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Medizin

Framingham-Studie: Wie lange haben Exraucher ein erhöhtes Herz-Kreis­lauf-Risiko?

Donnerstag, 22. August 2019

Terminkalender mit zerbrochener Zigarette /dpa
/dpa

Nashville (Tennessee) – Wer das Rauchen aufgibt, verbessert nicht nur seine körperliche Fitness. Auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt langfristig. Ein Vorteil gegenüber aktiven Rauchern war in einer neuen Analyse der Framingham Heart Studies im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 322: 642-650) bereits in den ersten 5 Jahren nachweisbar. Bis Exraucher das Niveau von Niemalsrauchern erreichen, vergehen jedoch mindestens 10 Jahre.

Tabakrauchen ist nicht nur die mit Abstand häufigste Ursache für Lungenkrebs und Risiko­faktor für eine Reihe weiterer Krebserkrankungen. Raucher erkranken auch häufiger an Herzinfarkten und Schlaganfällen.

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In den USA ist Rauchen für 20 % aller Herz-Kreislauf-Todesfälle verantwortlich. Die derzeitigen Risikokalkulatoren, wie der „ASCVD Risk Estimator Plus“, der in den USA für die Indikation von Lipidsenkern und Hochdruckmedikamenten benutzt wird, berücksichti­gen Tabakrauchen als einen wichtigen Risikofaktor. Sie gehen jedoch davon aus, dass Exraucher nach etwa 5 Jahren das Risiko von Nichtrauchern erreichen.

Diese Annahme könnte jedoch zu optimistisch sein, wie die Analyse der beiden Framing­ham Heart Studies zeigen, in denen seit 1948 eine Stichprobe von Einwohnern der gleich­namigen Kleinstadt in Neuengland regelmäßig befragt und untersucht werden. Während einer Nachbeobachtungszeit von im Mittel 26,4 Jahren ist es bei 2.435 der 8.770 Teilnehmer der beiden Kohorten zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gekommen.

Wie Meredith Duncan vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville (Tennessee) und Mitarbeiter ermittelt haben, kam es bei aktiven Rauchern zu 11,56 Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Herz-Kreislauf-Tod) auf 1.000 Personen-Jahre.

5 Jahre nach einem Rauchstopp sank die Inzidenz auf 6,94 pro 1.000 Personen-Jahre. Das bedeutet eine Reduktion um 39 %. Die Hazard Ratio 0,61 war mit einem 95 %-Konfidenz­intervall von 0,49 bis 0,76 signifikant.

Unter den Teilnehmern, die niemals geraucht haben, betrug die Inzidenz nur 5,09 Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf 1.000 Personen-Jahre. Diesen Wert erreichten die Exraucher erst nach mehr als 25 Jahren. Davor war das Herz-Kreislauf-Risiko um 42 % (nach 5 bis 10 Jahren), 25 % (10 bis 15 Jahre) und um 22 % (nach 15 bis 20 Jahren) höher als bei den Niemalsrauchern.

Die Exraucher müssten danach ein Vierteljahrhundert warten, bis sie das Ausgangsrisiko von Niemalsrauchern erreichen. Die Hazard Ratios waren jedoch ab dem 10. Jahr nach der letzten Zigarette nicht mehr signifikant, sodass die Exraucher darauf hoffen können, dass sie ihre gesundheitlichen Nachteile schon nach einem Jahrzehnt überwunden haben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #715180
DrSchnitzler
am Dienstag, 27. August 2019, 10:13

Ein wichtiger Hinweis!

WENN also (unbestritten!) zutrifft, dass Ex-Raucher ein über viele Jahre bis Jahrzehnte erhöhtes zB CVD-Risiko haben, diese gar nicht vernachlässigbare Gruppe aber in etlichen "epidemiologischen Studien" bereits EIN JAHR nach Rauchstop als "Nichtraucher" gezählt werden, und daraus sogar – offenbar sachwidrig – teilweise sogar "passivrauchbedingte" Schäden abgeleitet werden: wie glaubwürdig sind dann angebliche Gefahren durch "Passivrauch"?

Hierzu: https://academic.oup.com/annonc/article/26/1/221/2802625. DEZIDIERT: KEINE Schäden (Lungenkrebs) bei "Passivrauchbelastung" a) in der Kindheit, b) am Arbeitsplatz, c) zu Hause. Ein Schelm, der dabei denkt.
_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Freitag, 23. August 2019, 07:24

"Herrschende Klassen"... ?

....das kommt davon, wenn man zuviel von dem Zeug geraucht hat.
Avatar #777209
Karteileiche
am Donnerstag, 22. August 2019, 14:34

CBD einnehmen

CBD mindert den Suchtdruck und hilft bei der Entwöhnung. Zugleich wirkt es Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen. Vor dem Cannabisverbot war es normal, dass Hanf in einigen Tabaksorten war. Das Cannabisverbot ist letztendlich gesundheitsschädlich sowie existenzvernichtend und nur dazu da, damit herrschende Klassen ihren Prügelknaben haben, um vom eigenen Missgeschick abzulenken.
LNS

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