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Politik

Chef der Wirtschaftsweisen würdigt Friday-for-Fu­ture-Bewegung

Montag, 5. August 2019

/picture alliance, Marius Becker

Dortmund – Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, hat die Rolle der Friday-for-Future-Bewegung im Kampf gegen den Klimawandel gewürdigt. „Fridays for Future ist ein wichtiges Element, dass die Gesellschaft jetzt darauf aufmerksam geworden ist, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte der 56-Jährige in einem Radiointerview des Westdeutschen Rundfunks.

Die Bewegung habe die Politik dazu gedrängt, die Grundidee einer Bepreisung von CO2 „endlich mal ernst zu nehmen“. „Natürlich ist ein CO2-Preis als Grundinstrument immer noch der richtige Weg“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Schmidt ist Präsident des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI.

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Er nahm vorgestern an einer Podiumsdiskussion zum Thema CO2-Steuer beim Sommer­kon­­gress der Fridays-for-Future-Bewegung in Dortmund teil. „Ich bin sehr froh, dass ich hier war“, sagte er nach der Veranstaltung. „Wir brauchen den Diskurs der Generationen.“

Die Transformation des Energiesystems bezeichnete Schmidt in der WDR5-Sendung „Morgenecho“ als „große gesellschaftliche Aufgabe“. Ziel sei, dass „wir keine fossilen Ressourcen mehr verbrauchen oder nur noch so viel verbrauchen, wie auch von der Atmosphäre tatsächlich aufgenommen werden kann.“ „Diese Netto-Nullemissionen müssen wir irgendwann erreichen, spätestens bis Ende des Jahrhunderts. Das wäre notwendig, wenn wir eine große Klimaveränderung einigermaßen ausschließen wollen.“ „Jetzt ist die Zeit, endlich noch mehr dagegen zu tun“, so Schmidt weiter.

Die Menschen mitnehmen

In der Debatte um eine CO2-Steuer schlägt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eine Erhöhung der Energiesteuer vor, die zunächst pro Tonne CO2 bei 35 Euro mehr einsteigt. Fridays for Future fordert dagegen, „schnell“ 180 Euro pro Tonne CO2 zu erhe­ben.

Der Verdi-Bundesfachbereichsleiter für Medien, Kunst und Industrie, Christoph Schmitz, äußerte sich in der Diskussion skeptisch zu dieser Forderung. Es sei wichtig, die Leute zu überzeugen und nicht abzuschrecken. „Um die Leute mitzunehmen, ist es wichtig, den Einstiegspreis eher in der Größenordnung 35 bis 40 Euro zu sehen.“ Auch Schmidt forderte eine „kompromissfähige Lösung, die die Menschen mitnimmt“.

Die Organisatoren zogen eine positive Bilanz des am Sonntag zu Ende gehenden Treffens, an dem nach Angaben der Veranstalter insgesamt 1.700 Menschen aus ganz Deutschland teilnehmen. Die Teilnehmer hätten viel „Power“ bekommen, die politischen Ziele der Bewe­gung bis zum Ende des Jahres umsetzen zu können, sagte Mitorganisator Jakob Blasel (18). „Dafür müssen wir weiter Druck machen.“

Für den 20. September rufe Fridays for Future „die breite Bevölkerung“ bundesweit zur Teilnahme an Demonstrationen auf, und zwar nicht nur Schüler. „Wir fordern dazu auf, sich frei zu nehmen, um gemeinsam für eine Wende in der Klimapolitik zu demonstrie­ren.“ Organisiert würden die Demos vor Ort. An dem Tag will das Klimakabinett der Bun­desregierung ein Paket mit konkreten Klimaschutzmaßnahmen beschließen, um sicherzu­stellen, dass Deutschland beim Einsparen von Treibhausgasen schneller vorankommt.

Weitere Kongresse seien noch nicht konkret geplant, sagte Blasel weiter. Fridays for Fu­ture will sich nach Blasels Worten auch weiterhin auf Klimapolitik konzentrieren. „Wir sind eine Bewegung, die den Konsens hat, für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels einzutre­ten. Dabei werden wir auch bleiben.“

Der Kongress hatte am vergangenen Mittwoch begonnen. Insgesamt standen 200 Work­shops, Podiumsgespräche und Arbeitsgruppen auf dem Programm. Gestern endet die Tagung. Klimaaktivisten wollen aber auch in der kommenden Woche mobil machen.
Bei einem Klimacamp in Pödelwitz bei Leipzig werden rund 1.000 Teilnehmer erwartet. Mehr als 100 Workshops und Diskussionen sind bei der zweiten Auflage des Camps geplant. Das 700 Jahre alte Dorf Pödelwitz soll der Kohle weichen und von der Landkarte verschwinden. Dagegen regt sich seit langem Protest. © dpa/aerzteblatt.de

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