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Ärzteschaft

„Wir tragen die Verantwortung, Frauen in dieser Situation fair und empathisch zu betreuen“

Freitag, 16. August 2019

Berlin – Ende Juli wurde von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) eine erste Liste mit Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen veröffentlicht, die Schwan­ger­schaftsabbrüche durchführen. Die Liste ist Teil eines gesetzlichen Auftrages und eines Kompromisses zwischen Union und SPD beim Thema Verbot von Werbung zum Schwan­gerschaftsabbruch nach 219a Strafgesetzbuch (StGB). Alexander Braun, Leiter der Praxis­klinik Winterhude in Hamburg, gehört zu den ersten Ärzten, die auf der Liste stehen.

Fünf Fragen an Alexander Braun, Leiter der Praxisklinik Winterhude in Hamburg

DÄ: Warum sind Sie mit der Praxis auf der Liste des Ham­­burger Gesundheitsbehörde und der Liste der Bundes­ärzte­kammer?
Alexander Braun: Die Liste in Hamburg gibt es schon länger. Wir in unserem Medizinischen Versorgungszent­rum stehen dazu, dass wir alle gynäkologischen Leis­tungen von der Vorsorge, über den Kinderwunsch bis zum Schwangerschaftsabbruch anbieten. Wir haben bis zu 2.000 gynäkologische Operationen jeglicher Art pro Jahr in unserer Praxis. Nur weil man öffentlich ver­schweigt, dass es Abbrüche gibt, heißt es ja nicht, dass sie im Alltag von gynäkologischen Praxen nicht stattfin­den würden. Auf vier Geburten kommt statistisch ge­sehen ein Abbruch. Das Thema ist Alltag beim Frauenarzt und in gynäkologischen Op-Sälen, auch wenn keiner den Eingriff gerne durchführt und den Frauen die Entscheidung immer schwerfällt.

DÄ: Wie hoch ist der Informationsbedarf der Patientinnen, die zu ihnen kommen?
Braun: Der Informationsbedarf ist sehr hoch. Viele Frauen brauchen in der Situation Hilfe und kompetente medizinische Betreuung. Die Entscheidung der Frauen muss begleitet werden. Das darf man nicht als Werbung verstehen oder bewerten. Wir Ärzte tragen die Verantwortung, Frauen in dieser misslichen Situation fair und empathisch zu betreuen und operativ korrekt zu handeln, um spätere psychischen und körperlichen Schäden zu vermeiden. Und dann ist es gut zu wissen, dass wir, nach der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung in Beratungsstellen, hier noch einmal die medizinischen Fragen klären können.

DÄ: Sind dies Patientinnen, die Sie schon vorher in der Praxis betreut haben oder stellen die Frauen sich erstmals in Ihrer Praxis vor?
Braun: Sowohl als auch. Unsere Patientinnen kennen uns ja schon, da gibt es generell in der Versorgung ein Vertrauensverhältnis. Ansonsten sind unsere Adresse auch bei den Hamburger Beratungsstellen zum Beispiel bei ProFamilia bekannt. Auch andere Praxen senden Frauen zur Operation zu uns. Das war auch schon vor den jetzt bekannten Listen so.

DÄ: Haben Sie Angst vor Bedrohungen oder wurde der Praxisstandort schon einmal von Abtreibungsgegner bedroht?
Braun: Nein, das haben wir hier noch nicht erlebt. Wir haben die Praxis hier seit 30 Jah­ren und das ist noch nie etwas vorgefallen. Jetzt, wo man öfter darüber spricht, könnte das natürlich dazu anregen. Aber wir haben keine Angst, denn wir sind keine Schwer­punkt­­praxis für Abbrüche. In Hamburg gibt es sehr viele Praxen, die einen Abbruch durch­führen, vielleicht ist hier daher das Klima anders als in anderen Regionen, wo es viel weniger Ärztinnen und Ärzte gibt, die den Abbruch vornehmen.

DÄ: Wie sehr ist das ärztliche Wissen über einen Abbruch noch unter Gynäkologen verbreitet?
Braun: Auch hier: Da jetzt viel mehr darüber gesprochen wird, wird das Thema nicht mehr so oft umgangen, wie in früheren Zeiten. Wir werden zu ärztlichen Diskussionen zum Beispiel im Berufsverband neuerdings eingeladen, um über das Thema offen zu informie­ren und sich auszutauschen. Früher ist es ja nie öffentlich geworden, in welchen kleine­ren Operationssälen ein Abbruch stattgefunden hat. Nach meiner Überzeugung sollte der Eingriff aber in Praxen stattfinden, die viel Erfahrung damit haben und sich auskennen. © bee/aerzteblatt.de

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