationen sein. Für viel problematischer halte ich es, das Abbruchsgegner eine ideale Übersicht über zukünftige Ziele im ganzen Land erhalten. (Bin übrigens CDU-Wählerin)
LNS

Nachrichten zum Thema

16. August 2019
Berlin – Ende Juli wurde von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) eine erste Liste mit Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen veröffentlicht, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Die Liste
„Wir tragen die Verantwortung, Frauen in dieser Situation fair und empathisch zu betreuen“
14. August 2019
Hiroshima – Japanische Forscher haben einen Weg gefunden, mit dem im Ejakulat zwischen männlichen und weiblichen Spermien unterschieden werden kann. Die in PLOS Biology (2019; doi:
In-vitro-Fertilisation: Test unterscheidet weibliche und männliche Spermien
6. August 2019
Auckland – Ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 20. Woche soll in Neuseeland künftig nicht mehr als Strafttat gelten. Die Regierung von Premierministerin Jacinda Ardern legte am Montag einen
Neuseeland will strenges Abtreibungsrecht lockern
5. August 2019
Berlin – Nach Kritik an der neuen offiziellen Liste mit Ärzten, die Abtreibungen vornehmen, will Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) über Verbesserungen reden. Dazu will er die Bundes­ärzte­kammer und
Spahn plant Runden Tisch zu Ärzteliste für Abtreibungen
2. August 2019
Berlin – Nach den Startproblemen der zentralen Liste von Ärzten, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, haben FDP und Linke ihre Forderung nach einer Abschaffung des Paragrafen 219a im
Schwangerschaftsabbrüche: FDP und Linke verlangen Streichung des Werbeverbots
30. Juli 2019
Berlin – An einer neuen offiziellen Liste mit Ärzten, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, wird kurz nach dem Start Kritik laut. Für das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen seien
Schwangerschaftsabbrüche: Kritik an offizieller Liste mit Praxen
30. Juli 2019
Luxemburg – Die EU-Kommission hat nach Ansicht der Generalanwaltschaft am Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu Recht den Antrag einer Bürgerinitiative auf einen Gesetzesvorschlag zum Verbot von
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER