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Medizin

Adipositasanzug führt Medizinstudierenden eigene Vorurteile vor Augen

Dienstag, 6. August 2019

Übergewichtige Frau beim Arzt /pictworks, AdobeStock.com
/pictworks, AdobeStock.com

Tübingen – Ein Adipositasanzug kann normalgewichtigen Menschen ein Gefühl für die Tücken und Beschwerlichkeiten vermitteln, denen Menschen mit einem erhöhten Body-Mass-Index im Alltag ausgesetzt sind. Dazu gehören auch Vorurteile beim Arztbesuch, wie eine Studie an Medizinstudierenden in BMJ Open (2019; doi: 10.1136/bmjopen-2019-029738) zeigt.

Jeder 2. Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig, jeder 4. sogar adipös. Die Chancen, dass Medizinstudierende in ihrem späteren Beruf übergewichtige oder adipöse Patienten behandeln, ist also hoch, zumal eine Adipositas das Risiko auf viele Krankheiten erhöht. Für den Typ 2-Diabetes gehört die Adipositas zu den wichtigsten Risikofaktoren.

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Ein Team um Teresa Loda von der Universität Tübingen benutzt deshalb Adipositasanzüge, um Medizinstudenten im 2. Studienjahr einen realistischen Eindruck von einem Arzt-Patienten-Gespräch zu vermitteln. Insgesamt 13 Angestellte der Uni schlüpften für den Kurstermin in einen speziellen Anzug, der eine Grad 2-Adipositas simulierte (BMI 35 bis 39,9 kg/m2).

Im Kurs mimten sie eine Patientin mit Typ 2-Diabetes, die sich zu einem regelmäßigen Nachsorgetermin beim Arzt vorstellte und im Gespräch dann die Schwierigkeiten offenbarte, die sie mit den Empfehlungen des Arztes zu körperlicher Bewegung, gesunder Ernährung und der regelmäßigen Einnahme ihrer Medikamente hatte.

Viele Medizinstudenten hatten Vorurteile

Die Medizinstudierenden sollen in dem Kurs lernen, sich auf die Kommunikation mit „schwierigen“ Patienten einzustellen und dabei frei von Vorurteilen zu bleiben. Letzteres gelang vielen Medizinstudenten jedoch nicht, wie die Antworten im „Anti-Fat Attitudes Test“ (AFAT) zeigten. Der AFAT erfragt negative Attitüden gegenüber Adipösen. Dazu gehören Aussagen wie „Wenn dicke Leute wirklich abnehmen wollen, schaffen sie es“ oder „dicke Leute haben keine Willenskraft“ oder „die meisten fetten Leute sind faul.“

Die Antworten zeigten, dass Medizinstudierende nicht frei von diesen Vorurteilen sind. Sie stimmten den 3 Aussagen häufiger zu als ihre Ausbilder und auch als die Uni-Mitarbeiter, die die Adipositasanzüge trugen. Viele vertraten auch die Ansicht, dass „die meisten fetten Leute Ausreden haben, warum sie fett sind“ oder „die Idee, dass Gene Menschen fett machen ist nur eine Ausrede“.

Nach dem Gespräch mit der Patientin gestanden viele Studierende ein, dass es ihnen schwerfällt, Empathie für das Leiden der Patienten zu empfinden. Einige meinten sogar, dass es ihnen unangenehm war, überhaupt mit der Patientin zu sprechen.

Für Loda war damit das Ziel des Unterrichts erreicht. Die Medizinstudierenden erlebten die adipösen Patienten als authentisch und sie wurden mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontiert, die sie für ihren späteren Beruf wohl ablegen sollten. © rme/aerzteblatt.de

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