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Ärzteschaft

Ärztemangel: Bürgermeisterin wirbt als Single um Hausarzt

Donnerstag, 15. August 2019

Josefa Schmid, Bürgermeisterin von Kollnburg /dpa

Kollnburg – Mit einem Verweis auf ihren Beziehungsstatus bei der Suche nach einem Hausarzt für eine niederbayerische Gemeinde hat Bürgermeisterin Josefa Schmid (45, FDP) offensichtlich ins Schwarze getroffen. „Es ist wirklich höchst erstaunlich, was dieser kleine Zusatz für große Wirkung entfaltet“, sagte die Rathauschefin von Kollnburg. „Wir haben damit überhaupt nicht gerechnet und werden da auch ein bisschen überrollt.“

Die Gemeinde hatte im Deutschen Ärzteblatt eine Anzeige für die Suche nach einem Haus­arzt beziehungsweise einer Hausärztin geschaltet mit dem „Geheimtipp“: „Die Bür­germeisterin ist noch unverheiratet!“ Das hat nicht nur ein großes Medienecho ausgelöst – vor allem trudeln nun Bewerbun­gen ein. „Es ist wirklich höchst erstaunlich, was dieser kleine Zusatz für große Wirkung entfaltet“, freut sich Schmid.

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Fast überrascht berichtet die FDP-Politikerin, es hätten sich wirklich Ärzte per E-Mail mit Lebenslauf und detaillierten Angaben zu ihrer Laufbahn gemeldet. „Wir sind jetzt ganz konkret auch schon in Kontakt mit einer Ärztin, die mit der ganzen Familie aus dem Frankfurter Großraum nach Niederbayern umziehen möchte, oder auch mit einem Arzt aus NRW wie auch aus dem Großraum Hannover.“

Lösungen gegen Landarztmangel gesucht

Das Thema Landärztemangel beschäftigt die Politik seit Jahren. Die Lösungsansätze sind vielfältig: Studienplätze werden mitunter an die Bedingung geknüpft, nach dem Ab­schluss für einige Jahre in ärztlich unterversorgte Regionen zu gehen.

Es gibt Förderun­gen bei der Wohnungssuche, Starthilfe für die Jobsuche des Partners, Kita- und naturnahe Freizeit-Angebote. Manche Kommunen werden noch kreativer und veröffentlichen wie das niedersächsische Rastede ein Video, in dem unter anderem geworben wird mit: „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“. Das steht so ähnlich auch in der Anzeige von Kollnburg.

Es sei ein sehr ernstes Thema, sagte Bürgermeisterin Schmid. Und ihre Aktion sei ein gu­tes Beispiel, „wie man es vielleicht ein bisschen auf humorvolle Art und Weise angehen kann“. Dass sie medienaffin ist und auch das Rampenlicht nicht scheut, hatte Schmid schon vor Jahren bewiesen, als sie als „singende Bürgermeisterin“ bekannt wurde.

Im ver­gangenen Jahr geriet Schmid bundesweit in die Schlagzeilen in der Debatte um manipu­lierte Asylbescheide als Chefin der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Mi­gra­­tion und Flüchtlinge.

Sollten sich denn andere Kommunen auf der Suche nach einem Landarzt an Schmids Methoden ein Vorbild nehmen? „Ich glaube, dass sich das nicht jeder leisten kann. Das muss auch zu einem passen“, sagte der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeinde­bunds, Uwe Brandl, der wie Schmid Bürgermeister in Niederbayern ist. „Frau Schmid ist ja bekannt dafür, dass sie medial einen Kniff findet.“ Und der Erfolg gebe ihr offensichtlich recht. „Ist ja schön, wenn es funktioniert.“

Sie selbst sagt: „Politik ist natürlich eine seriöse Sache, und die muss man auch ganz ernsthaft betreiben.“ Aber wenn es schwer werde und der Konkurrenzdruck abseits der Metropolregionen groß sei, sei es schon erlaubt, das „auch einmal ein bisschen unkon­ventionell anzugehen“. „Warum soll man nicht auch mal einen anderen Weg gehen, der originell ist.“ Und auch die Ärzte hätten Humor.

Der Aufruf hat sogar Wellen bis ins Ausland geschlagen. Ärzte aus dem arabischen Raum hätten sich gemeldet, berichtet Schmid. „Das wollte ich eigentlich gar nicht.“ Die Be­wer­bungen könne sie nicht einmal lesen. Aber im Anhang seien Approbationen – so erkenne sie, dass es eine Reaktion auf die Stellenanzeige ist. „Ich glaube, da werden wir auf Eng­lisch antworten.“ Und auch hier wird sie wieder ein Stück weit politisch: „Es ist vielleicht ein Zeichen, dass das vielleicht die Akademiker wären, die wir brauchen – aus dem Flüchtlingsbereich.“

Unter den Bewerbungen seien aber solche, bei denen es weniger um den Ärztejob als um die unverheiratete Bürgermeisterin geht. „Das kann ich jetzt so schnell nicht beantwor­ten“, sagte Schmid. Und Vorrang hätten jetzt erstmal die Ärzte. Der Frage, ob denn für sie jemand dabei wäre, weicht die 45-Jährige zunächst aus: „Privat ist privat“, sagt sie. Aber auch: „Mal schauen, wie sich das entwickelt.“ Besonders kurios: „Es sind auch welche dabei, die wollen Trauzeugin machen. Das finde ich ein paar Schritte zu weit gedacht.“ © dpa/aerzteblatt.de

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