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Ausland

Brisante Lage auf Rettungsschiff: Migranten springen ins Wasser

Dienstag, 20. August 2019

/picture alliance, AP Photo

Lampedusa – Die Lage auf dem spanischen Rettungsschiff „Open Arms“­ ist nach wochen­langem Tauziehen um einen sicheren Hafen für die Migranten außer Kontrolle geraten. Mehr als ein Dutzend Migranten sprangen heute ins Wasser und versuchten, die einige Hundert Meter entfernt liegende italienische Insel Lampedusa schwimmend zu erreichen. Die spanische Regierung kündigte heute Nachmittag an, ein Marineschiff dorthin zu schicken. Die „Audaz“ solle die „Open Arms“ von dort bis nach Palma de Mallorca be­glei­ten, hieß es.

Die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms twitterte, zunächst seien neun Menschen ins Meer gesprungen. Später folgten ihnen mindestens fünf nach. Die italienische Küsten­wache barg sie aus den Fluten. Alle seien nach Lampedusa gebracht worden, schrieb Proactiva. Ihr Fazit: „An Bord hat die Situation ihr Limit erreicht“.

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An Land seien die Migranten umgehend von Ärzten betreut worden, berichtete die italie­nische Nachrichtenagentur Ansa. Das Schiff ist seit fast drei Wochen auf See. Bereits am Wochenende hatten sich mehrere Migranten ins Meer gestürzt, sie waren aber von Hel­fern zurück aufs Schiff gebracht worden.

Das spanische Marineschiff wurde seit dem Morgen in der Militärbasis von Rota in Anda­lu­sien für die Überfahrt vorbereitet und sollte am späten Nachmittag in See stechen. In drei Tagen soll es Lampedusa erreichen. Die Regierung in Madrid halte dies für die „angemessenste Lösung“, hieß es.

Verteidigungsministerin Margarita Robles hatte bereits am Morgen eine Lösung in den „nächsten Stunden“ in Aussicht gestellt. Angesichts der humanitären Notlage an Bord dürfe niemand wegschauen, sagte Robles weiter. Der italienische Innenminister Matteo Salvini kümmere sich nicht um Menschenleben, sondern nur um seinen Wahlkampf.

Schon bevor klar war, wie die Lösung Spaniens aussehen würde, teilte Salvini mit: „Spa­nische NGO, spanisches Schiff, spanischer Hafen: richtig so. Die italienische Kohärenz und die Standhaftigkeit zahlen sich aus, wir sind nicht länger das Flüchtlingslager Europas.“

Obwohl die „Open Arms“ seit Tagen direkt vor Lampedusa liegt und sich mehrere EU-Staa­­ten zur Aufnahme der Menschen bereiterklärt hatten, will Salvini, der der rechtsnati­o­nalen Lega angehört, die Menschen weiter nicht an Land lassen. „Das, was Salvini im Zusammenhang mit Open Arms macht, ist eine Schande für die gesamte Menschheit“, sagte Robles.

Zeitweise befanden sich rund 160 Migranten an Bord, jedoch waren mehrmals Menschen in prekärem Gesundheitszustand an Land nach Italien oder Malta gebracht worden. Meh­re­re Frauen hatten zuvor Panikattacken und Weinkrämpfe erlitten. Auch durften zuletzt 27 nicht begleitete Jugendliche in Lampedusa an Land gehen. Salvini, der einen extrem harten Kurs in seiner Flüchtlingspolitik fährt, hatte dem aber nur aufgrund des Drucks von Ministerpräsident Giuseppe Conte, der heute seinen Rücktritt angekündigt hat, zuge­stimmt. Heute Nachmittag waren Medienbe­rich­ten zufolge noch 83 Migranten an Bord.

Die Regierung in Madrid hatte dem Schiff gestern den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten – jedoch sah sich die NGO nicht in der Lage, in der prekären Lage an Bord noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren. Sie hatte darum gebeten, die Migran­ten nach Spanien zu fliegen. Wie die Menschen an Bord auf die Lösung aus Madrid reagieren würden, war unklar. © dpa/aerzteblatt.de

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