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Politik

Zahl der ambulant behandelten Patienten in Krankenhaus­notaufnahmen sinkt

Mittwoch, 14. August 2019

/dpa

Berlin – Die Zahl der an Krankenhäusern ambulant behandelten Notfallpatienten sinkt. Zwischen 2016 und 2018 ging sie um rund 222.000 Fälle zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der Notfälle, die ambulant durch niedergelassene Haus- und Fachärzte behandelt wurden: und zwar von 8,96 Millionen Fällen im Jahr 2015 auf 9,32 Millionen Fälle im Jahr 2018. Das geht aus den Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) hervor, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ausgewertet und gestern veröffentlicht hat.

Zi-Geschäftsführer Dominik von Stillfried führt den Trend der sinkenden Inanspruch­nah­me der Krankenhausnotaufnahmen durch ambulante Patienten unter anderem auf die verstärkten Initiativen der Kassenärztlichen Vereinigungen zurück, Portal- und Bereit­schaftspraxen einzurichten und die Rufnummer des vertragsärztlichen Bereitschafts­diens­tes 116117 bekannter zu machen.

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„Auch zeigen die Daten, dass sich die Behandlungsanlässe deutlich in Richtung akuter Ereignisse wie Verletzungen und Schwangerschaftsbehandlungen verschieben“, erklärte von Stillfried. Die Inanspruchnahme des Notdienstes zur Behandlung von chronischen Erkrankungen, die in der vertragsärztlichen Regelversorgung gut versorgt werden könnten, sei hingegen deutlich rückläufig.

„Kurzum: Die Reformmaßnahmen der KVen tragen erste Früchte. Die Vertragsärzte leisten einen signifikanten und weiter steigenden Beitrag zur Entlastung der Notaufnahmen in den Kliniken. Diese Ansätze müssen jetzt unterstützt werden“, forderte der Zi-Geschäftsfüh­rer.

Bund und Länder beraten über Reformpläne zur Notfallversorgung

Anlass für von Stillfrieds Äußerungen war ein Treffen von Vertretern der Gesundheits­mi­nisterien der Länder heute im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) in Berlin. Bund und Länder wollen dort über den Arbeitsentwurf für eine Reform der Notfallversorgung bera­ten, den das BMG Mitte Juli vorgelegt hatte.

Dieser sieht insbesondere eine bessere Steuerung der Patienten vor. Dazu sollen die Ruf­nummern für den Rettungsdienst (112) und für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) in einer Leitstelle zusammenlaufen.

Geschultes medizinisches Personal soll nach einheitlichen Standards die Dringlichkeit einer Behandlung einschätzen und die Patienten an die ihren Beschwerden angemessene Stelle verweisen, also entweder in die Notaufnahme des Krankenhauses, die vertragsärzt­liche Bereitschaftspraxis oder an den Rettungsdienst.

An ausgewählten Krankenhäusern sollen sogenannte Integrierte Notfallzentren (INZ) eingerichtet werden, in denen medizinisches Personal eine qualifizierte Ersteinschätzung abgibt, wenn Patienten direkt ins Krankenhaus kommen. Betrieben werden sollen die INZ gemeinsam von KVen und Krankenhäusern.

Über die Frage, an welchen Standorten INZ errichtet werden, sollen die Länder entschei­den. Dabei sollen bestehende Strukturen dem Arbeitsentwurf zufolge in die Planung einbezogen werden. Zum Verlauf der Beratungen zwischen Bund und Ländern will sich das BMG vorerst nicht äußern. Es handele sich um interne Gespräche, hieß es dort.

Krankenhausdirektoren wollen Versorgungsdefizite verhindern

Als Schritt nach vorn bezeichnete der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) die geplante Reform der Notfallversorgung. „Wenn die ambulante Notfallversor­gung jetzt generell an den Krankenhäusern angebunden sein soll, ist dies ein wichtiger Beitrag zu einer sicheren Versorgung“, sagte VKD-Präsident Josef Düllings.

Zwar halte der Verband die Planungshoheit der Länder für die INZ für sinnvoll. Gesichert werden müsse mit der Reform aber auf jeden Fall auch weiterhin ein flächendeckender Zugang zur Notfallversorgung. Deshalb müssten die Länder allen Krankenhäusern, die bereits heute an der Notfallversorgung teilnehmen, auch dafür den Versorgungsauftrag erteilen.

Dem VKD zufolge gibt es regional große Unterschiede in Art und Umfang der Beteiligung von niedergelassenen Ärzten an der ambulanten Notfallversorgung. An einigen Kranken­häusern arbeiteten gut funktionierende Portalpraxen. „In vielen Regionen aber überneh­men die Krankenhäuser nahezu die gesamte Notfallversorgung allein.

Bestehende und funktionierende Strukturen sollten beachtet werden“, erklärte Düllings. Für die Umsetzung der Reform benötige man deshalb Übergangsregelungen. Im Zuge der Strukturveränderungen dürften keine Versorgungsdefizite entstehen. Außerdem müssten die Krankenhäuser für ihre Investitionen und Leistungen angemessen vergütet werden. © HK/aerzteblatt.de

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