NewsAusland„Open Arms“: Migranten gehen in Italien an Land
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

„Open Arms“: Migranten gehen in Italien an Land

Mittwoch, 21. August 2019

/picture alliance, AP Photo

Rom – Nach einer rund drei Wochen langen Blockade auf dem Mittelmeer sind die 83 Migranten von dem Rettungsschiff „Open Arms“ nun doch in Italien an Land gegangen. Alle Menschen durften in der Nacht auf die Insel Lampedusa.

Das Schiff wurde vorläufig beschlagnahmt und nach Porto Empedocle auf Sizilien ge­bracht. Die Staatsanwaltschaft begann Ermittlungen gegen unbekannt wegen Amtsmiss­brauchs. Derweil wartet das andere Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 356 Migranten seit fast zwei Wochen auf einen sicheren Hafen.

Anzeige

Die „Open-Arms“-Migranten sollen nun auf andere EU-Länder verteilt werden. Ein Spre­cher des Innenministeriums sagte in Berlin, Deutschland stehe zu seiner Zusage, Migran­ten von der „Open Arms“ aufzunehmen. Wie viele, konnte er nicht sagen.

Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte, die Behörde stehe bereit, die Verteilung zu koordinieren. Neben Deutschland hatten Frankreich, Luxemburg, Portugal, Spanien und Rumänien signalisiert, Menschen aufzunehmen. Man hoffe nun darauf, dass die EU-Staaten im Fall der „Ocean Viking“ von SOS Mediter­ranee und Ärzte ohne Grenzen die gleiche Solidarität zeigten. Das Schiff liegt derzeit zwischen Italien und Malta.

Auch auf der „Open Arms“ waren die Migranten in Sorge, ins Bürgerkriegsland Libyen zu­rückgebracht zu werden. Nun herrschte Erleichterung. „Es ist der Tag, an dem die italieni­sche Justiz diesem Unsinn gesunden Menschenverstand und Menschlichkeit entgegenge­setzt hat“, erklärte Proactiva.

Italiens rechtsnationaler Innenminister Matteo Salvini hatte sich wochenlang gegen die Anlandung gewehrt – nun beendete die Justiz das Geschachere. Äußerlich unbeeindruckt sagte Salvini: „Ich bin stolz, die Grenzen und die Sicherheit meines Landes zu verteidi­gen.“ Er sprach von „vorgetäuschtem Hygienealarm, vorgetäuschten Krankheiten und vorgetäuschten Minderjährigen“ an Bord.

Jedoch ist Salvini in Italiens Regierungskrise angeschlagen. Nach dem Rücktritt von Pre­mierminister Giuseppe Conte ist er derzeit sozusagen Innenminister auf Abruf, bis es eine andere Regierung gibt. Ob er sein Ziel schneller Neuwahlen erreicht, ist ungewiss. Salvini nutzt das Thema Migration und den Kampf gegen die NGOs, weil viele Italiener ihn ge­nau deshalb unterstützen. Außerdem ist das Schiff nun erst mal für eine Zeit aus dem Ver­kehr gezogen.

Die Beschlagnahmung sei Teil der Ermittlungen, die nicht gegen „Open Arms“ gerichtet seien, erklärte der italienische Sprecher der NGO, Riccardo Gatti. Damit solle derjenige ausgemacht werden, der die Menschen in gesundheitlich schlechter Verfassung an Bord festgehalten habe. Salvini selbst hatte gesagt, die Staatsanwaltschaft ermittle zwar gegen Unbekannt – das könne aber nur Er sein. Die Lage auf der „Open Arms“ war gestern außer Kontrolle geraten.

Mehr als ein Dutzend Migranten war ins Wasser gesprungen. Nach dem Besuch der Staatsanwaltschaft von Agrigent auf dem Schiff verfügte diese die Evakuierung. Eigent­lich hätte das Schiff nach Spanien fahren sollen. Auch hatte die spanische Regierung ein Militärschiff bereit gestellt, dass von Spanien nach Lampedusa und dann mit den Migranten wieder von Lampedusa nach Spanien fahren sollte. Das hätte Tage gedauert. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

29. Mai 2020
Berlin – Flüchtlinge in Sammelunterkünften sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und an COVID-19 zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung des Epidemiologen
Hohes Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bei Geflüchteten in Sammelunterkünften
28. Mai 2020
Berlin – Politische Entscheidungen sollen künftig das Thema Globale Gesundheit vermehrt einbeziehen. In verschiedenen Ressorts deutscher Ministerien sowie auf EU-Ebene soll es dazu eine engere
Gesundheitspolitik als internationale Aufgabe denken
28. Mai 2020
Neu Delhi – Mitten in der Coronakrise plagt Indien die schlimmste Heuschreckenplage seit knapp drei Jahrzehnten. Fernsehbilder zeigen, wie sich große Insektenschwärmen auf Gemüse, Hülsenfrüchte,
Schlimmste Heuschreckenplage seit 27 Jahren in Indien
22. Mai 2020
Neu Delhi/Dhaka – Mehr als 90 Menschen sind bei dem Zyklon „Amphan“ in Indien und Bangladesch gestorben. Rund zehn Millionen Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen von einem der stärksten
Millionenschwere Hilfen nach Zyklon in Indien und Bangladesch angekündigt
19. Mai 2020
Mainz – Flüchtlingsunterkünfte und Asylbewerberheime könnten wegen der hohen Personendichte zu Brennpunkten für Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutschland werden. Das berichtete der SWR heute in Mainz
Studie zeigt hohes Infektionsrisiko in Flüchtlingsunterkünften
18. Mai 2020
St. Augustin – In einem Flüchtlingsheim in St. Augustin bei Bonn haben sich nach aktuellen Testergebnissen 130 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. Die restlichen rund 170 Bewohner hätten sich nicht
130 Infizierte im Flüchtlingsheim in St. Augustin
15. Mai 2020
Berlin − Mit schwerwiegenden humanitären Folgen der Coronapandemie hat sich der Bundestag heute in seinem ersten Tagungsordnungspunkt beschäftigt. „Das Coronavirus ist eben nicht nur eine
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER