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Ausland

Malta blockiert erstmals Einlaufen von Rettungsschiff für Flüchtlinge

Donnerstag, 8. August 2019

picture alliance/Anthony Jean/SOS Mediterranee/dpa

Valletta – Erstmals hat Malta einem Rettungsschiff für Flüchtlinge die Einfahrt in seine Hoheitsgewässer untersagt.  Die „Ocean Viking“ hatte in Malta auftanken wollen. Nach Verweigerung des Tankstopps setzte das Schiff heute seine Reise in Richtung seines Ein­satzgebiets vor der libyschen Küste fort. Es hatte nach Angaben des Einsatzleiters noch Treibstoff für schätzungsweise zehn bis zwölf Tage an Bord.

Während Italien bereits mehrfach den Hilfsschiffen den Zugang zu seinen Häfen verwei­gert hat, ließ Malta diese Schiffe bislang stets einlaufen. Nun habe die Regierung von Malta ihre Zustimmung zu dem Tankstopp kurzfristig und ohne Angabe von Gründen zu­rückgezogen, sagte Einsatzleiter Nicolas Romaniuk.

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Die Mission der „Ocean Viking“ gehe dennoch weiter, kündigte er an. Das 69 Meter lange Schiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen war am ver­gangenen Sonntag in Marseille in See gestochen. Es fährt unter norwegischer Flagge.

Es handelt sich um den ersten Einsatz der „Ocean Viking“. SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatten Ende 2018 nach drei Jahren ihre gemeinsamen Rettungsaktivitäten mit dem Schiff „Aquarius“ auf politischen Druck Italiens hin eingestellt. Mit der „Aqua­rius“ retteten sie nach eigenen Angaben zwischen 2016 und 2018 rund 30.000 Menschen vor dem Ertrinken.

Unterdessen harrt auch das Rettungsschiff der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms mit 121 Migranten an Bord weiter im Mittelmeer aus. Seit einer Woche befin­den sich die Geretteten auf dem Schiff – je mehr Zeit vergehe, desto schwieriger werde es, den Menschen zu erklären, warum sie nicht einfach von Bord gehen könnten, sagte Einsatzleiterin Anabel Montes Mier in einem Video, das die Organisation heute auf Twitter veröffentlichte.

Das Schiff befindet sich unweit der italienischen Insel Lampedusa. Die evangelischen Kirchen in Italien (FCEI) seien bereit, die Geretteten aufzunehmen, berichtete die Nach­richtenplattform der FCEI. Das habe der Vorsitzende Luca Maria Negro in einem Brief Re­gierungschef Giuseppe Conte und Innenminister Matteo Salvini geschrieben.

Salvini hatte den Seenotrettern gestern mit der Beschlagnahme des Schiffs gedroht, wenn sie in die Gewässer des Landes fahren sollten. In Italien können mittlerweile zudem hohe Geldstrafen verhängt werden, wenn Schiffe unerlaubt in die Hoheitsgewässer fah­ren. Immer wieder werden Rettungsschiffe mit geretteten Migranten auf dem Mittelmeer blockiert, weil die nächstgelegenen Staaten wie Malta und Italien ihnen ihre Häfen nicht zur Verfügung stellen wollen.

Zuletzt hatte in solchen Fällen die EU-Kommission vermittelt, um aufnahmebereite Län­der zu suchen. Allerdings sei noch immer keine Anfrage zur Koordinierung bei der Brüsse­ler Behörde eingegangen, hieß es dort heute. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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