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Medizin

Journals ziehen Publikationen wegen Organtrans­plantationen nach Hinrichtung zurück

Montag, 19. August 2019

Sydney – Die mutmaßliche Verwendung von Organen exekutierter Strafgefangener in China hat im letzten Monat die Fachzeitschriften Transplantation und PLOS ONE bewogen, insgesamt 15 Publikationen zurückzuziehen. Anlass waren die Recherchen eines Forscherteams in BMJ Open (2019; 9: e024473).

China ist vermutlich das Land mit den weltweit meisten Hinrichtungen. Bis vor wenigen Jahren wurden die Organe der exekutierten Straftäter für Transplantationen genutzt. Die Praxis wurde lange von offizieller Seite bestritten. Erst im Jahr 2007 gestand der Leiter des Transplantationsprojekts und Vizegesundheitsminister Jiefu Huang in Liver Transplantation ein, dass die meisten Organe von Exekutierten stammen.

Diese Praxis wurde in den Folgejahren geändert. Doch nach den Recherchen von Wendy Rogers von der Macquarie University in Sydney wurden noch bis 2010 überwiegend Organe von exekutierten Menschen verwendet. In den Folgejahren wurde dann allmählich auf Organspenden von Sterbenden auf Intensivstationen umgestellt. Im Jahre 2015 teilte die chinesische Regierung mit, dass künftig keine Organe von exekutierten Straftätern mehr verwendet würden – außer diese würden sich freiwillig als Organspender zur Verfügung stellen – einige Kritiker vermuten deshalb, dass die Praxis nicht ganz aufgegeben wurde.

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Die Organentnahme bei exekutierten Gefangenen stellte auch die Fachgesellschaften außerhalb Chinas vor ein ethisches Dilemma. Chinesische Forscher haben häufig in internationalen Fachzeitschriften wie Transplantation publiziert. Wie Rogers bei der Durchsicht von 445 Studien aus den Jahren 2000 bis 2017 herausfand, verzichteten die chinesischen Autoren meist auf Hinweise zu der Herkunft der Organe. Und die wenigen Publikationen, in denen versichert wurde, dass keine Organe exekutierter Menschen verwendet wurden, hält Rogers nicht für glaubwürdig. In 19 Publikationen seien Daten von 2.688 Transplantationen aus der Zeit vor 2010 verwendet worden, als es landesweit kaum freiwillige Organspender gab. Nach einer von Rogers zitierten Quelle waren es bis 2009 in ganz China nur 120 Personen.

Die Redaktionen von Transplantation und PLOS ONE haben nach den Recherchen von Rogers die Publikationen aus China überprüft und sich zur Rücknahme von 15 Studien entschlossen. Es handelt sich um sieben Publikationen aus Transplantation und acht aus PLOS ONE, die in den Jahren 2008 bis 2014 veröffentlicht wurden. Zwei Publikationen betrafen Nierentransplantationen, die anderen Lebertransplantationen. Zwei weitere Zeitschriften, das Clinical Journal der American Society of Nephrology und Kidney International, sollen nach einem Bericht der Website „Retraction Watch“ ebenfalls Bedenken zu Publikationen geäußert haben. © rme/aerzteblatt.de

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