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Anwendungshinweise: Worauf beim Impfen von Rheumapatienten zu achten ist

Freitag, 16. August 2019

/psdesign1, stockadobecom

Aachen – Beim Impfen von Patienten mit Rheuma und anderen Autoimmunerkrankungen ist einiges zu beachten – zum Beispiel ob der Patient gerade Immunsuppressiva ein­nimmt und ob es sich bei dem Vakzin um einen Lebend- oder Totimpfstoff handelt. Eine Experten­gruppe hat deshalb Anwendungshinweise für das Impfen bei Immundefizienz erarbeitet, die im Bundesgesundheitsblatt erschienen sind (doi: 10.1007/ s00103-019-02905-1).

Einen Grund, bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder unter immunmodulatori­scher Therapie auf Impfungen zu verzichten, gibt es aber nicht. Ganz im Gegenteil: Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie betont in einer Pressemitteilung, dass Impfun­gen für Rheumapatienten besonders wichtig seien, da sowohl die Krankheit selbst als auch deren Behandlung die Immunabwehr gegen Bakterien und Viren schwäche.

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Bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen „bindet die Entzündung Ressourcen, die bei der Abwehr von Krankheitserregern fehlen können“, erläuterte der Präsident der Fachge­sellschaft, Hendrik Schulze-Koops vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Uni­ver­sität München tätig ist. Menschen mit Rheuma erkranken doppelt so häufig an viralen oder bakteriellen Infektionen wie andere Menschen.

Die Expertengruppe mit Mitgliedern der zuständigen Fachgesellschaften, des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) raten den Patienten deshalb, an allen empfohlenen Impfungen teilzunehmen. Das gelte nicht nur für ältere Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Psoriasis-Arthritis. Auch jüngere Menschen, zum Beispiel mit Morbus Bechterew, sollten darauf achten, dass sie alle für Kinder und Jugendliche vorgesehenen Impfungen erhalten haben.

„Das Problem ist, dass die Wirkung einer Impfung auf ein intaktes Immunsystem ange­wiesen ist“, erklärte Schulze-Koops. „Es muss die Antikörper bilden, die später vor einer Infektion schützen.“ Diese Voraussetzung sei bei rheumatischen Erkrankungen nicht immer gegeben und der Impferfolg somit gefährdet. Noch schwieriger wird es, wenn die Patienten Immunsuppressiva behandelt werden. Die meisten Patienten erhalten Basisthe­ra­peutika wie Methotrexat, die das Fortschreiten der Gelenkzerstörung verhindern. Bei einem Krankheitsschub sind häufig Steroide notwendig.

Ob Patienten, die mit Immunsuppressiva behandelt werden, geimpft werden dürfen, hängt in erster Linie vom Impfstoff ab. Die meisten enthalten abgetötete Erreger. Es gibt Totimpfstoffe zum Beispiel gegen Pneumokokken, Hepatitis B, Meningokokken, Herpes zoster und humane Papillomaviren (HPV). Auch der Grippeimpfstoff zählt dazu, mit Aus­nahme des Impf-Nasensprays, das eigentlich nur bei Kindern eingesetzt wird. Totimpf­stoffe können nach Einschätzung der Experten bei Patienten mit rheumatischen Erkran­kungen meist bedenkenlos eingesetzt werden.

Impfschutz vor Behandlungsbeginn sichern

„Bei einigen stark wirkenden Immunsuppressiva kann die Fähigkeit des Immunsystems zur Antikörperbildung jedoch soweit eingeschränkt sein, dass keine Schutzwirkung erzielt wird“, gibt Schulze-Koops zu bedenken. Dazu gehören vor allem Biologika wie Rituximab oder Abatacept. Die Experten raten deshalb, die Impfungen vor Behandlungsbeginn durch­­zuführen.

Vorsicht geboten ist beim Einsatz von Lebendimpfstoffen. „Das Immunsystem gesunder Menschen kommt damit gut zurecht“, so Schulze-Koops: „Bei abwehrgeschwächten Men­schen kann es jedoch zu einer Infektion kommen.“

Mit Lebendimpfstoffen wird heute gegen Masern-Mumps-Röteln, gegen Gelbfieber und gegen Rotaviren geimpft. Der ältere Zosterimpfstoff wurde kürzlich durch einen Totimpf­stoff abgelöst. Diese Impfungen erfolgen in den ersten Lebensjahren und sind in der Re­gel abgeschlossen, wenn entzündlich-rheumatische Erkrankungen auftreten.

Einen guten Impfschutz benötigen übrigens nicht nur die Patienten selbst. Die Experten raten auch deren Angehörigen zur Impfung, um die Gefahr einer Übertragung zu mini­mie­ren. © nec/aerzteblatt.de

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