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Ärzteschaft

Kritik an lückenhafter Versorgung von Erwachsenen mit ADHS

Montag, 19. August 2019

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind die Kernsymptome der ADHS. /terovesalainen, stockadobecom

Frankfurt – Experten vom Universitätsklinikum Frankfurt, von ADHS Deutschland, der Ludwig- Maximilians-Universität München, dem Universitätsklinikum Bonn und dem LWL-Universitätsklinikum Bochum haben auf eine „besorgniserregende“ Versorgungssitu­a­tion von Erwachsenen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hingewiesen.

Demnach leidet mehr als die Hälfte der Betroffenen an Begleiterkrankungen, oft aufgrund versäumter Diagnosen oder falscher Behandlung. Deshalb fordern die Experten in einem Positionspapier, die Versorgungslücke von ADHS-Patienten schnellstmöglich zu schlie­ßen.

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Dem Positionspapier zufolge sind etwa zwei Millionen Erwachsene in Deutschland von ADHS betroffen. Sie haben dadurch Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration, gesteigerte Impulsivität und Stimmungsschwankungen.

Darüber hinaus ist die ADHS ein Risikofaktor für andere psychische Störungen. Sie kann Depressionen oder Suchterkran­kungen hervorrufen. Fast zwei Drittel der Erwachsenen mit ADHS leiden unter einer Angst­störung. Solche Begleiterkrankungen machen es den Experten zufolge schwer, die zugrundeliegende ADHS-Erkrankung zu erkennen und zu therapieren.

Zudem weisen die Experten in ihrem Positionspapier auch auf die enorme finanzielle Be­lastung des Gesundheitswesens durch ADHS hin. Neben den medizinischen Behandlungs­kos­ten der ADHS und ihrer Begleiterkrankungen entstehen zusätzliche Kosten durch Ar­beitsunfähigkeit und Frühberentung Betroffener.

Um Begleiterkrankungen und soziale Einschränkungen zu vermindern, sei es ausschlag­gebend, die ADHS früh zu erkennen und korrekt zu behandeln. Zwar gebe es bereits ent­sprechende medizinische Leitlinien. Allerdings sei die Umsetzung der leitliniengerechten Versorgung von jungen Erwachsenen mit ADHS jedoch nach wie vor eine Herausforde­rung, heißt es in dem Papier.

Es mangele weiterhin an Aufklärung und Umsetzung in der Behandlung von Jugendlichen und insbesondere Erwachsenen mit ADHS. Laut Positionspapier gibt es insbesondere beim Übergang vom Kinderarzt in die Erwachsenenmedizin eine Versorgungslücke. Dem­nach fehlen flächendeckend feste Anlaufstellen, bei der Patienten Hilfe erhalten und bei der zielgerichtet die weitere multimodale Versorgung sichergestellt wird.

Deshalb fordern die Experten den Aufbau einer flächendeckenden Versorgung von er­wachse­­nen ADHS-Patienten in individuellen, multimodalen Behandlungsansätzen ent­sprechend der Leitlinie. Durch ein interdisziplinäres, multimodales Therapiekonzept sollen Standards umgesetzt und niederschwellige Therapieansätze für erwachsene ADHS-Patienten angeboten werden. Zudem müsse über die Erkrankung der ADHS bei Erwachsenen weiter aufgeklärt werden, so die Experten. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #114670
joerg57
am Freitag, 20. September 2019, 20:58

Diagnostikanleitung Adhs korrigierter Link

https://drive.google.com/file/d/0B2aF5nkz86bSQ3lEeXVWYjhEbTdMVjhTelFLU3JnQkp2Slgw/view?usp=drivesdk
Avatar #114670
joerg57
am Montag, 2. September 2019, 20:54

Anleitung zur Diagnostik ADHS m Erwachsenenalter und erste Behandlungsschritte

Siehe Link: https://www.adhspedia.de/Downloads/Dokumente/Dreher%20J.%20-%20ADHS%20im%20Erwachsenenalter%20-%20Anleitung%20zur%20Diagnostik%20und%20erste%20Therapieschritte-%2027.08.2019.pdf
Avatar #749369
Ambush
am Montag, 19. August 2019, 19:50

Krankheitswert von ADHS ist abhängig von Schweregrad, Sozialisation und primär vorhandenen Komorbiditäten

...ich z.B. habe als primär vorhandene Komorbidität ein leichtgradiges Tourette-Syndrom, Kurt Cobain hatte als primär vorhandene Komorbidität Bipolare Störung, Michael Phelps hat eine sympathische, fürsorgliche Traumfrau, 2 Kinder und keinerlei materielle Sorgen und ist dennoch bei gleichzeitiger Diagnose ADHS einfach ohne objektiven äußeren Grund depressiv, er hat eine endogene Depression, die vom Gehirn ausgeht als primär vorhandene Komorbidität zu ADHS, eine Freundin hat zusätzlich zu ADHS die Diagnose Schizoaffektive Störung als primär vorhandene Komorbidität, Legasthenie, Epilepsie usw treten ebenfalls sehr oft komorbid mit ADHS auf... die genetische Überlappung der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen ist dokumentiert, ADHS ist dabei die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutionären Vorteile von ADHS und zieht quasi die anderen Hirnentwicklungsstörungen evolutionär betrachtet ein Stück weit mit... zusätzlich zu den primär vorhandenen Komorbiditäten von ADHS die sekundär vorhandenen Komorbiditäten von ADHS als Folgeerkrankungen von ADHS bei ungünstiger Sozialisation oder ungünstigen Umweltbedingungen, so etwa Borderline (auch wieder um die 50% der Borderline-Patienten hat zusätzlich oder primär ADHS ), Burnout oder Erschöpfungsdepression, Suchterkrankungen von Alkoholismus bis Spielsucht bis Sex-Sucht (Stichwort Tiger Woods) quasi alles denkbar, die komplette Antifa gehört im Grunde durchgescreened auf ADHS, zuguterletzt noch der Hinweis, dass ADHS nicht alles oder nichts ist, es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle, Boris Johnson aber auch Sarkozy kann man quasi auch dem ADHS-Spektrum zurechnen, in beiden Fällen jeweils ohne dass man in diesen Fällen von ADHS als Krankheit sprechen kann, die ADHS-Persönlichkeit oder subklinisches "ADHS" jeweils... die evolutionären Vorteile von ADHS sieht man auch recht anschaulich an der immer länger werdenden Liste mit Prominenten, die mit Diagnose ADHS geoutet wurden https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_Pers%C3%B6nlichkeiten_mit_ADHS , ein Teil in der Liste ist mit unseriösen Quellenangaben, die Mehrheit jedoch mit seriöser Quellenangabe
Avatar #749369
Ambush
am Montag, 19. August 2019, 18:30

Die Spitze des Eisbergs

nach und nach dämmert es auch in der Ärzteschaft, welche tatsächliche Dimension ADHS in Psychiatrie, Volkswirtschaft und Gesellschaft hat... und zu welchen Umwälzungen und Verwerfungen in der Psychiatrie stationär und ambulant das früher oder später führen muss ist gravierend... die gesamte Tiefenpsychologie (die Lobby der Psychoanalytiker mit ihren vielen vielen Praxen, die insgeheim um ihre Existenzberechtigung fürchten) wird hinsichtlich bei um die 50% der Patienten in der Psychiatrie ambukant und stationär als Hokus-Pokus vorgeführt... auch so lässt sich der sehr diskrete Umgang der Ärzteschaft mit der immer weiter durchsickernden tatsächlichen riesigen Quantität von ADHS in der Psychiatrie (eben um die 50% der Psychiatrie-Patienten) erklären... ich verweise auch nochmals auf die Prognose von Russel Barkley, dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS, wonach sich ADHS früher oder später als das zentrale Thema in der Psychiatrie herausstellen wird...
Avatar #749369
Ambush
am Montag, 19. August 2019, 18:15

Nicht nur 2 Millionen, sondern knapp 10% der Gesamtbevölkerung von ADHS betroffen

bei Ärzteblatt online scheint man die gesellschaftliche Dimension von ADHS erkannt zu haben, was sehr zu begrüßen ist... die oben genannte Zahl von 2 Millionen geht im Grunde von ICD-10 aus, dass bei ICD-10, ICD-11, DSM-5 usw. jeweils auch politische Faktoren eine Rolle spielen, wo genau der Cut-off für ADHS anzusetzen ist, sollte auch erwähnt werden. In Wahrheit sind es nicht nur 2 Millionen Erwachsene, die von ADHS oder dem ADHS-Spektrum betroffen sind, sondern bei knapp 10% der Gesamtbevölkerung ungefähr 7 Millionen Erwachsene. Das heißt nicht, dass jeder davon behandlungsbedürftig ist, erst recht nicht zu jedem Zeitpunkt in der Lebensspanne, aber der Blick auf ADHS oder ADHS-Spektrum sollte ganzheitlich sein und nicht nur reduktionistisch den Krankheitswert von ADHS betrachtend ( ADHS kann, aber muss nicht mit Krankheitswert einher gehen), die evolutionären Aspekte von ADHS hat Ambush schon zuvor ausgeführt, sie sollen hier jedoch nochmals betont werden:

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

auch nur mit 10% und nicht mit 4% der Erwachsenen erklären sich auch die in der Ärzteschaft "berüchtigten" 59% ADHS in der Psychiatrie laut Studie https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-119987

Ich verweise auch noch darauf, dass man von fachlicher Seite Intuition und Gefühl von Betroffenen nicht pauschal als bloße Spinnerei abtun sollte, von ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit und man wird als ADHS-Betroffener, zumal mit geschulter Wahrnehmung dafür, jeden Tag Personen mit ADHS auf der Straße begegnen, bei denen man in der sozialen Interaktion früher oder später Wesensverwandtschaft wahrnehmen wird... ADHS-Betroffene bleiben übrigens tendenziell unter sich sozial und auch romantisch bzw. amorös: Gleich zu gleich gesellt sich gern und je ausgeprägter das ADHS, desto selektiver der soziale Umgang, desto schwieriger ist es, tatsächliche Freundschaften (tatsächliche Freunde und nicht bloß Kumpels) oder auch Partnerschaften / Beziehungen mit Nicht-Betroffenen einzugehen... das gilt nicht absolut, aber in der Tendenz... neulich übrigens das Outing von Mel B von den Spice Girls in The Sun, die Liste der Outings mit ADHS wird länger und länger: https://www.thesun.co.uk/tvandshowbiz/9578089/mel-b-spice-girls-reveals-adhd-diagnosis/

plus: auch interessant Leonardo da Vinci und ADHS https://academic.oup.com/brain/article/142/6/1842/5492606
https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/hatte-leonardo-da-vinci-adhs/
LNS

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