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Medizin

FDA lässt neuen Wirkstoff zur Behandlung der resistenten Tuberkulose zu

Donnerstag, 15. August 2019

Kateryna_Kon - stock.adobe.com

Silber Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den neuartigen Wirkstoff Pretomanid zur Behandlung der Tuberkulose zugelassen. Das Mittel, dessen klinische Entwicklung von der gemeinnützigen Organisation TB Alliance vorangetrieben wurde, darf in Kombination mit den Bedaquilin und Linezolid zur Behandlung einer hochgradig behandlungsresistenten Lungentuberkulose eingesetzt werden.

Der Begriff hochgradig („highly“) resistent umfasst die beiden Kategorien der multi­resistenten (MDR-TB) und der extensiv resistenten Tuberkulose (XDR-TB). Beide Formen haben sich in den letzten Jahren vor allem in ärmeren Ländern ausgebreitet, Dort fällt vielen Infizierten die monatelange regelmäßige Einnahme der Tuberkulostatika schwer, und Labors sind nicht in der Lage, Resistenzen rechtzeitig zu erkennen.

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Dadurch konnten sich Bakterienstämme ausbreiten, die gegen die Erstlinienmedikamente Isoniazid und Rifampicin (MDR-TB) und schließlich auch gegen mehrere Zweitlinien­medikamente (XDR-TB) resistent sind. Diese Erreger sind in Deutschland (außer bei Migranten aus Osteuropa) noch relativ selten, weltweit haben sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2016 etwa 490.000 Menschen mit hochgradig resistenten Tuberkuloserregern infiziert, die die Behandlung erschweren.

Bisher mussten diese Patienten mit parenteralen Medikamenten über ein Jahr oder länger behandelt werden. Die jetzt von der FDA zugelassene Kombination aus Bedaquilin, Pretomanid und Linezolid (BPaL) ist oral verfügbar. Sie erzielte in der Nix-TB-Studie bereits nach sechs Monaten bei 95 der 107 Teilnehmer (89 Prozent) eine Ausheilung der Lungentuberkulose. Bei zwei Patienten wurde die Behandlung auf neun Monate verlängert.

Das Mittel, dessen Rechte die TB Alliance 2002 erworben hatte, wurde bisher in 19 klinischen Studien an 1.168 Patienten eingesetzt. Die Behandlung hat sich dabei als einigermaßen verträglich erwiesen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren laut FDA eine periphere Neuropathie, Akne, Anämie, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, erhöhte Leberenzyme (Transaminasen und Gamma-Glutamyltransferase), Verdauungsstörungen (Dyspepsie), Hautausschlag, erhöhte Pankreasenzyme (Hyperamylasämie), Sehstörungen, Blutzuckerabfälle (Hypoglykämie) und Durchfall.

Pretomanid ist erst das dritte neue Tuberkulostatikum der letzten 40 Jahre. Es ist das zweite Mittel, dass unter den LPAD-Regeln („Limited Population Pathway for Antibacterial and Antifungal Drugs“) unter vereinfachten Bedingungen von der FDA zugelassen wurde. Es ist das erste Mittel, das nicht von einem gewinnorientierten Unternehmen, sondern von einer gemeinnützigen Organisation klinisch geprüft wurde. © rme/aerzteblatt.de

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