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Medizin

Anämie ist ein Demenzrisiko, zu viel Hämoglobin auch

Dienstag, 6. August 2019

/beawolf-stocadobecom

Rotterdam – Der Hämoglobinwert beeinflusst das Demenzrisiko von Senioren. Als un­günstig erwiesen sich in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000008003) sowohl niedrige als auch hohe Konzentrationen des Sauerstoff-Transportmoleküls. Die bei einigen Teilnehmern durchgeführten Magnetreso­nanz­tomografien (MRT) liefern mögliche Erklärungen.

In Nordamerika und Europa hat fast jeder zehnte über 65-Jährige eine Anämie. In Län­dern, in denen die Malaria verbreitet ist, liegt der Anteil bei bis zu 45 Prozent. Da eine Anämie die Sauerstoffversorgung der Gewebe gefährdet, erscheint es sinnvoll, nach den Folgen für die Gesundheit zu fragen. Da das Gehirn der größte Abnehmer für Sauerstoff ist, sollten sich die Auswirkungen hier besonders stark bemerkbar machen.

Ein Team um Arfan Ikram vom Erasmus Medical Center hat hierzu die Daten der Rotter­dam Study ausgewertet, die seit 1990 eine Stichprobe von Einwohnern des Stadtviertels Ommord regelmäßig untersucht. Von 12.305 Teilnehmern, die zu Beginn im Durchschnitt 65 Jahre alt waren und keine Demenz hatten, litten 745 oder 6,1 Prozent unter einer Anä­mie. In den folgenden durchschnittlich zwölf Jahren erkrankten 1.520 Menschen zu einer Demenz, die die Ärzte bei 1.194 auf einen Morbus Alzheimer zurückführten.

Die Forscher fanden heraus, dass die Senioren mit einer Anämie zu 34 Prozent häufiger an einer Demenz erkrankten (Hazard Ratio 1,34; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,11 bis 1,62). Das Risiko auf einen Morbus Alzheimer war um 41 Prozent höher als bei den Se­ni­oren ohne Anämie (Hazard Ratio 1,41; 1,15 bis 1,74). Es erkrankten allerdings auch Men­­schen mit einem erhöhten Hämoglobinwert häufiger an einer Demenz. Das Risiko war im Fünftel mit den höchsten Hämoglobinwerten um 20 Prozent erhöht (Hazard Ratio 1,20; 1,00 bis 1,44).

Wie immer in epidemiologischen Studien ist nicht sicher, dass die abweichenden Hämo­globinwerte für das Demenzrisiko verantwortlich sind. Bei einer Anämie erscheint dies jedoch einleuchtend. Denn ohne Sauerstoff kommt es zum Absterben von Hirnzellen, die dann nicht mehr für kognitive Aufgaben zur Verfügung stehen. Ikram verweist zudem auf Studien, nach denen Hämoglobin an Beta-Amyloiden bindet und damit die Entfernung der schädlichen Eiweiße aus dem Gehirn begünstigen könnte.

Die MRT-Aufnahmen zeigen, dass Senioren mit einer Anämie häufiger Mikroblutungen im Gehirn aufwiesen, was eine Hirnleistungsschwäche erklären könnte. Größere lakunäre Blutungen oder kortikale Infarkte wurden dagegen nicht vermehrt beobachtet.

In den MRT-Aufnahmen der Senioren mit einem zu hohen Hämoglobinwert wurden keine derartigen morphologischen Veränderungen gefunden. Mit einem steigenden Hämoglo­binwert kam es jedoch zu einem Rückgang der zerebralen Perfusion. Dies deutet darauf hin, dass eine zu hohe Hämoglobinkonzentration die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtert.

Klinische Ratschläge lassen sich aus den Ergebnissen nicht ableiten. Ob Strategien, die den Hämoglobinwert normalisieren, die Senioren vor einer Demenz schützen würden, müsste erst in randomisierten klinischen Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #754496
Wähnert
am Mittwoch, 7. August 2019, 11:34

Häm konzentration

Affinität des Häm zum Sauerstoff verringert Co2 Abtransport aus jedem Gewebe. Übersäuerung im Gehirn= Demenzrisiko
LNS

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