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Medizin

Vertebral Body Tethering: Kunststoffseil korrigiert Skoliose ohne Wirbelfusionen

Montag, 19. August 2019

Michaela Begsteiger - picture-alliance

Silver Spring – Ein Kunststoffseil, das in einer minimalinvasiven Operation mit mehreren Schrauben an der konvexen Seite einer Skoliose angebracht wird und die Wirbelsäule gerade ziehen soll, hat in einer offenen Studie den meisten Kindern mit idiomatischer Skoliose eine Fusion der Wirbelkörper erspart. Die US-Food and Drug Administration (FDA) hat das Vertebral Body Tethering System aufgrund der Ergebnisse zugelassen, das in Deutschland an einzelnen Kliniken bereits eingesetzt wird.

Die idiopathische Skoliose wird zunächst konservativ mit Physiotherapie und Korsetten behandelt. Wenn der Cobb-Winkel allerdings 40 Grad überschreitet, wird zur Operation geraten, da eine weitere Progression der Skoliose die Lungenfunktion gefährdet. Die Operation bestand lange Zeit in einer Spondylodese: Die Fusion der Wirbelkörper kann die Skoliose stoppen, sie schränkt jedoch die Beweglichkeit der Wirbelsäule und damit die Lebensqualität der Patienten lebenslang ein.

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Seit Jahren sind nicht-versteifende Verfahren in der Diskussion. Dabei werden die Wirbel­körper auf der konvexen Seite fest verbunden, ohne die Bandscheiben zu entfernen. Im Idealfall richtet sich die Wirbelsäule dann beim weiteren Wachstum von selbst auf. Beim „Vertebral Body Stapling“ (VBS) wurden die Wirbelkörper mit C-förmigen Klammern verbunden. Die Ergebnisse blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Eine weitere Verkrümmung konnte nicht immer aufgehalten werden.

Beim „Vertebral Body Tethering“ (VBT) werden die Wirbel durch ein seitliches Kunststoff­seil (engl. „tether“) miteinander verbunden. Die Halterung des Seils bilden größere Schrau­ben, die von der konvexen Seite aus tief im Wirbel fixiert werden. Bereits während der Operation lässt sich ein Teil der Skoliose korrigieren. Den Rest erledigt dann das normale Wachstum der Wirbelsäule.

Das VBT-System eines US-Herstellers wurde in den letzten Jahren an den Shriners Hospitals for Children in Philadelphia in einer offenen Studie an 57 Kindern im Alter von 10 bis 15 Jahren erprobt. Drei Viertel der Kinder hatten einen Cobb-Winkel von 30 bis 44 Grad, bei den übrigen war die Skoliose bereits auf 45 bis 65 Grad fortgeschritten.

Nach Informationen der FDA hat die VBT den Cobb-Winkel nach zwei Jahren so weit normalisiert, dass bei 43 Patienten keine Indikation zu einer Wirbelsäulenfusion mehr bestand. Zu den Risiken der Behandlung gehören eine Überkorrektur der Krümmung, ein Reißen des Seils und ein Pneumothorax, zu dem es laut der Fachinformation immerhin bei fünf Patienten kam. Weitere Komplikationen im Rahmen der Operation waren Schmerzen, Atemprobleme, Nervenverletzungen und Blutungen.

Der Eingriff ist jedoch weniger invasiv als eine offene Fusionsoperation, die eine lange Narbe und Weichteilschäden hinterlässt. Die VBT ist nach Angaben des Herstellers als minimal invasiver Eingriff über wenige kleine Zugänge zwischen den Rippen möglich.
Die VBT wird als dynamische Skoliosekorrektur vereinzelt auch in Deutschland angeboten. Die Kosten werden jedoch derzeit nicht regelhaft von den Krankenkassen übernommen. © rme/aerzteblatt.de

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