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Medizin

Studie: Stumme Schlaganfälle nach Operation kündigen kognitiven Verfall an

Montag, 19. August 2019

/crevis, stockadobecom

Hamilton – Bei einem von 14 Senioren waren in einer prospektiven Kohorten­studie nach einer elektiven nichtkardialen Operation in der Magnetresonanztomo­gra­fie (MRT) eine oder mehrere stumme Ischämien nachweisbar, die laut der Publikation im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31795-7) bei einer Kontrolluntersuchung nach einem Jahr mit einer Verschlechterung der kognitiven Leistungen verbunden waren.

Symptomatische Schlaganfälle gehören heute zu den seltenen Komplikationen von grö­ßeren chirurgischen Eingriffen. Auch bei Senioren, die bei meist vorgeschädigten Blutge­fäßen ein erhöhtes Risiko haben, kommt es nach der Operation in weniger als einem Pro­zent der Patienten zu Lähmungen oder anderen neurologischen Ausfällen.

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Sehr viel häufiger sind sogenannte stumme Schlaganfälle. Sie wurden zunächst zufällig bei Patienten entdeckt, die sich nach einer Operation aus anderen Gründen einer MRT unterzogen. Mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DWI) kann auch ohne Voraufnahmen eindeutig gezeigt werden, dass es sich um akute ischämische Läsionen handelt, die nicht älter als etwa zehn Tage sind.

Die NeuroVISION-Studie hat die Häufigkeit der neuen MRT-Läsionen bei Senioren unter­sucht, die sich im Alter von über 65 Jahren einer elektiven Operation unterzogen. An der Studie nahmen an zwölf Zentren in neun Ländern (keine deutsche Beteiligung) 1.114 Patienten im mittleren Alter von 73 Jahren teil, die sich verschiedenen geplanten Opera­tionen unterzogen hatten. Zwei bis neun Tage nach der Operation wurde bei den Teilneh­mern eine MRT durchgeführt.

Wie ein Team um Philip Devereaux von der McMaster Universität in Hamilton (Ontario) berichtet, wurden bei 7 Prozent der Teilnehmer DWI-Läsionen im MRT diagnostiziert. Am häufigsten waren sie nach Thoraxoperationen (13,8 Prozent) und nach Gefäßoperationen (10 Prozent). Nach urologischen oder gynäkologischen Eingriffen betrug die Inzidenz 9,2 Prozent, nach allgemeinchirurgischen Operationen 6,6 Prozent, nach Eingriffen an der Wirbelsäule 6,5 Prozent und nach risikoarmen Operationen 3,1 Prozent.

Vor der Operation und nach einem Jahr wurden die kognitiven Fähigkeiten mit dem Mon­treal Cognitive Assessment getestet. Der Kurztest kann Werte von 0 bis 30 annehmen. Ein Wert von über 26 wird als normal angesehen. Der Durchschnittswert der Studienteilneh­mer lag vor der Operation bei 25 Punkten. Endpunkt der Studie war ein Verlust von 2 Punkten.

Dieser trat bei 42 Prozent der Teilnehmer mit einem perioperativen verdeckten Schlagan­fall auf gegenüber 29 Prozent der Teilnehmer ohne stumme Infarkte. Devereaux ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,98, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,22 bis 3,20 signifikant war. Der absolute Risikoanstieg betrug 13 Prozent.

Ein stummer Schlaganfall nach der Operation war auch mit einem mehr als zweifach er­höhten Risiko auf ein perioperatives Delir verbunden. Es trat bei 10 Prozent der Patienten mit stummen Läsionen und bei 5 Prozent ohne stummen Läsionen auf: Hazard Ratio 2,24 (1,06 bis 4,73), absolute Risikozunahme 6 Prozent.

Patienten mit stummen Läsionen im MRT in der perioperativen Phase erlitten im folgen­den Jahr häufiger eine transitorische ischämische Attacke oder einen Schlaganfall mit anhaltenden Behinderungen. Die Hazard Ratio betrug hier 4,13 (1,14 bis 14,99; absolute Risikozunahme 3 Prozent).

Die Häufigkeit von stummen Infarkten stellt nach Ansicht der Forscher die Fortschritte der Chirurgie zwar nicht infrage. Sie sollte allerdings stärker in die Risiko-Nutzen-Ab­schätzung einbezogen werden. Für die regelmäßige Diagnose von stummen Infarkten nach einer Operation dürfte so lange kein Anlass bestehen, wie es keine Therapien gibt, die die Entwicklung der kognitiven Störungen verhindern könnte. © rme/aerzteblatt.de

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