NewsPolitikKritik an Behörden für Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Kritik an Behörden für Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen

Montag, 12. August 2019

/dpa

Berlin – Im Umgang mit psychisch erkrankten Flüchtlingen haben Ärzte und Psychothe­rapeuten scharfe Kritik am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und den Ausländerbehörden geübt.

„Wir erkennen in den Zurückweisungen von traumatisierten Geflüchteten, dass das Bamf für seine Schreiben oftmals Textbausteine nutzt, um psychiatrische Gutachten und ärzt­liche Stellungnahmen als nicht ausreichend begründet abzuweisen", sagte die Vorsitzen­de der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF), Elise Bittenbinder, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Anzeige

Ihrer Meinung nach wirke dies, als würden sich Bamf-Mitarbeiter nicht mehr pro­fessi­o­nell mit jedem Einzelfall auseinandersetzen, „sondern pauschal und manchmal sogar sehr differenziert unsachgemäß urteilen“. Als ginge es vor allem darum, „politische Interessen durchzusetzen, und nicht um Fachlichkeit oder den bestmöglichen Schutz von Opfern von Gewalt“, sagte Bittenbinder.

Die BAfF ist der Dachverband für bundesweit rund 40 Psychosoziale Zentren. Nach eige­nen Angaben haben Ärzte und Psychotherapeuten 2013 etwa 10.000 traumatisierte Ge­flüch­­tete versorgt, 2018 waren es nach Angaben der BAfF-Vorsitzenden Bittenbinder schon mehr als 20.000.

Deutliche Kritik am Vorgehen der Behörden äußerte auch der Menschenrechtsbeauftragte der hessischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Ernst Girth. „Die Regierungen, das Bamf und die Aus­länderbehörden versuchen in vielen Fällen, kritische Ärzte aus den Abschiebeverfahren rauszuhalten“, sagte er.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wies die Vorwürfe zurück. „Bei Hin­weisen auf psychische Erkrankungen sind die Entscheider des Bundesamtes dahingehend sensibilisiert, besonders einfühlsam mit den Betroffenen umzugehen“, sagte ein Bamf-Sprecher auf Nachfrage. Das Bamf setzt nach eigenen Angaben in den Asylverfahren 218 Sonderbeauftragte für Traumatisierte und Folteropfer ein.

Seit August gilt das Geordnete-Rückkehr-Gesetz. Es hält auch fest, dass nur noch Atteste von Fachärzten wie Psychiatern oder ärztlichen Psychotherapeuten für traumatisierte Flüchtlinge durch das Bamf als mögliches Hindernis für eine Abschiebung akzeptiert werden. Stellungnahmen von Psychologischen Psychotherapeuten werden von den Behörden dagegen nicht mehr angenommen. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. August 2019
Berlin – Die 356 Männer, Frauen und Kinder an Bord des Rettungsschiffes „Ocean Viking“ dürfen in Malta an Land gehen. Das Schiff, das von den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS
Ärzte ohne Grenzen: Gerettete an Bord der „Ocean Viking“ können in Malta an Land gehen
23. August 2019
Damaskus/Berlin – Bei der Regierungsoffensive auf Syriens letzte große Rebellenhochburg Idlib sind auch mehrere von Deutschland geförderte Kliniken und Helfer Ziel von Angriffen geworden. Insgesamt
Von Deutschland geförderte Kliniken in Syrien bei Luftangriff getroffen
21. August 2019
Koblenz – Psychische Störungen sind immer häufiger der Hauptgrund für eine Berufsunfähigkeit. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Debeka hervor, die die Daten von etwa 522.000 Versicherten
Mehr Menschen müssen Beruf wegen psychischer Störungen aufgeben
21. August 2019
Rom – Nach einer rund drei Wochen langen Blockade auf dem Mittelmeer sind die 83 Migranten von dem Rettungsschiff „Open Arms“ nun doch in Italien an Land gegangen. Alle Menschen durften in der Nacht
„Open Arms“: Migranten gehen in Italien an Land
20. August 2019
Stockholm – Entzündliche Darm­er­krank­ungen belasten die Psyche. Nachdem frühere Untersuchungen bereits auf ein erhöhtes Risiko von psychiatrischen Erkrankungen bei Erwachsenen hingewiesen hatten, zeigt
Entzündliche Darm­er­krank­ungen erhöhen psychiatrische Morbidität von Kindern
20. August 2019
Lampedusa – Die Lage auf dem spanischen Rettungsschiff „Open Arms“ ist nach wochenlangem Tauziehen um einen sicheren Hafen für die Migranten außer Kontrolle geraten. Mehr als ein Dutzend Migranten
Brisante Lage auf Rettungsschiff: Migranten springen ins Wasser
19. August 2019
Madrid – Die spanische Regierung hat dem Rettungsschiff „Open Arms“ im Ringen um eine Lösung für die 107 Migranten an Bord die Balearischen Inseln als sicheren Hafen angeboten. Das teilte die
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER