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Wohnungslosigkeit in Bayern besser dokumentieren

Montag, 12. August 2019

/dpa

München – Bayern muss aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt (Awo) jährlich Wohnungslosen­zahlen erheben. „Nur eine kontinuierliche Erfassung ermöglicht es, Trends zu erkennen und Maßnahmen dem aktuellen Bedarf anzupassen“, sagte Landeschef Thomas Beyer in München. Ziel müsse es sein, Entwicklungen frühzeitig festzustellen.

Bisher hat die Staatsregierung zwei flächendeckende Erhebungen zum Ausmaß der Woh­nungslosigkeit in Bayern erstellen lassen – 2014 und 2017. Dort fließen Zahlen unter anderem zu kommunal untergebrachten wohnungslosen Menschen ein, zu Personen in Einrichtungen der freien Träger der Wohnungslosenhilfe, aber auch zu jenen, die bei Fachberatungsstellen beraten wurden.

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So wurden zum Stichtag 30. Juni 2017 im Freistaat 15.517 Wohnungslose registriert. Bei der Erhebung drei Jahre zuvor waren es 12.053 gewesen. Aus Sicht des bayerischen So­zial­ministeriums ist dieser Anstieg in einer Zeit steigender Zuwanderung und eines ange­spannten Wohnungsmarktes „lediglich moderat“. Nach einer Hochrechnung der Bundes­arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren im Verlauf des Jahres 2017 deutschland­weit 650.000 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen, darunter 375.000 anerkannte Asylsuchende und Flüchtlinge.

Nordrhein-Westfalen erhebe seit Jahren alle zwölf Monate die Zahlen – egal ob schwarz- oder rot-regiert, sagte Beyer und sprach von einem positiven Beispiel. „Das ist auch in der Wirtschaft gang und gäbe. Warum gibt es das nicht im sozialen Sektor?“, fragte der Awo-Landesvorsitzende. „Ich habe den Eindruck, die Politik ist froh, wenn sie sich damit nicht befassen muss. Aber wenn es negative Dinge gibt, darf sich der Staat nicht wegducken.“

Ein Ministeriumssprecher erklärte, für den Erhebungsrhythmus gebe es keine Vorgaben. „Allerdings besteht bei einer zum Beispiel jährlichen, freiwilligen Erhebung, die mit ver­hältnismäßig hohem Aufwand verbunden ist, das Risiko einer sinkenden Antwortbereit­schaft seitens der teilnehmenden Kommunen und Einrichtungen der freien Träger der Wohnungslosenhilfe.“ Für eine jährliche Erhebung spreche hingegen die vergleichsweise hohe Datenaktualität. Zudem verwies er darauf, dass der Bund eine bundesweite Erhe­bung einführen wolle, „die weitere Landeserhebungen entbehrlich machen würde“.

Beyer betonte, es gehe ihm nicht darum, „jedes Jahr eine Bilanz des Schreckens vorzule­gen“. Wichtig sei der präventive Charakter einer solchen Statistik. „Wohnungslosigkeit kommt vor Obdachlosigkeit. Da geht es um Leute, denen zum Beispiel im Kündigungsver­fahren droht, aus ihrer Wohnung zu müssen“, erklärte er. „Auch wenn es in Bayern besser läuft als anderswo, ist es für den Einzelnen nicht weniger schlimm. Gerade wenn man sieht, wie viel besser es drumherum ist.“

Einen Vorteil in den Datenerhebungen staatlicherseits sieht Beyer auch darin, dass man von allgemeinen Debatten abrücken kann. „Wenn sich die Politik mit eigenen Statistiken auseinandersetzen muss, kann sie nicht mehr ausweichen“, sagte er. Dann könne etwa Ver­­bänden kein Vorwurf gemacht werden, die Zahlen zu dramatisieren oder zu hoch zu schätzen.

Wichtige Instrumente zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit sind laut Ministerium prä­ventive Maßnahmen wie sozialer Wohnungsbau und Wohngeld. Darüber hinaus fördere es unter anderem Beratungsprojekte. Die zur Verfügung stehende Summe sei im Doppel­haushalt 2019/2020 auf rund 2,5 Millionen Euro angehoben worden und werde ausge­baut. Zudem solle eine Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern gegründet werden.

Der Awo-Landeschef warnte vor Diskussionen, dass gegebenenfalls mehr Geld für Woh­nungslosenhilfe ausgegeben und entsprechend umgeschichtet werden müsse, wenn ak­tuelle Zahlen einen höheren Bedarf begründen. Das Problem von Sozialministerin Kerstin Schleyer (CSU) sei, dass ihre Partei im Wahlkampf viel Geld für andere Zahlungen ver­spro­chen habe, was jetzt nicht mehr frei zur Verfügung stehe, sagte Beyer. Das dürfe nicht zulasten sozial Leidender gehen. © dpa/aerzteblatt.de

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