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Kann Fleischverzehr das Brustkrebsrisiko beeinflussen?

Donnerstag, 8. August 2019

verschiedene frische Fleischerzeugnisse liegen in der Theke einer Fleischerei. /picture alliance
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Research Triangle Park/North Carolina – Die Geschwister von Krebspatientinnen erkrankten in einer Kohortenstudie häufiger an Brustkrebs, wenn sie einen vermehrten Verzehr von rotem Fleisch angegeben hatten. Für weißes Geflügelfleisch wurde laut dem Bericht im International Journal of Cancer eine protektive Assoziation gefunden (2019; doi: 10.1002/ijc.32547).

Rotes Fleisch und Wurstwaren stehen im Verdacht, Krebs auszulösen, weil bei der Zubereitung heterozyklische aromatische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen, die über die Bildung von DNA-Addukten ein Krebswachstum auslösen könnten. Wurstwaren enthalten zudem Nitrosoverbindungen, die ebenfalls genotoxisch sind. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft rotes Fleisch als wahrscheinlich karzinogen (Gruppe 2A) und Wurstwaren sogar als eindeutig karzinogen (Gruppe 1) für Menschen ein.

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Die IARC begründet die Einstufung neben tierexperimentellen Untersuchungen auch mit den Ergebnissen aus epidemiologischen Studien. Darunter waren auch 10 Kohortenstudien zu Brustkrebserkrankungen, von denen vier eine statistisch signifikante Assoziation zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und der Häufigkeit von Brustkrebs gefunden hatten.

Ein Team um Dale Sandler vom US-National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park/North Carolina hat jetzt in einer weiteren Studie einen möglichen Zusammenhang entdeckt. Die „Sister Study“ hat zwischen 2003 und 2009 insgesamt 42.012 Schwestern von Brustkrebspatientinnen unter anderem nach ihren Ernährungs­gewohn­heiten befragt.

Vorliebe für rotes Fleisch beeinflusst Risiko bei Geschwistern

Da Brustkrebs eine deutliche erbliche Komponente hat, hatten die Schwestern ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Tatsächlich wurde im Verlauf von im Mittel 7,6 Jahren bei 1.536 Schwestern ein invasives Mammakarzinom diagnostiziert.

Die Auswertung der Ernährungsfragebögen ergab, dass Frauen im obersten Viertel des Verzehrs von rotem Fleisch zu 23 % häufiger an Brustkrebs erkrankt waren als Frauen im untersten Viertel des Verzehrs. Die Hazard Ratio von 1,23 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,48 statistisch signifikant.

Für den vermehrten Verzehr von weißem Geflügelfleisch wurde ein vermindertes Risiko gefunden. Das Viertel der Schwestern mit dem höchsten Verzehr erkrankte zu 15 % seltener (Hazard Ratio 085; 0,72-1,00). Die statistische Signifikanz war damit grenzwertig. Es ist aber nicht das erste Mal, dass der Verzehr von weißem Fleisch mit einem verminderten Krebsrisiko in Verbindung gebracht wurde.

Ob dies am niedrigen Gehalt von gesättigten Fettsäuren oder der geringeren Häm-Konzentration liegt, die den oxidativen Stress auf die DNA vermindern sollen, ist unklar. Möglich ist auch, dass die Schutzwirkung dadurch zustande kommt, dass Personen, die mehr Geflügelfleisch verzehren, seltener zu rotem Fleisch oder Wurstwaren greifen. Dafür sprechen Berechnungen von Sandler, die eben diesen Frauen ein um 28 % vermindertes Brustkrebsrisiko (Hazard Ratio 0,72; 0,8 bis 0,89) bescheinigen.

Wie immer in epidemiologischen Studien kann von der Assoziation nicht zwangsläufig auf eine Kausalität geschlossen werden. Es ist möglich, dass andere Aspekte des Lebensstils erklären, warum Frauen mit einem geringen Konsum von rotem Fleisch seltener an Brustkrebs erkranken. Dazu könnten körperliche Bewegung und die Vermeidung von Tabak und (zu viel) Alkohol gehören.

Die vom Science Medical Center in London befragten Experten geben auch zu bedenken, dass die relativen Risiken vor dem Hintergrund des absoluten Risikos zu sehen sind. Brustkrebs ist allerdings die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland erkrankt mittlerweile jede 8. Frau. Eine Verminderung des Risikos um mehr als ein Viertel (28 %) könnte deshalb durchaus relevant sein. © rme/aerzteblatt.de

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