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Ausland

Hunderte Bootsflüchtlinge auf der Suche nach einem Mittelmeerhafen

Montag, 12. August 2019

/picture alliance, AP Photo

Rom/Valetta – Im Mittelmeer ist mit dem Einsatz eines neuen Rettungsschiffes die Zahl der geborgenen Bootsflüchtlinge wieder deutlich gestiegen. Die von den Hilfsorganisa­tio­nen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen erstmals eingesetzte „Ocean Viking“ nahm in weniger als 24 Stunden 170 Migranten aus zwei Schlauchbooten an Bord. Ges­tern kamen 81 weitere hinzu. Vor wenigen Minuten wurden weitere 105 Menschen ge­rettet.

Kurz nachdem die Helfer Rettungswesten an die Menschen in Seenot verteilt hätten, sei ein Schlauch des Bootes geplatzt und Menschen seien ins Wasser gefallen, teilte SOS Méditerranée auf Twitter mit. Alle 105 Geretteten seien nach der „kritischen Rettung“ sicher auf die „Ocean Viking“ gebracht worden.

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Die Menschen an Bord erzählten einem Helfer, dass sie willkürliche Inhaftierung, Erpres­sung oder Folter erlebt haben oder unter sklavenähnlichen Bedingungen haben arbeiten müssen, wie Ärzte ohne Grenzen twitterte. „Sie sagten mir, sie wären bereit gewesen, im Meer zu sterben, anstatt einen weiteren Tag in Libyen zu leben und zu leiden.“ Die „Ocean Viking“ hat nun mehr als 350 Migranten an Bord. Sie werde zunächst in der Rettungszone vor Liby­en bleiben, sagte eine Sprecherin.

Die seit über einer Woche mit 121 Geretteten an Bord ausharrende „Open Arms“ einer spa­nischen Hilfsorganisation hatte vorgestern vor Malta weitere 39 Menschen aufge­nom­m­en. Unklar ist, wohin beide Schiffe die Menschen bringen werden. Denn die beiden nächstgelegenen europäischen Länder – Italien und Malta – haben ihre Häfen für Flüchtlingsschiffe weitgehend dicht gemacht. Und Nordafrika wollen sie nicht ansteuern.

„Zehnter Tag an Bord, ein sehr heißer Augustsonntag. Wir halten stand, wir haben 160 Gründe es zu tun. 160 Menschen, die das Recht haben, in einem sicheren Hafen an Land zu gehen. Schande Europa“, schrieb Open Arms gestern auf Facebook. Open-Arms-Chef Oscar Camps hatte mitgeteilt, Malta wolle nur die 39 zuletzt Geretteten an Land lassen – die übrigen aber nicht. Das habe „zu einem ernsthaften Sicherheitsproblem an Bord ge­führt. Das Ausmaß der Beklemmung dieser Menschen ist unhaltbar“, twitterte er.

Die Regierung Malta teilte mit, dass sich das kleinste EU-Land für die übrigen 121 nicht zuständig fühle. Sie schrieb außerdem, dass die maltesischen Streitkräfte die Rettung der 39 ohnehin schon vorbereitet hätten, als die „Open Arms“ sie an Bord genommen habe. Gestern erklärte die Organisation, zwei Migranten würden wegen ihres Gesundheitszu­stands nach Malta geflogen, eine weitere Person sollte nach Italien gebracht werden.

Bei einer Pressekonferenz der spanischen NGO auf der italienischen Insel Lampedusa kritisierte der US-Schauspieler Richard Gere die harte Haltung Italiens zu den Migranten. „Ich liebe die Italiener sehr, eure Großzügigkeit und eure Lebensfreude. Und doch habe ich festgestellt, dass sich da etwas geändert hat“, sagte Gere, der zuvor Lebensmittel auf die „Open Arms“ gebracht hatte, laut Nachrichtenagentur Ansa. Italiens Innenminister Matteo Salvini konterte: „Du kannst alle Migranten mit nach Amerika nehmen in deinen Privatflugzeugen, um sie in deinen Villen zu versorgen. Danke.“

Italien und Malta verweigern Rettungsschiffen immer wieder die Einfahrt in ihre Häfen und dringen darauf, dass andere EU-Staaten vorab zusichern, alle anlandenden Migranten zu übernehmen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kommen kaum noch Schutzsuchende in Italien an. Im laufenden Jahr waren es bis gestern 4.042, im Gesamtjahr 2016 kamen noch 181.436.

Die Stadt Neapel richtete vorgestern Proactiva Open Arms aus, sie würde die Geretteten gerne aufnehmen. „Es ist ein weiter Weg ... aber denkt immer daran, dass der Hafen von Neapel offen ist. Die Stadt Neapel hat keine Angst vor 160 Personen“, teilte Italiens dritt­größte Stadt mit. Angesichts der harten Haltung der Regierung in Rom hat dies aber nur symbolischen Charakter. © dpa/aerzteblatt.de

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