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Medizin

Autoabgase könnten altersbedingte Makuladegeneration fördern

Freitag, 23. August 2019

/PIC4U, stockadobecom

Taichung (Taiwan) – Ist die schlechte Luft in vielen Städten Ostasiens für die hohe Zahl von altersbedingten Makuladegenerationen (AMD) mitverantwortlich? Nach einer Lang­zeit­studie im Journal of Investigative Medicine (2019; doi: 10.1136/jim-2019-001007) sind ältere Chinesen doppelt so häufig von der degenerativen Erkrankung der Netzhaut betroffen, wenn sie einer erhöhten Konzentration von Stickstoffdioxiden ausgesetzt sind.

Die AMD ist in Ostasien häufig. Nach einer früheren Studie in Ophthalmology (2014; 121: 1598-1603) lassen sich bei jedem 20. Chinesen im Alter von über 40 Jahren bei einer Unter­suchung des Augenhintergrunds Frühstadien der Erkrankung nachweisen. Die Ursachen sind nicht bekannt.

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Ein Team um Suh-Hang Hank Juo von der Medizinischen Universität in Taichung (Taiwan) vermutet, dass die hohe Schadstoffbelastung in chinesischen Großstädten eine Rolle spielen könnte. Die Forscher haben hierzu die Daten der staatlichen Krankenver­sicherung ausgewertet. Von 39.819 Versicherten im Alter von über 50 Jahren entwickel­ten innerhalb von elf Jahren 1.442 eine AMD. Zwei Drittel von ihnen lebten in urbanen Regio­nen mit einer häufig schlechten Luftqualität.

Nach Berücksichtigung möglicher anderer Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Haus­halts­einkommen und Grunderkrankungen hatte das Viertel der Versicherten mit der höchsten Luftbelastung durch Stickstoffdioxid (mehr als 9.825,5 ppb NO2) eine fast doppelt so hohe Erkrankungswahrscheinlichkeit wie das Viertel mit der niedrigsten Exposition (weniger als 6563,2 ppb NO2).

Die Hazard Ratio von 1,91 war mit einem 95 %-Konfidenzintervall von 1,64 bis 2,23 signifikant. Auch für eine hohe Kohlenmonoxid-Belastung (mehr als 297.1 ppm) war eine signifikante Assoziation nachweisbar (Hazard Ratio 1,84; 1,5 bis 2,15).

Stickoxide gehören zu den hochreaktiven Stickstoffverbindungen, die Zellen schädigen. Frühere epidemiologische Untersuchungen haben die erhöhte Belastung der Luft unter anderem mit neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Dies könnte eine Schädigung der Retina erklären, argumentiert Suh-Hang.

Denn die Netzhaut des Auges sei Teil des zentralen Nervensystems und die AMD damit eine neurodegenerative Erkrankung. Eine Schädigung des Gehirns durch Kohlenmonoxid sei seit langem bekannt.

Die Untersuchung ist laut Suh-Hang die erste, die die AMD mit der Luft­verschmutzung in Verbindung bringt. Epidemiologische Studien können keine Kausalität herstellen. Es bleibt abzuwarten, ob andere Studien die Ergebnisse bestätigen werden. © rme/aerzteblatt.de

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