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Pneumologen befürworten Pläne des Ministeriums in der Beatmungsmedizin

Mittwoch, 21. August 2019

/dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat sich hinter Vorschläge aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) für Veränderun­gen bei der Versorgung von Beatmungspatienten gestellt.

Der Gesetzesentwurf eines „Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetzes“ sieht vor, dass erwachsene Beatmungspatienten künftig nur noch stationär oder in Intensivpflege-WGs versorgt werden können. Ziel von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ist es, die Versorgung der Betroffenen deutlich verbessern. Um höhere Qualitätsstandards zu veran­kern, soll eine Intensivpflege in der eigenen Wohnung künftig die Ausnahme sein.

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Den Lungenärzten zufolge folgt der Gesetzentwurf den in den vergangenen Jahren von der DGP immer wieder vorgebrachten Empfehlungen, die Entwöhnungsbehandlung in den Kliniken effektiver zu strukturieren und zu regeln, die bundesweit bestehenden Weaningzentren zu stärken und erhöhte, einheitliche Qualitätsanforderungen an die ambulante Intensivpflege vorzugeben.

So hatte sich die DGP für eine nachhaltige Änderung der Versorgungsstruktur von inten­sivpflegebedürftigen Langzeitbeatmeten sowohl im stationären und als auch im ambu­lan­ten Sektor stark gemacht, um unnötige Beatmungen zu vermeiden, die dem Patienten entscheidende Lebensqualität nimmt und das Gesundheitssystem wirtschaftlich stark belastet.

„Viele der Patienten werden von Intensivstationen, in denen die Akutbehandlung durch­ge­führt wurde, in die Langzeitbeatmung entlassen, ohne dass eine Entwöhnbarkeit von dem Beatmungsgerät ausreichend überprüft wurde“, sagte DGP-Präsident Michael Pfeifer.

Weaning zu wenig angewendet

Das sogenannte Weaning könne in vielen Kliniken aufgrund fehlender Intensivkapazitä­ten und nicht vorhandener Expertise nicht ausreichend und nicht qualitativ hochwertig durchgeführt werden. „Das führt dazu, dass viele Patienten nach Entlassung außerkli­nisch weiter beatmet werden, teilweise ohne ausreichende Betreuung durch entspre­chend ausgebildete Ärzte“, so Pfeifer.

Laut DGP bleiben so viele Menschen unnötig 24 Stunden am Tag an ihr Beatmungsgerät gebunden, obwohl die Erfolgsaussichten einer Beatmungsentwöhnung in spezialisierten Weaningzentren sehr gut seien. Demzufolge konnten in den mittlerweile 46 im WeanNet von der DGP zertifizierten Entwöhnungszentren zwei Drittel der behandelten Patienten erfolgreich vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Knapp ein Fünftel brauche keine invasive Beatmung über die Luftröhre mehr, sondern wurde mit einer nichtinvasiven Methode weiterbehandelt.

Der geplante Gesetzentwurf hat nicht nur Zustimmung, sondern viel Protest hervorgeru­fen. Vor allem Betroffenenverbände und Pflegevertreter hatten das Vorhaben scharf kri­tisiert. Der Verein AbilityWatch, der sich als Teil einer modernen Behindertenbewe­gung in Deutschland versteht, sprach von einem „Skandal“. Der vorliegende Gesetzent­wurf missachte die Würde von Menschen, dringe in ihren Alltag ein und diskriminiere sie, schreibt der Verein auf seiner Internetseite.

Für Betroffene bedeute die Reform, für immer in vollstationären Einrichtungen zu leben. „Der 40-jährige Kampf behinderter Menschen für ein Leben daheim wäre verloren.“ Zu­dem ist aus Sicht des Vereins zu befürchten, dass viele Betroffene zukünftig so lange wie möglich eine Beatmung hinausschieben würden – aus Angst, ihr ambulantes, selbsstän­di­ges Leben aufgeben zu müssen. AbilityWatch sieht in den Plänen ein reines Kostenein­sparinstrument.

Grundsätzliche Kritik äußerten auch Pflegevertreter. „Mit der neuen Gesetzesinitiative des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums erreicht man in Zukunft lediglich, dass aufgrund einiger bekannter Betrugsfälle gleich eine ganze Berufsgruppe implizit unter Generalver­dacht gestellt wird und die ambulante häusliche Intensivpflege zu einem Auslaufmodell ab­stumpft“, bemängelte Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hieß es, die Pläne bedürften er­heblicher Nachbesserungen. „In einem Schnellschuss werden für eine spezielle Gruppe von kranken Menschen weitreichende Leistungseinschnitte vorgeschlagen“, sagte Peter Tackenberg, stellvertretender Geschäftsführer des DBfK. Die Einschränkung der Wahlfrei­heit werde vielen Patientengruppen nicht gerecht, etwa Patienten mit ALS oder einem hohen Querschnitt.

„Diese können nicht von der Beatmung entwöhnt werden und haben nicht nur das Recht auf eine professionelle Pflege, sondern auch auf Inklusion und Selbstbestimmung. Pa­tien­ten dürfen nicht aus rein wirtschaftlichen Gründen genötigt werden, in Pflegeeinrich­tun­gen oder Intensivpflege-Wohneinheiten zu ziehen“, erklärte Tackenberg. Eine Petition gegen den Gesetzentwurf haben inzwischen mehr als 63.000 Menschen unterschrieben. © hil/sb/aerzteblatt.de

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