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Gadolinium-Expo­sition in der Schwangerschaft häufig bei Magnet­resonanztomografien

Donnerstag, 22. August 2019

Frau im MRT /VILevi, stockadobecom
/VILevi, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – Eine versehentliche Exposition von Schwangeren mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln kommt offenbar häufiger vor als bisher angenommen. In den USA ist nach einer Studie der Arzneimittelbehörde FDA in Radiology (2019; doi: 10.1148/radiol.2019190563) eine von 860 Schwangeren und damit auch der Fetus betroffen.

Die starke Verbreitung der Magnetresonanztomografen hat dazu geführt, dass immer häufiger auch Frauen im gebärfähigen Alter untersucht werden. Das starke Magnetfeld ist im Fall einer Schwangerschaft für das Ungeborene nach gegenwärtigem Kenntnisstand ungefährlich.

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Das Gadolinium-haltige Kontrastmittel, das heute bei 30 bis 45 % der Untersuchungen verwendet wird, gelangt jedoch über die Plazenta in den Kreislauf des Feten. Dieser scheidet es mit den Nieren aus, um es anschließend mit dem Fruchtwasser wieder oral aufzunehmen. Es kommt zu einem sich ständig wiederholenden Kreislauf, der erst mit der Geburt endet.

Gadolinium ist ungefährlich, solange es fest in dem Chelat gebunden ist. In den letzten Jahren wurde jedoch erkannt, dass die Chelat-Bindung in vielen Kontrastmitteln nicht perfekt ist. Vor allem bei Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion kann es zu Ablagerungen im Gewebe kommen.

In seltenen Fällen kommt es dann zu einer nephrogenen systemischen Fibrose, die sich vor allem in der Haut als sklerotische myxödematöse Verhärtung manifestiert. Gadolinium kann sich aber auch in anderen Organen ablagern, unter anderem im Gehirn, wie 2014 erkannt wurde.

FDA prüft MRTs bei Schwangeren

Mitarbeiter der FDA haben jetzt untersucht, wie häufig bei Schwangeren Magnetresonanz­tomografien (MRTs) durchgeführt werden. Grundlage waren die Daten des „Sentinel System“, in dem 16 Krankenversicherer der Behörde Einblick in die elektronischen Krankenakten gewähren.

Die von Steven Bird und Mitarbeitern der FDA jetzt vorgestellten Daten zeigen, dass Feten häufiger mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln exponiert werden als angenommen.

Bei 5.457 von 4.692.744 Schwangeren waren MRTs mit Kontrastmitteln durchgeführt worden. Damit wurde einer von 860 Feten mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln exponiert. Fast 3/4 der Expositionen traten im ersten Trimenon auf, wenn viele Frauen noch nicht wissen, dass sie schwanger sind.

Noch ist unbekannt, ob die Exposition zu gesundheitlichen Schäden geführt hat. Die FDA führt hierzu derzeit Untersuchungen durch. In tierexperimentellen Studien haben sich Gadolinium-haltige Kontrastmittel als teratogen erwiesen.

Dass die Gefahr real ist, zeigte vor 3 Jahren eine Untersuchung kanadischer Mediziner im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 316: 952-961). Bei 7 von 397 exponierten Schwangeren war es zur Totgeburt oder zu neonatalen Todesfällen gekommen (relatives Risiko 3,70; 95-%-Konfidenzintervall 1,55 bis 8,85). Dort wurde auch eine erhöhte Zahl von rheumatologischen, entzündlichen oder infiltrativen Hauterkrankungen beschrieben (adjustierte HR, 1,36; 1,09-1,69). © rme/aerzteblatt.de

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