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Medizin

Endotheliale Dysfunktion: E-Zigarette schädigt Blutgefäße

Mittwoch, 21. August 2019

Mann zieht an einer E-Zigarette. /Chris Hertzschuch, stockadobecom
/Chris Hertzschuch, stockadobecom

Philadelphia – Bereits der Dampf einer einzigen E-Zigarette führte in einer klinischen Studie in Radiology (2019; doi: 10.1148/radiol.2019190562) bei gesunden Probanden zu einer Funktionsstörung der Blutgefäße, die langfristig die Entwicklung einer Atheros­kle­rose fördern könnte.

E-Zigaretten gelten als gesunde Alternative zum Rauchen, da der Dampf keine krebserre­genden Verbrennungsprodukte der Tabakpflanze enthält. Viele jugendliche Anwender sind der Ansicht, dass sie neben dem Nikotin im Prinzip nur Wasserdampf inhalieren.

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Dabei übersehen sie, dass die E-Zigaretten als Lösungsmittel Propylenglycol enthalten. Die Dampfentwicklung wird durch Glycerol verstärkt. Damit E-Zigaretten wie echte schmecken, werden Aromen zugefügt. Die Inhaltsstoffe werden von der Heizspirale der E-Zigarette erwärmt, wobei es zu chemischen Reaktionen kommt.

Mit der Inhalation des Dampfes gelangen mithin eine Reihe von potenziell toxischen Substanzen in die Lungen und über die Alveolen auch in den Blutkreislauf. Alessandra Caporale und Mitarbeiter der Perelman School of Medicine in Philadelphia haben jetzt an 31 gesunden jungen Probanden (mittleres Alter 24 Jahre) untersucht, welche Auswirkungen dies auf die Gefäßfunktion hat.

Alle Probanden waren Nichtraucher. Für das Experiment zogen sie 16 Mal an einer E-Zigarette und inhalierten den Dampf jedes Mal für 3 Sekunden. Das Liquid enthielt kein Nikotin, wohl aber Aromastoffe. Außerdem waren wie in allen E-Zigaretten Propylenglycol und Glycerol enthalten. Vor und nach dem Dampfen der E-Zigarette wurden mit der Magnetresonanztomografie Aufnahmen der Oberschenkelarterien, der Aorta und des Gehirns angefertigt.

Inhalierter E-Zigarette-Dampf schwächt Blutfluss-vermittelte Dilatation ab

Am Oberschenkel wurde außerdem ein Funktionstest der Endothelien durchgeführt. Dazu wird der Blutfluss mit einer Blutdruckmanschette vorübergehend unterbrochen. Bei der Wiederdurchblutung kommt es zu einer Erweiterung der Arterie, weil die Endothelien auf die Ischämie mit der Freisetzung von vasodilatorischen Substanzen, im wesentlichen das Stickoxid NO, reagieren. Es kommt zu einer Hyperämie, erkennbar an einer leichten Rötung des Beins.

Eine Abschwächung dieser Blutfluss-vermittelten Dilatation (Flow Mediated Dilatation, FMD) ist ein Zeichen für eine endotheliale Dysfunktion, die ein anerkannter Risikofaktor für die Entwicklung einer Atherosklerose ist.

Ergebnis: Nach der Inhalation des Dampfes der E-Zigarette kam es zu einem Rückgang der FMD um 34 %. Die Blutflussgeschwindigkeit war um 26 %, der maximale Blutfluss um 17,5 % vermindert.

Die Sauerstoffsättigung im venösen Blut ging vorübergehend um 20 % zurück. Die Pulswellengeschwindigkeit in der Aorta wurde leicht um 3 % gesenkt. Im Gehirn kam es nach der Inhalation des Dampfes zu keinen signifikanten Veränderungen.

Dass nur wenige Züge an einer E-Zigarette akute Störungen der Endothelfunktion auslösen, ist ein ominöses Zeichen, das für Studienleiter Felix Wehrli nichts Gutes erwarten lässt. Es sei zu befürchten, dass es auf Dauer zu einer Schädigung der Blutgefäße kommt, die dann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Ob junge Menschen, die zu E-Zigaretten greifen, im Alter häufiger an Herzinfarkten und Schlaganfällen erkranken, wird sich erst in den nächsten Jahren in epidemiologischen Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #731292
cis2000
am Montag, 26. August 2019, 21:36

Der Link zur Studie!

Hallo,
wernoch einmal lesen möchte:
https://pubs.rsna.org/doi/10.1148/radiol.2019190562
MfG
Avatar #731292
cis2000
am Montag, 26. August 2019, 21:22

PG und VG erneut auf dem Prüfstand!

Fazit:
Jeder sollte auf seinen Beipackzettel schauen und PG und VG meiden weil:
"Die Sauerstoffsättigung im venösen Blut ging vorübergehend um 20 % zurück. Die Pulswellengeschwindigkeit in der Aorta wurde leicht um 3 % gesenkt. Im Gehirn kam es nach der Inhalation des Dampfes zu keinen signifikanten Veränderungen."
Nein! Das ist wirklich verherend!
MfG
Avatar #731292
cis2000
am Montag, 26. August 2019, 20:30

Vergleich nicht möglich!

Hallo,
mit großem Aufwand werden in dieser Studie Veränderungen an den Blutgefäßen dargestellt. Wie reagieren die Probanten, auf eine orale Einnahme von PG (Propylenglycol) und VG (Glycerin). Ist leider nicht in der Studie dokumentiert.
PG Zitat Wikipedia:
"Lebensmittelzusatzstoff:
1,2-Propandiol ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff für Kaugummis und Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln oder Tabletten zugelassen und trägt die Bezeichnung E 1520. Bei der Zubereitung von Lebensmittelaromen wird Propandiol als Trägerstoff verwendet. "
VG Zitat Wikipedia:
"Medizin:
Glycerin wird in der Medizin als Arzneistoff zur Behandlung des Hirnödems eingesetzt. Dazu wird es als 10%ige Lösung infundiert. In Form glycerinhaltiger Zäpfchen kommt es als Abführmittel (Laxans) zur Anwendung. Die Wirkung entsteht zum einen durch einen reflektorischen Effekt: Durch den Kontakt des Glycerins mit der Rektalschleimhaut wird der Defäkations­reiz gesteigert (siehe auch: Defäkationsreflex). Zum anderen wirkt ein osmotischer Effekt: Durch den Wassereinstrom in das Darmlumen wird der Stuhl weicher und gleitfähiger. Gegenstand medizinischer Forschung ist die Verwendung von Glycerin zur Aufrechterhaltung der menschlichen Hirn- und Organfunktionen während einer künstlichen Absenkung der Körpertemperatur. Dies könnte für langwierige, schwierige medizinische Operationen von Bedeutung sein. Biologisches Vorbild ist der kanadische graue Laubfrosch Hyla versicolor, dessen Körperzellen sich zur Überwinterung mit Glycerin anreichern.
Glycerin wird auch im Rahmen des Klockhoff-Testes (Glycerol-Belastungstest) zur Diagnose eines Morbus Menière verwendet."
Vielleicht sollten wir deshalb PG und VG aus unserem Leben komplett verdammen. Das wird allerdings richtig schwierig.
Naja und ein Liquid mit TabakAroma ist unter den Dampfern kaum vertreten. In diesem Sinne viel Lärm um Nichts!!!
MfG
Avatar #785317
20520240
am Mittwoch, 21. August 2019, 22:49

Rauchen vs.Dampfen

Hallo,
Maxbarett hat da nicht unrecht.
Jeder Idiot weiß das Rachen egal,ob Zigaretten,Pfeiffe,Zigarre etc.schädlich ist und sowas einfach nicht in die Lunge gehört-PUNKT.
Auch die Spezialisten aus den Dampfershops,die mir als über 30 Jahre tätige Intensivfachkraft nur Müll erzählen,konnten mich eben NICHT überzeugen.Ich war vor 3 Tagen in Berlin in einem Dampfershop umgeben von Dampfern und an dem Tresen saß eine 7-Jährige-kein Kommentar.
Ferner ist das "Milieu" für mich eine fremde Welt und hat was von niderländischen Coffeeshops (ich als alter Spiesser).Im Ernst,ich halte temporär das Dampfen für eine gute Lösung-wenn auch nur "Suchtverlagerung"-Pardon,..Fakt ist,daß ich nach zwei bzw,drei Wochen Dampfen fitter war,besser die Treppen hochkomme,kein ekeiiger morgentlicher Auswurf und vor allem ich stinke nicht mehr nach Rauch.Das lohnt sich schon,finde ich auch finaziell.
Ich fahre auch lieber Motorrad als Auto und was vernüftiger ist,brauche ich nicht zu erwähnen..
Es ist eine Schande,daß es keine oder so wenige DEUTSCHE STUDIEN gibt.oder hat das einen Hintergrund?Jeder Mist wird in Studien teilweise doppelt durchforscht.Ich ahne Böses warum das beim Dampfeneben nicht stattfindet...
Lobbyisten gibt es auf beiden Seiten ,Dampfern und Zigarettenrauchern Schockierend ist ,daß oft hinter den Liquids TABAKKONZERNE stecken.Philipp M.und Co.lässt grüßen..
wenn Dampfen oder Zigarette..anschauen was da reingemischt wurde,ist sinnvoll..mache ich ja auch bei Lebensmittel.

Also weiterhin große Dampfwolken der besser nicht.
Grüsse aus Berlin
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 21. August 2019, 20:26

@ maxbarrett

Der Hinweis, wonach der Umstand, dass etwas als Risikofaktor Eingestuftes nicht rechtfertigt, mit diesem Etwas wie mit einer Ursache umzugehen, ist als generelle Kritik an der Medizin zu verstehen. Sobald in der Medizin etwas den Status „Risikofaktor“ aufweist, gilt es auch schon als Ursache. Hohes Cholesterin zum Beispiel: http://members.chello.at/meinewebseite/Emai.htm
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 21. August 2019, 20:25

@ maxbarrett

Der Hinweis, wonach der Umstand, dass etwas als Risikofaktor Eingestuftes nicht rechtfertigt, mit diesem Etwas wie mit einer Ursache umzugehen, ist als generelle Kritik an der Medizin zu verstehen. Sobald in der Medizin etwas den Status „Risikofaktor“ aufweist, gilt es auch schon als Ursache. Hohes Cholesterin zum Beispiel: http://members.chello.at/meinewebseite/Emai.htm
Avatar #781928
maxbarrett
am Mittwoch, 21. August 2019, 19:46

@ Ferdinand Wolfbeißer und lightsuperior

Es scheint ein sinnloses Unterfangen zu sein, gegen diesen ganzen Müll der Anti-Vaping Fraktion zu argumentieren. Da stehen mächtige Interessengruppen, denen es nicht gefällt, dass Menschen weder a) per Nikotinpflaster/-kaugummi die Big Pharma mit Geld füttern oder b) den Big Tobacco mit Juul, Blu usw. auf den Leim gehen.
Avatar #781928
maxbarrett
am Mittwoch, 21. August 2019, 19:38

31 Probanden, 16 x 3 Sekunden "gezogen"?

..und das Ärzteblatt titelt "Endotheliale Dysfunktion: E-Zigarette schädigt Blutgefäße"?! Die Welt geht, gemäß der reißerischen Überschrift des Ärzteblatts für Vaper "wohl", "gemutmaßt", "eventuell", insofern "Langzeitstudien" es dann validieren, schneller unter, als für Menschen, die reinste Alpenluft einatmen. Oh je, oh je. Man nennt das "Crap-Science". Ich las die Quelle - ein Mehrzeiler, mehr nicht - die einen solchen hysterischen Titel nicht rechtfertigt. Bitte mal die Werte genau anschauen und in welchen Bereichen sich diese Werte bewegen:

"After e-cigarette vaping, resistivity index was higher (0.03 of 1.30 [2.3%]; P < .05), luminal flow-mediated dilation severely blunted (&#8722;3.2% of 9.4% [&#8722;34%]; P < .001), along with reduced peak velocity (&#8722;9.9 of 56.6 cm/sec [&#8722;17.5%]; P < .001), hyperemic index (&#8722;3.9 of 15.1 cm/sec2 [&#8722;25.8%]; P < .001), and delayed time to peak (2.1 of 7.1 sec [29.6%]; P = .005); baseline SvO2 was lower (&#8722;13 of 65 %HbO2 [&#8722;20%]; P < .001) and overshoot higher (10 of 19 %HbO2 [52.6%]; P < .001); and aortic pulse wave velocity marginally increased (0.19 of 6.05 m/sec [3%]; P = .05). Remaining parameters did not change after aerosol inhalation."

Die Zusammenfassung lautet: "Inhaling nicotine-free electronic cigarette aerosol transiently impacted endothelial function in healthy nonsmokers."
Da steht NICHT "E-Zigarette schädigt Blutgefäße" - sondern: "impacted" -> beeinflusst. Mehr nicht.
https://pubs.rsna.org/doi/10.1148/radiol.2019190562
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 21. August 2019, 19:21

Risikofaktor

Der Umstand, dass etwas „Risikofaktor“ eingestuft ist, rechtfertigt nicht, dieses Etwas zum Angriffsziel zu erklären. Dies geht aus diesem der Wikipedia entnommenen Satz hervor: »Der statistisch ermittelte Risikofaktor ist kein Beweis für einen tatsächlichen, verursachenden Zusammenhang zwischen Eigenschaft und Erkrankung, da er ein rein beschreibendes (deskriptives) Maß einer beobachteten Häufigkeit darstellt«. https://de.wikipedia.org/wiki/Risikofaktor_(Medizin)
Avatar #764939
lightsuperior
am Mittwoch, 21. August 2019, 18:37

Kontrolle

Gab es eine Kontrolle nur mit Wasserdampf?
LNS

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