NewsPolitikJugendämter veranlassten mehr Inobhut­nah­­men
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Jugendämter veranlassten mehr Inobhut­nah­­men

Freitag, 16. August 2019

/Monkey Business, stock.adobe.com

Wiesbaden – Mehr Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung haben die Jugendämter im vergangenen Jahr beschäftigt. Die Zahl der Inobhutnahmen aus diesem Grund stieg um ein Viertel auf mehr als 6.150, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte.

Erstmals seit Einführung der Statistik im Jahr 1995 seien Anzeichen für körperliche oder psychische Misshandlung mit 8,3 Prozent die dritthäufigste Ursache für das Einschreiten der Behörden gewesen. Dabei werden Minderjährige vorübergehend ins Heim oder in eine Pflegefamilie gebracht, um sie zu schützen.

Am häufigsten wurden die Jugendämter jedoch wegen Überforderung eines Elternteils oder beider Elternteile aktiv, wie aus der Statistik hervorgeht. Dies geschah in rund 17.700 Fällen. Danach folgten Inobhutnahmen unbegleitet eingereister, minderjähriger Flüchtlinge. Dies beschäftigte die Jugendämter rund 12.200 Mal, das bedeutet einen Rückgang um 46 Prozent.

Dies sei der Hauptgrund, dass auch die Gesamtzahl der Maßnahmen um 14 Prozent auf 52.590 sank, erklärte das Bundesamt. Jugendliche waren in rund 31.200 Fällen betroffen, Kinder in knapp 21.400. Jungen wurden knapp 29.500 mal in Obhut genommen, Mädchen rund 23.100 mal.

Die Maßnahmen sollen als vorläufiger Schutz in akuten Krisen- oder Gefahrensituationen dienen. Diese können auf Bitte der betroffenen Kinder, bei einer dringenden Gefahr für das Kindeswohl oder bei unbegleiteter Einreise aus dem Ausland eingeleitet werden.

Im vergangenen Jahr kamen die Hinweise meist von sozialen Diensten und Jugendämtern (57 Prozent). In knapp jedem fünften Fall wandten sich die Betroffenen selbst an das Ju­gendamt. Weitere Hinweisgeber waren Polizei, Ordnungsbehörden, Eltern, Ärzte, Lehrer oder Verwandte.

In knapp jedem vierten Fall waren die Kinder oder Jugendlichen unmittelbar zuvor von Zuhause ausgerissen, also von ihrer Familie, ihrer Pflegefamilie oder aus einem Heim. In 36 Prozent der Fälle konnten sie zurückkehren. In 30 Prozent der Fälle mussten sie anderweitig untergebracht werden. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 17. August 2019, 03:09

Leider

halten sich die unterlassenen und die übermäßigen Inobhutnahmen diie Waage - einerseits erfolgen einige ohne ausreichenden Grund aus Angst vor der Verantortung, andere erfolgen nicht, obwohl sie begründet währen...
Anstatt zB suchtkranken Müttern die Kinder sofort dauerhaft zu entziehen, werden diese Frauen zum Schaden der Kinder mit einer permanenten Drohung der Wegnahme der Kinder einer ständigen Erpressung zu vermeintlichem Wohlverhalten ausgesetzt.
Avatar #735550
rp__bt
am Freitag, 16. August 2019, 19:48

Klingt wie eine schlechte Nachricht, ist aber eine gute.

Die Sensibilisierung durch schlimme Extremfälle und Versäumnisse hat wohl zu einer erhöhten Wachsamkeit bei den Behörden geführt.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER