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Elektronischer Blindenstock ermöglicht Orientierung im weiteren Umfeld

Mittwoch, 7. August 2019

Wie ein Taschenlampe hält man den virtuellen Blindenstock. /RUB, Kramer

Bochum – Einen elektronischen Blindenstock, der über ein radargestütztes System Informationen über das weitere Umfeld an seinen Träger vermittelt, haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zusammen mit Industriepartnern vorgestellt. Die Europäische Union und dem Land Nordrhein-Westfalen haben das dreijährige Projekt gefördert.

Die im Projekt „Ravis-3D“ entwickelten Systeme sind intuitiv benutzbar, erfassen die Umgebung und setzen sie in Audiosignale um, die über ein Hörgerät an den Träger übermittelt werden. Dabei analysiert das System die Geräuschumgebung und blendet die Hindernisse aus, die selbst Töne von sich geben. „Akustisch aktive Hindernisse, wie etwa einen sprechenden Menschen, sollte das System nicht als Hindernis begreifen, da der Nutzer sie ja ohnehin schon wahrnimmt“, erläuterte Rainer Martin vom Lehrstuhl für Kommunikationsakustik der RUB.Das System wurde zudem an das individuelle Hörvermögen von Nutzern angepasst.

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Das Forscherteam entwickelte für das Projekt unterschiedliche Sensoren und Systeme und testete sie gemeinsam mit Betroffenen. „Das Erstaunliche war, dass es vor allem die einfachen, intuitiven Systeme waren, die das positivste Nutzer-Feedback ergaben“, berichtet Nils Pohl, Inhaber des Lehrstuhls für Integrierte Systeme der RUB. Dabei hat sich vor allem ein System positiv hervorgetan: ein laut den Wissenschaftlern relativ einfaches Sensorsystem, das die Nutzer wie eine Taschenlampe in eine Richtung halten können, um die Entfernung zum nächsten Hindernis als Ton ausgegeben zu bekommen. „In Verbindung mit der Audioausgabe über Hörgeräte ergibt sich damit ein intuitiv zu bedienender virtueller Blindenstock, der in größerer Reichweite funktioniert“, erläuterte Corinna Weber von der Firma Snap.

„Wir müssen nun daran arbeiten, dass die Komponenten kleiner und günstiger werden und dass das System sich in weitere IT-basierte Blindenhilfsmittel zum Beispiel auf dem Smartphone gut eingliedert. Wenn das gelingt, können wir den Markt an Blindenhilfsmitteln in den kommenden Jahren bereichern“, sagte Dirk Kampmann von der Firma Kampmann Hörsysteme.

© hil/aerzteblatt.de

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