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Ausland

Schwedische Spielplätze werden rauchfrei

Dienstag, 6. August 2019

picture-alliance - Arno Burgi

Lund/Berlin/Heidelberg/Hamburg – Wer auf Spielplätzen in der schwedischen Stadt Lund nach rauchenden Eltern oder weggeworfenen Kippen sucht, der ist eine Weile beschäftigt. Seit Anfang Juli gilt inSchweden ein verschärftes Rauchverbot – auch auf öffentlichen Spielplätzen. Und das macht sich bemerkbar: „Schon jetzt gibt es deutlich weniger Kippen hier", sagt ein Vater.

Anders in vielen Orten Deutschlands: „Es ist echt nervig, weil ich meinem Einjährigen permanent Kippen aus dem Mund hole. Ich kann ihn quasi nicht aus den Augen lassen", berichtet zumBeispiel eine Hamburger Mutter. Auch in kleineren Städten und Dörfern gehören Kippen aufSpielplätzen zumAlltag –hinterlassen nicht nur vonErwachsenen, sondern auch vonJugendlichen, die Spielplätze ebenfalls gern als Treffpunkte nutzen.Die Verbotsregelungen hierzulande gleichen einem Flickenteppich.

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„Brandenburg, Bremen, NRW und das Saarland sowie verschiedene Kommunen verbieten das Rauchen auf Spielplätzen", berichtet KatrinSchaller,Expertin für Tabakkontrolle vom Deutschen Krebsforschungszentrum inHeidelberg (DKFZ). Auch inBerlin soll das Rauchen aufSpielplätzen verboten werden.Doch wann, ist unklar.Eine Gesetzesnovelle dazu liegt seit fast einem Jahr im Parlament vor.

„Grundsätzlich wäre ein bundesweites Rauchverbot auf Spielplätzen aus mehreren Gründen sinnvoll", sagt Schaller. Es schütze vor Passivrauchen und unterstütze die Vorbildfunktion der Eltern. Vor allem aber helfe es, Kippenmüll zu vermeiden, der vor allem für Kleinkinder gefährlich sei. Das Verschlucken von Zigarettenkippen kann zu Vergiftungen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

Schweden will bis 2025 rauchfrei werden - dieses Ziel hat die sozialdemokratisch angeführte Regierung in Stockholm vor längerem ausgegeben. „Rauchfrei"bedeutet für die Schweden unter anderem, dass der Anteil der Raucher an der Bevölkerung auf unter fünf Prozent sinken soll. Zum 1. Juli sind die Regelungen verschärft worden. Auch

Schweden hat eine Raucherquote von weniger als neunProzent

Eingangs- und Außenbereiche von Gaststätten sind nun ebenso tabu wie Bushaltestellen, Bahnsteige oder Sportstätten - und eben öffentliche Spielplätze. Die Bestimmungen gelten auch für E-Zigaretten. Dabei gilt Schweden mit einer Quote von weniger als neunProzent schon heute als das EU-Land mit den wenigsten regelmäßigen Rauchern.

„Die Situation von Schweden lässt sich nicht 1:1 auf Deutschland übertragen, kann aber durchaus als positives Beispiel dienen", sagt Katrin Schaller. Der niedrige Raucheranteil in Schweden werde auch auf den weit verbreiteten Konsum von Oraltabak (Snus) zurückgeführt.

Und auch der hat seine Schattenseiten: „Snus belastet den Körper zwar mit deutlich weniger Schadstoffen als das Rauchen, dennoch erhöht er das Erkrankungsrisiko für Mundhöhlen- und Speiseröhrenkrebs und möglicherweise für weitere chronische Erkrankungen; zudem macht er abhängig", berichtet sie.

Deutschland liege mit einer Raucherquote von 25 Prozent im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld, berichtet einSprecher des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums mit Verweis aufDaten von 2017.

Jede sinnvolle Initiative zur Rauchprävention werde durch das Haus von Minister Jens Spahn (CDU) unterstützt.„Zunächst sollte aber das Tabakwerbeverbot durchgesetzt werden.Wir setzen auf Aufklärung und Prävention", sagt der Sprecher.

Innengastronomie sollte in Deutschland rauchfrei werden

Aus Sicht Schallers wäre es hierzulande vordringlicher, die Innengastronomie vollständig rauchfrei zu machen. Personal und Gäste inRaucherräumen seien einer sehr hohen Tabakrauchbelastung ausgesetzt. „Hier muss als erstes nachgebessert werden - bei dieser Gelegenheit wäre es allerdings durchaus sinnvoll, darüber nachzudenken, in den verbesserten Nichtraucherschutz auch öffentliche Plätze einzubeziehen", so die Expertin.

In Schweden wird empfohlen, mit Schildern auf die neuen Regelungen hinzuweisen. Vor Supermärkten oder auch Cafés sind immer wieder Hinweise zu finden, auch in deutscher Sprache. Auf Lunds Spielplätzen fehlen sie noch.

Hinweisschilder zwingend notwendig

In Deutschland hat eine Studie des DKFZ bereits vor zehn Jahren gezeigt, dass Rauchverbote ohne Hinweisschilder hierzulande nicht viel nützen: In Würzburg wurden aufSpielplätzen beispielsweise trotz bayernweiten Rauchverbots fast genauso viele Kippen gefunden wie in Mannheim, wo es keinRauchverbot gibt. InWürzburg wurde nicht auf das Verbot hingewiesen.

InHeidelberg, wo es ein kommunales Rauchverbot und sichtbare Hinweisschilder aufSpielplätzen gibt, lag die Zahl der gefundenen Kippen nur bei etwa einemDrittel. „Erst durch Hinweisschilder oder Plakate werden Raucher beimBesuch eines Spielplätze auf ihre Verantwortung gegenüber den Kindern aufmerksam gemacht", heißt es in einem Bericht des DKFZ.

Daran, dass Schweden bis 2025 komplett rauchfrei wird, glauben nicht alle. „Es wird immer Raucher geben. Nur eben nicht mehr hier auf dem Spielplatz", sagt die Mutter eines drei Monate alten Babys.Über das Verbot freue sie sich trotzdem: „Für mein Kind ist das sehr gut, klar. Aber auch für uns Erwachsene bringt es etwas, wenn hier nicht überall Kippen herumliegen." © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #731292
cis2000
am Samstag, 28. September 2019, 00:12

Schwedische Spielplätze werden rauchfrei

Klar für das eigene Baby ist es wirklich gut, wenn kein Erwachsener mehr raucht. Naja und für Kippen gibt es Aschenbecher. Wenn man aber kein Geld hat und ausgeben will ist ein Rauchverbot natürlich die Alternative!
LNS

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