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Deutsche halten Digitalisierung des Gesundheitswesens für rückständig

Mittwoch, 21. August 2019

/WavebreakMediaMicro, stockadobecom

Hamburg – Nach Einschätzung vieler Deutscher krankt die digitale Transformation im Gesundheitswesen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Sopra Steria Consulting unter 1.200 Bürgern sowie 35 Gesundheitsexperten aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Spanien.

Demnach stufte mehr als jeder dritte Bundesbürger (35 Prozent) die Digitalisierung von Krankenhäusern und Arztpraxen als rückständig ein. Jeder Zweite ist mit dem Entwick­lungsstand unzufrieden, beispielsweise mit der Einführung der elektronischen Gesund­heitskarte und dem Datenaustausch.

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Mit ihrem grundsätzlichen Urteil zur Digitalisierung im Gesundheitswesen sind die Deutschen der Umfrage zufolge nicht allein. In Frankreich und Spanien bewertete ein ähnlich großer Anteil die digitale Transformation ihres Gesundheitssystems als rück­ständig.

Größere Unterschiede bestehen bei der Zufriedenheit mit einzelnen Vorhaben. In Frank­reich und Spanien ist beispielsweise rund jeder zweite Befragte zufrieden mit der Lösung einer elektronischen Krankenakte in seinem Land, in Deutschland sind es nur 27 Prozent.

Vor allem in Norwegen und Belgien vergaben deutlich weniger Menschen schlechte No­ten für den digitalen Ausbau ihres Gesundheitssystems. Nur 18 beziehungsweise 15 Pro­zent halten ihr Gesundheitswesen für digital wenig fortschrittlich.

Die im Rahmen der Studie befragten Gesundheitsexperten halten in Deutschland das föde­rale System für den größten Digitalisierungsbremser. Zu viele Insellösungen und inkompatible IT-Landschaften stünden einer systematischen und flächendeckenden Einführung digitaler Anwendungen sowie der Entwicklung neuer Versorgungsmodelle im Wege.

Dazu kämen immer wieder geäußerte Datensicherheitsbedenken als Begründung für ein Abwarten bei der Einführung neuer Lösungen und Geräte. Diese Barrieren ließen sich allerdings durch Standards und Kontrollen der Anbieter überwinden, so die Einschätzung der Experten.

„Die Deutschen sind längst bereit für digitale Angebote in der Gesundheitsversorgung. Die Technik dafür ist ebenfalls vorhanden, nun müssen die Akteure nachziehen", sagte Tina Wulff, Senior Consultant Digital Healthcare bei Sopra Steria Consulting. Dabei sollten das Monitoring von Vitaldaten, der Austausch zwischen den Kliniken, Hausärzten und Kranken­kassen sowie digitale Mehrwerte durch die elektronische Gesundheitskarte bei den Akteuren Priorität haben.

Wulff plädiert für den Aufbau eines digitalen Gesundheitsökosystems, um den Reformstau aufzulösen: „Es fehlen Lösungen, die speziell auf die Versorgungslandschaft im deutschen Gesundheitswesen zugeschnitten sind und flächendeckend ausgerollt werden können“, so die Expertin. Eine digitale Plattform wäre ein Ansatz, um alle Akteure mit ihren heteroge­nen Systemen zu vernetzen und digitale Gesundheitsservices für die breite Masse anbie­ten zu können – nach festgelegten Sicherheitsstandards. © hil/sb/aerzteblatt.de

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