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Sonderformen des Diabetes laut Fachgesellschaft oft unterschätzt

Dienstag, 6. August 2019

Pankreas /RAJCREATIONZS, stock.adobe.com
Pankreas /Rajcreationzs, stock.adobe.com

Düsseldorf – Sonderformen des Diabetes werden häufig nicht richtig diagnostiziert oder mit anderen Diabetesformen verwechselt. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin.

„Die Ursachen einer Diabetes-Sonderform sind vielfältig und können von genetischen Erkrankungen über hormonelle Störungen bis hin zu Infektionen reichen“, sagte die Präsidentin der Fachgesellschaft, Monika Kellerer. Gemeinsam sei den Sonderformen ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, der dringend reguliert werden muss. „Allerdings unter Beachtung der jeweiligen Grunderkrankung, weshalb die Therapien erheblich voneinander abweichen können“, betonte Kellerer. Im Zweifel sollten sich Betroffene an eine Schwerpunktpraxis oder spezialisierte klinische Fachabteilung wenden.

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Zu den häufigsten Auslösern der Diabetes-Sonderform gehören Kortison-Therapien, zum Beispiel bei Rheuma, Asthma, Morbus Crohn oder onkologischen Erkrankungen. Der Diabetes könne sich komplett zurückentwickeln, wenn das Kortison ausgeschlichen werde. „Ob eine medikamentöse Umstellung möglich ist, sollten die Patienten mit ihren behandelnden Ärzten abklären“, so Kellerer. Sei dies nicht möglich, basiere die Therapie wie beim Typ-2-Diabetes zunächst auf Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Dann folgten Antidiabetika in Tablettenform und am Ende Insulin.

Mukoviszidose-Patienten mit Diabetes sollen Insulin erhalten

Zu den Diabetes-Sonderformen gehört auch ein gestörter Glukosestoffwechsel infolge der Erbkrankheit Mukoviszidose. Ab einem Alter von 26 Jahren erkrankt laut der DDG jeder zweite Mukoviszidose-Patient zusätzlich an Diabetes, Frauen deutlich früher und häufiger als Männer. „Dann hängt die Lebenserwartung auch von der Diabetesbehandlung ab“, betonte Andreas Neu, Vize-Präsident der DDG. Da der Diabetes bei Mukoviszidose-Kranken oft ohne erkennbare Symptome verlaufe, sollten Patienten ab einem Alter von zehn Jahren jährlich auf Diabetes gescreent werden. „Aber Blutuntersuchungen allein mit dem HbA1c-Wert liefern nicht immer zuverlässige Ergebnisse“, so Neu. Nüchtern-Blutzuckerbestimmungen seien eine sinnvolle Ergänzung.

Deshalb ist es vorteilhaft, Mukoviszidose-Patienten zu einem höheren Body-Mass-Index zu verhelfen. Andreas Neu, Vize-Präsident der DDG

Eine Besonderheit sei, dass das Diabetes-Risiko umso größer ist, je untergewichtiger die Patienten sind. „Deshalb ist es vorteilhaft, Mukoviszidose-Patienten zu einem höheren Body-Mass-Index zu verhelfen“, erklärte Neu. Sie wie Typ-2-Diabetiker einzustufen und auf Diät zu setzen sei „äußerst problematisch“. Laut Leitlinie sollen Mukoviszidose-Patienten mit Diabetes außerdem Insulin erhalten. Dies geschieht laut der DDG bislang jedoch nur bei drei Viertel der Patienten.

Zu den häufigeren Diabetes-Sonderformen gehören laut der DDG auch die „MODY-Diabetes“-Typen, die auf unterschiedlichen genetischen Defekten beruhen. Sie bewirken, dass die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig funktionieren und demzufolge die Insulinproduktion eingeschränkt ist. „Die Patienten sind meist normalgewichtig, weshalb bei ihnen manchmal fälschlicherweise Diabetes Typ 1 diagnostiziert wird“, erläuterte der DDG Experte Dirk Müller-Wieland.

Laut der Fachgesellschaft können zudem unter anderem Virusinfektionen, Fehlfunktionen des Immunsystems, hormonelle Störungen oder das Down-Syndrom zu den Triggern eines Diabetes zählen. Zum Beispiel löse eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse, sehr häufig bedingt durch Alkoholmissbrauch, in etwa der Hälfte der Fälle Diabetes aus. © hil/aerzteblatt.de

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