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DocMorris droht mit Klage wegen Apothekenreform

Montag, 5. August 2019

/dpa

Heerlen – Der Onlineversandhändler DocMorris droht mit einer Klage, sollte die von der Bundesregierung geplante Apothekenreform in ihrer jetzigen Form Gesetz werden. „Wir würden alle unsere rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagte DocMorris-Chef Olaf Heinrich. Aus seiner Sicht verstößt das Gesetzesvorhaben gegen Europarecht.

„Die Bundesregierung würde damit ein ähnliches Desaster erleben wie mit der Pkw-Maut.“ Heinrich rechnet aber ohnehin damit, dass die Bundesregierung die Bewertung durch die EU-Kommission abwartet und dann noch einlenkt: „Das Gesetz wird so nicht kommen, denn es ist offensichtlich, dass es europarechtswidrig ist.“

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Das Bundeskabinett brachte Mitte Juli ein Gesetzespaket auf den Weg, mit dem Apothe­ken vor Ort besser gegen Konkurrenz im Internet geschützt und gestärkt werden sollen. Was der Branchenverband ABDA begrüßt: Patienten würden so vor Diskriminierung ge­schützt.

Apotheken aus dem EU-Ausland dürfen dem Vorhaben zufolge keine Rabatte mehr an­bieten für verschreibungspflichtige Medikamente, sondern sie müssen an Festpreisen festhalten. Dies wäre ein Rückschlag für DocMorris, das seinen Kunden in Deutschland bisher einen Bonus von 2,50 Euro pro Arzneimittel auf dem Rezept gewährt. Ein ähn­li­ches Geschäftsmodell hat die ebenfalls in den Niederlanden angesiedelte „Shop Apothe­ke“.

DocMorris gehört zum Schweizer Handelskonzern Zur Rose. Die Tochterfirma sitzt im niederländischen Heerlen direkt hinter der Grenze unweit von Aachen. Das Unternehmen mit etwa 600 Mitarbeitern ist auf Wachstumskurs, 2017 machte es einen Umsatz von 370 Millionen Euro und damit 39 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor.

Seit 2018 werden keine Firmenzahlen mehr kommuniziert, seither fließt DocMorris ins Deutschlandge­schäft von Zur Rose ein. Der Deutschlandumsatz von Zur Rose lag 2018 bei 671 Millionen Euro, knapp 39 Prozent über dem Vorjahreswert – der größte Teil entfiel auf DocMorris.

Der Firma kam 2016 ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zugute, das die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten (Rx-Präparate) bei grenzüber­schreitendem Warenverkehr in der EU gekippt hat. Allerdings bezog sich der EuGH hier­bei auf das Arzneimittelrecht.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium will „Rx-Medikamente“ für Versicherte der Kranken­kassen nun aber in die Sozialgesetzgebung verschieben, wo – so die Lesart des Ministe­riums – eine nationale Regelung trotz des EuGH-Urteils möglich sei. Dies hält DocMorris-Chef Heinrich für einen „Taschenspielertrick“.

Durch die Gesetzesänderung dürfte DocMorris gesetzlich Versicherten – und damit etwa 90 Prozent aller Versicherten in Deutschland – auf „Rx-Präparate“ keinen Bonus mehr an­bieten. Der Verkauf von „Rx-Präparaten“ – etwa von Cholesterinsenkern – ist für Doc­Morris wichtig, 2017 machte es knapp zwei Drittel seiner Umsätze damit.

Die Rezeptboni sind laut EuGH aber nötig, um den Wettbewerbsnachteil – die Distanz zum Kunden – ausgleichen zu können im Vergleich zur stationären Konkurrenz. Mit der Gesetzesänderung wolle das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eine „Schutzmauer“ für deutsche Apotheker bauen, die mehr Wettbewerb behindern würde, sagte Heinrich. © dpa/aerzteblatt.de

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