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Ärzteschaft

Zweitmeinung beim Hodentumor verbessert jede fünfte Therapieplanung

Mittwoch, 7. August 2019

In der Urologie gibt es seit mehr als zehn Jahren ein online-basiertes kostenfreies Zweitmeinungsverfahren für Patienten mit Hodentumoren. Ärzte erhalten nach ein bis zwei Tagen eine Zweitmeinung eines Experten ihrer Wahl. /Africa Studio AdobeStock.com

Berlin/Hamburg – Vor gut einem Jahrzehnt startete das Zweitmeinungsprojekt Hodentumor auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Im Jahre 2018 wurde jeder dritte Patient mit neu diagnostizierten Hodentumoren im Nationalen Netzwerk vorgestellt. Eine Zwischenbilanz basierend auf mehr als 6.000 Zweitmeinungen würde zeigen, dass jede fünfte Zweitmeinung die Therapieplanung verbessert hätte, teilt die DGU mit.

Von einer besseren Therapieplanung sprechen die Experten des Portals, wenn die ursprünglich geplante Therapie nicht der aktuellen S3-Leitlinie entspricht. Am häufigsten musste die Therapie leitlinienkonform nachgebessert werden im Fall von Hodentumoren im Stadium 2A mit kleinen Knoten im Bauchraum. „Dabei kann es sich sowohl um Metastasen oder aber um unspezifisch vergrößerte Lymphknoten handeln“, erklärt Mark Schrader, Mit-Initiator und Leiter des Projektes. Unerfahrene Ärzte empfehlen hier oft eine Chemotherapie. Leitlinienkonform wäre es aber, sechs Wochen abzuwarten, um zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um Metastasen handeln würde, sagt Schrader dem Deutschen Ärzteblatt.

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Eine weitere Diskrepanz bei der Therapieplanung, die häufig von den Experten des Zweitmeinungsprojekts Hodentumor korrigiert werden müsste, sei die adjuvante Therapie bei Hodentumoren im Stadium 1, erklärt der Chefarzt der Urologie am Helios Klinikum Berlin-Buch. Die aktuellen Leitlinien empfehlen seit mehreren Jahren nicht mehr zwei Zyklen, sondern nur noch einen Zyklus mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin (PEB).

„Wir wussten, dass die Versorgungsqualität bei Hodentumoren, die eine seltene Tumorentität darstellen, regional sehr unterschiedlich ist“, sagt Schrader. Die Erfahrung mit fortgeschrittenen Tumoren seien häufig limitiert. „Andererseits war es politisch nicht gewollt, diese Tumoren an wenigen Zentren zu behandeln. Heute wissen wir, dass mit unserem zentralen Netzwerk ein guter Kompromiss gelungen ist“, fährt der Urologe fort.

Die Einholung und Erstellung der Zweitmeinung wie auch die Follow-ups werden bei Versicherten der Techniker Krankenkasse und der Hanseatischen Krankenkasse vergütet.

Das Zweitmeinungsprojekt Hodentumor hat sich auch in anderen Fachdisziplinen durchgesetzt. „So bietet beispielsweise die Charité ein Zweitmeinungsportal Ovarialkarzinom mit unserer Softwareplattform an“, sagt Schrader. Auch in der Urologie ist eine Ausweitung auf andere Erkrankungen in die Wege geleitet.

Besonders wichtig ist für ihn eine zweite Expertise bei seltenen Tumoren, bei denen einzelne Ärzte über sehr wenig Erfahrung verfügen. „Das betrifft in der Urologie zweifellos den seltenen Peniskrebs. Für diese Entität werden wir in Kürze ein weiteres Zweit­meinungsverfahren starten“, kündigt der DGU- und Kongresspräsident Oliver W. Hakenberg an. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Rostock hat das deutsche Peniskarzinomregister in der Hansestadt angesiedelt und den Prototyp für das nationale Zweitmeinungsverfahren Peniskarzinom entwickelt. © gie/aerzteblatt.de

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