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Medizin

Multiple Sklerose: Randsaum im 7-Tesla-MRT zeigt aggressive Läsionen an

Mittwoch, 14. August 2019

Philipp Brandstädter - picture-alliance

Bethesda – Hirnläsionen mit einem Randsaum, die zuerst in 7-Tesla-Magnetresonanz­tomografen (MRT) entdeckt wurden, inzwischen aber auch mit 3-Tesla-MRT darstellbar sind, zeigen einen besonders aggressiven Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) an, wie eine aktuelle Kohortenstudie in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.2399) zeigt.

Als vor Jahren die ersten 7-Tesla MRT eingeführt wurden, entdeckten Forscher auf den Aufnahmen von MS-Patienten eine neuartige Art von Hirnläsionen, die durch einen feinen Randsaum („rim“) auffielen. Es bestand sogleich der Verdacht, dass es sich um chronisch aktive Läsionen mit einer „schwelenden“ Entzündung handelt, die einen ungünstigen Verlauf der Erkrankung anzeigen.

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Ein Team um Daniel Reich vom National Institute for Neurological Disorders and Stroke in Bethesda kann den Verdacht jetzt durch drei Studien stützen. In der ersten Studie wurden die MRT-Bilder von 192 Patienten mit den klinischen Befunden verglichen. Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Patienten, die vier oder mehr Läsionen mit einem „rim“ aufwiesen, litten 1,6-mal häufiger unter einer progressiven MS als Patienten ohne umrandete Läsionen. Bei den jüngeren Patienten (unter 50 Jahre) war das Risiko sogar 3,2-fach höher.

Die Patienten mit mehreren umrandeten Läsionen entwickelten in einem früheren Alter motorische und kognitive Behinderungen als die Patienten, die keine umrandeten Läsionen aufwiesen. Bei den Patienten war außerdem der Anteil der weißen Hirnsubstanz vermindert und die Basalganglien waren kleiner als bei Patienten ohne Randläsionen.

In einer zweiten Studie konnten die Forscher die zeitliche Entwicklung der Erkrankung auf älteren MRT-Bildern nachzeichnen, die bei den Patienten über zehn Jahre oder länger jährlich durchgeführt worden waren: Während die Läsionen, bei denen mit den neuen Scannern keine Randsäume nachweisbar waren, im Verlauf der Erkrankung kleiner geworden sind, haben sich die meisten umrandeten Läsionen vergrößert.

Den dritten Beleg für die Hypothese, dass die „rims“ eine chronisch „schwelende“ Entzün­dung anzeigen, fanden die Forscher bei der Autopsie eines Patienten, der inzwischen an der MS gestorben ist. Die Pathologen untersuchten zehn umrandete Läsionen, die sich in den letzten Jahren vergrößert hatten. Alle wiesen einen Kern auf, in dem die Neurone die Myelinscheiden verloren hatten und in denen die Axone abgestorben waren. Histologisch waren mit Eisen beladene Phagozyten und eine subtile Öffnung der Blut-Hirn-Schranke erkennbar. Dies zeigt eine schwere Schädigung der betroffnen Hirnregion an mit fehlender Aussicht auf eine Reparatur der Myelinscheiden, die in anderen Läsionen gelingen kann.

Ein Kennzeichen der umrandeten Läsionen ist, dass sie offenbar nicht auf die derzeit verfügbaren Medikamente ansprechen. Dass sie jetzt im MRT nachweisbar sind, könnte eine wichtige Hilfe auf der Suche nach neuen und besseren Medikamenten sein, hoffen die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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