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Medizin

Kolektomie: Darmvorbereitung bleibt in Studie ohne Vorteile

Montag, 12. August 2019

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Helsinki – Eine präoperative Darmreinigung mit Laxanzien und oralen Antibiotika, die an vielen Kliniken üblich ist und jüngst von einer US-Leitlinie empfohlen wurde, hat in einer randomisierten Studien die Rate von postoperativen Infektionen nicht gesenkt, wie aus einer Publikation im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31269-3) hervorgeht.

Für viele Chirurgen ist ein gereinigter Dickdarm eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer elektiven Kolektomie. Die präoperative Gabe von Laxanzien und Antibiotika soll den Darm von Bakterien befreien und dadurch postoperative chirurgische Infektionen verhindern, die bei keiner anderen Operation so häufig auftreten wie nach einer Kolektomie.

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Andererseits kann die Darmvorbereitung die in der Regel älteren und durch die Erkrankung geschwächten Patienten belasten, was sich ungünstig auf die postoperative Erholung auswirken könnte. Die Ansichten zur Darmvorbereitung gehen deshalb auseinander. Nach einer kürzlich in den Annals of Surgery (2019; 269: 671-677) vorgestellten Studie zu 27.804 Patienten erhielt 2012 bis 2015 etwa ein Viertel (23,46 Prozent) der Patienten vor einer elektiven Kolektomie keine Darmvorbereitung, bei einem Drittel (32,67 Prozent) wurde mit Laxanzien eine mechanische Darmreinigung vorgenommen, jeder zwanzigste Patient (5,89 Prozent) erhielt nur orale Antibiotika. Bei den übrigen Patienten (37,98 Prozent) wurden beide Vorsichtsmaßnahmen getroffen, zu der auch eine aktuelle Leitlinie der American Society of Colon and Rectal Surgeons in der Fachzeitschrift Diseases of the Colon and Rectum (2019; 62: 3-8) rät.

Der US-Fachverband führt zur Begründung seiner Empfehlungen einige ältere rando­misierte Studien und Erfahrungen aus retrospektiven Analysen an. Eine größere randomisierte Studie aus den Niederlanden bleibt allerdings unerwähnt. Dort war es ohne Darmvorbereitung nicht häufiger zu einem Anastomosevrsagen  gekommen (wohl aber zu mehr Abszessen nach Anastomosenleckagen). Da die Darmvorbereitung auch die septischen Komplikationen und die Mortalität nicht erhöht hatte, hielten die niederländischen Chirurgen sie für verzichtbar (Lancet 2007; 370: 2112-2117).

Eine an vier Kliniken in Finnland durchgeführte randomisierte Studie konnte jetzt erneut keine Vorteile einer Darmreinigung und oralen Antibiotikaprophylaxe erkennen. Die Chirurgin Laura Koskenvuo von der Universitätsklinik Helsinki und Mitarbeiter hatten in der MOBILE-Studie 396 Patienten auf eine Darmreinigung mit Polyethylenglykol plus eine orale Antibiotikaprophylaxe mit Neomycin oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert, in der keine der beiden Maßnahmen durchgeführt wurde. Die Studie war verblindet. Die Chirurgen wussten nicht, ob die Patienten eine mechanische Darmreinigung und orale Antibiotikaprophylaxe erhalten hatten.

Wie Koskenvuo berichtet, kam es bei 13 von 196 Patienten (7 Prozent) nach Darmreinigung und Antibiotikaprophylaxe in den ersten 30 Tagen nach der Operation zu einer chirurgischen Infektion (dem primären Endpunkt der Studie). In der Kontrollgruppe kam es bei 21 von 200 Patienten (11 Prozent) zu einer Infektion. Die Odds Ratio von 1,65 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 3,40) nicht signifikant, so dass die Studie Vorteile der Darmvorbereitung/Antibiotikaprophylaxe nicht sicher belegen kann.

Zu einer Anastomosen-Dehiszenz kam es nach der Darmvorbereitung/Antibiotikaprophylaxe bei 7 Patienten (4 Prozent) und in der Kontrollgruppe bei 8 Patienten (4 Prozent). Nachoperationen waren bei 16 Patienten (8 Prozent) beziehungsweise 13 Patienten (7 Prozent) erforderlich. Es kam innerhalb von 30 Tagen zu zwei Todesfällen. beide Patienten hatten keine Darmvorbereitung/Antibiotikaprophylaxe erhalten.

Koskenvuo schließt aus den Ergebnissen, dass die Darmvorbereitung/Antibiotikaprophylaxe nicht in der Lage ist, die Rate von chirurgischen Infektionen und die Gesamtmorbidität der Kolektomie zu senken. Die aktuellen Empfehlungen sollten deshalb überdacht werden. © rme/aerzteblatt.de

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