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Medizin

Optische Nervenstimulation: Kaninchen nehmen Licht ohne Augen wahr

Dienstag, 20. August 2019

/nerthuz, stockadobecom

Lausanne – Eine elektrische Stimulation der Sehnerven könnte in Zukunft blinden Menschen in ähnlicher Weise das Sehen ermöglichen, wie Cochlea-Implantate bei stummen Menschen den Hörsinn übernehmen. Bioingenieure aus der Schweiz und Italien stellen in Nature Biomedical Engineering (2019; DOI: 10.1038/s41551-019-0446-8) intraneurale Elektroden vor, die sie bei Kaninchen erprobt haben.

Cochlea-Implantate haben nach anfänglichen Zweifeln die Kritiker und Patienten über­zeugt. Die akustischen Signale werden über ein Mikrofon aufgefangen und in elektrische Impulse umgesetzt, die dann über eine Elektrode Hörnerven stimulieren. Menschen mit einem Cochlea-Implantat sind damit nicht mehr auf ein intaktes Innenohr angewiesen.

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Versuche, Sehnerven auf ähnliche Weise mit den Informationen zu versorgen, die die Augen von blinden Menschen nicht übertragen können, hat es bereits in den 1990er-Jahren gegeben, berichtet Diego Ghezzi von der École polytechnique fédérale de Lausanne.

Die Experimente seien jedoch daran gescheitert, dass die Elektroden relativ einfach kons­truiert waren und wie eine Manschette um den Sehnerv gelegt wurden. Aufgrund von Bewe­gungsartefakten sei es zu ständig verändernden visuellen Reizen gekommen, die laut Ghezzi für die Patienten nicht zu interpretieren waren.

Ein Team um den Schweizer Neuroingenieur hat eine verbesserte intraneurale Elektrode entwickelt: „OpticSELINE“ besteht aus einem Bündel von zwölf Drähten, die längsseitig in den Sehnerv gestochen werden. Dies führt laug Ghezzi zu einer besseren Fixierung. Außerdem könnten durch die einzelnen Elektroden unterschiedliche Nervenzellen akti­viert werden.

Die Forscher haben die Elektroden, die in Zukunft ihre Informationen über eine Kamera erhalten würden, an Kaninchen getestet. Die Tiere wurden in Narkose versetzt, um die Auswirkungen der einzelnen elektrischen Impulse besser verfolgen zu können. Wie Ghezzi berichtet, wurden die elektrischen Signale über den Sehnerv an die Sehrinde weiter­geleitet, wo sie über Elektroden aufgefangen wurden.

Ghezzi vermutet, dass die Tiere die elektrischen Signale im wachen Zustand als Licht­sig­nale wahrnehmen. Ob das Gehirn daraus Muster oder vielleicht sogar Bilder zusammen­stellen kann, ist noch unklar. Die Forscher wollen ihre Elektroden als nächstes von 12 auf 48 bis 60 Drähte erweitern.

Sie geben sich nicht der Hoffnung hin, dass mit der begrenzten Anzahl das Augenlicht von Blinden wiederhergestellt werden kann. Für Menschen, die durch eine Retinitis pig­mentosa völlig erblindet sind, könnten jedoch bereits begrenzte Lichtsignale eine Hilfe sein, um sich im täglichen Leben zurechtzufinden. Klären ließe sich das nur in klinischen Studien, die zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht geplant sind. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #750873
vzimmer
am Dienstag, 20. August 2019, 18:48

Stumm ist nicht das gleiche wie Taubheit

Ich übe sonst gern Nachsicht bei Wortverwechslungen. Aber stumm und taub sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Es gibt auch Stummheit ohne Taubheit. Zudem werden Cochleaimplantate aufgrund der hohen Erfolgsrate bereits bei hochgradiger Schwerhörigkeit angewendet. Ansonsten freut mich der geschilderte Fortschritt sehr.
LNS

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