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Soziale Kontakte im mittleren und späten Lebensalter könnten Demenzrisiko senken

Donnerstag, 8. August 2019

/Photographee.eu, AdobeStock.com
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London – Soziale Aktivitäten im mittleren und höheren Lebensalter könnten ein Baustein sein, um Demenz vorzubeugen. Das berichten Wissenschaftler um Andrew Sommerlad vom University College London in der Zeitschrift PLos Medicine (2019; doi: 10.1371/journal.pmed.1002862). 

Das Forschungsteam nutzte Daten aus der Whitehall-II-Studie. Sie beobachteten 10.228 Teilnehmer, die zwischen 1985 und 2013 6-mal nach ihren sozialen Kontakten mit Freunden und Verwandten befragt wurden. Die gleichen Teilnehmer absolvierten ab 1997 kognitive Tests. Die Forscher bezogen bis zum Jahr 2017 die elektronischen Gesund­heitsakten der Studienteilnehmer ein, um eine Demenzdiagnose zu erfassen.

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Für die Analyse konzentrierte sich das Forschungsteam auf die Zusammenhänge zwischen dem sozialen Kontakt im Alter von 50, 60 und 70 Jahren und der anschließenden Inzidenz von Demenz. Bei der Frage nach dem Zusammenhang zwischen sozialen Kontakten und kognitivem Rückgang berücksichtigten sie auch andere Faktoren wie Bildung, Beschäftigung, Familienstand und sozioökonomischen Status.

Die Forscher fanden heraus, dass ein erhöhter sozialer Kontakt im Alter von 60 Jahren mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden ist, später im Leben eine Demenz zu entwickeln. Die Analyse zeigte, dass jemand, der im Alter von 60 Jahren fast täglich Freunde sah, 12 % weniger wahrscheinlich an Demenz erkrankte als jemand, der nur alle paar Monate ein oder 2 Freunde sah.

Auch soziale Kontakte im Alter von 50 und 70 Jahren scheinen laut den Forschern gegen Demenz zu wirken. Allerdings erreichten die Zusammenhänge hier keine statistische Signifikanz.

„Unsere Erkenntnisse könnten in Strategien zur Verringerung des Demenzrisikos einfließen“, sagte der Hauptautor Sommerlad. Wichtig sei, soziale Kontakte zu fördern und Wege zu suchen, Isolation und Einsamkeit zu vermeiden.

„Menschen, die sich sozial engagieren, üben kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis und Sprache aus, die ihnen helfen können, kognitive Reserven zu entwickeln. Obwohl sie ihr Gehirn nicht davon abhalten können, sich zu verändern, könnte die kognitive Ressource den Menschen helfen, besser mit den Auswirkungen des Alters umzugehen und alle Symptome einer Demenz zu verzögern“, sagte der Senior-Autor der Studie, Gill Livingston. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #754103
Biochemie
am Freitag, 9. August 2019, 10:13

Freundschaften pflegen können und (latain) Demenz?

Wir wissen, dass Bindung eines der Grundbedürfnisse von uns Säugetieren ist die Sprechen können.
In den ersten Lebensjahren hat die Bindungsforschung herausgefunden, dass es überlebensnotwendig ist.
Also Nahrung alleine würde in den meisten Fällen zum Tot führen.
Bei älteren Menschen ist es vermutlich von der Prägung, Entwicklung abhängig wie viel und mit wem Kontakte gut sind.
Denn es gibt einen unterschied zwischen alleine sein und sich einsam fühlen.
Dann muss auch die Bindungsfähigkeit im laufe des Lebens entwickelt worden sein, wenn sie nicht in der Kindheit gelegt wurde.
Dieses und mehr spielt bei der Reaktion im Gehirn der Menschen eine Rolle ob es zu positiv oder negativ Wirkungen kommt.
Ich denke aber grundsätzlich benötigen die meisten von uns sprechenden Säugetiere mindestens eine Person wo eine möglichst sichere Bindung sich über Jahre entwickelt hat.
Der bedarf an psychologische Wissen um sich in andere Einfühlen zu können ist sehr unterschiedlich je nach Prägung aus der Kindheit.








Avatar #70385
Salzer
am Donnerstag, 8. August 2019, 20:31

tja, gruppe ist eben nicht gruppe

@rp_bt ein alpha-absturz in der gruppe kann schon verunsichern. kommt dann unter medikation ein bildgebendes verfahren hinzu, ist das dilemma vollständig
Avatar #735550
rp__bt
am Donnerstag, 8. August 2019, 18:04

Geht hier irgendetwas über Binsenweisheiten hinaus?

"Könnte" heißt: Vielleicht, vielleicht auch nicht.
LNS

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