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Ärzteschaft

116117 wird zur umfassenden Servicenummer

Donnerstag, 22. August 2019

/dpa

Lieben­berg – Die Rufnummer 116117, über die zurzeit außerhalb der Sprechzeiten der kassen­ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar ist, wird vom 1. Januar 2020 an zu einer um­fassen­den Servicenummer ausgebaut. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Kassen­ärztli­chen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, gestern Abend vor Journalisten in Lieben­berg bekräftigt.

Ab diesem Zeitpunkt ist die Rufnummer rund um die Uhr erreichbar und gilt auch für die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen, die gesetzlich Kranken­versicherten Termine bei Haus- und Fachärzten sowie bei Psychotherapeuten vermitteln. Die KBV setzt damit einen Auftrag aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz um. Zum Start des erweiterten Angebots werden die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die Zahl ihrer Mitarbeiter in den Call-Centern auf etwa 1.200 aufstocken.

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Mit einer groß angelegten Werbekampagne, die am 30. August starten soll, will die KBV die 116117 in der Bevölkerung bekannter machen. Der KBV-Versichertenbefragung zu­folge kannten im vergangenen Jahr 37 Prozent der Befragten die Nummer für den ärztli­chen Bereitschaftsdienst.

Der Ausbau des Angebots soll dazu beitragen, dass die Patienten in der Versorgungsebe­ne behandelt werden, die ihren Beschwerden angemessen ist. So soll künftig verhindert werden, dass Patienten mit Bagatellerkrankungen die Notaufnahmen der Krankenhäuser verstopfen. „In Verbindung mit einem standardisierten medizinischen Ersteinschätzungs­system ist die 116117 die Eintrittspforte in das Versorgungssystem“, sagte Gassen.

Ersteinschätzung generiert keine Diagnose

Ein solches System hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) gemein­sam mit Partnern entwickelt. Dabei wurde eine Software aus der Schweiz auf deutsche Verhältnisse angepasst. Mit dem „strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsver­fah­ren für Deutschland“ (SmED) werden Patientendaten wie Geschlecht und Alter, chronische Krankheiten, Vorerkrankungen und Medikation, Leitsymptome und Begleitbeschwerden abgefragt.

Das Ergebnis sei keine Diagnose, sondern eine Einschätzung der Dringlichkeit der Be­hand­lung, sagte Zi-Geschäftsführer Dominik von Stillfried. Die medizinisch geschulten Disponenten empfehlen den Anrufern anschließend die richtige Anlaufstelle für eine Behandlung: die Praxis eines niedergelassenen Arztes zu den regulären Sprechzeiten, eine Bereitschaftsdienstpraxis oder die Notaufnahme eines Krankenhauses.

Ist der Zustand des Anrufers nach Einschätzung der Disponenten lebensbedrohlich, ver­binden sie zum Rettungsdienst. SmED wird zurzeit in mehreren KVen getestet. Ab Januar 2020 soll das System flächendeckend ausgerollt werden und auch an den Tresen der Be­reitschaftspraxen oder Notaufnahmen zum Einsatz kommen.

Um sämtliche digitalen Möglichkeiten für die Patientensteuerung zu nutzen, stellt die KBV ab Ende August auch eine 116117-App bereit. Darüber können Nutzer unter ande­rem eine telefonische Verbindung zum Notruf 112 herstellen und auf die bundesweite Arztsuche zugreifen. Ab Anfang nächsten Jahres sollen Nutzer online Termine der TSS buchen können. Voraussichtlich Mitte 2020 soll auch eine für Patienten adaptierte Versi­on von SmED über die App nutzbar sein.

KBV-Vorstand spricht sich gegen dritten Sektor zur Notfallbehandlung aus

Der KBV-Vorstand äußerte sich in Liebenberg auch ganz grundsätzlich zu den Plänen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums für eine Reform der Notfallversorgung, die aber offenbar noch nicht mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) abgestimmt sind.

Sie sehen unter anderem vor, dass künftig die Länder die Planung und Gestaltung der integrierten Notfallversorgung übernehmen sollen. Den KVen den Sicherstellungsauftrag für den Bereitschaftsdienst zu entziehen, mache medizinisch keinen Sinn und stelle die Krankenhäuser aufgrund des Ärztemangels vor unlösbare Aufgaben, warnte der stellver­tretende KBV-Vorsitzende Stephan Hofmeister.

Er räumte allerdings ein, dass viele Vertragsärzte es sicherlich begrüßen würden, den un­geliebten Bereitschaftsdienst nachts und an den Wochenenden loszuwerden. Darüber hi­naus lasse der Gesetzentwurf aus dem Ministerium offen, wie viele integrierte Notfall­zentren an welchen Standorten künftig benötigt würden. „Dazu müsste mal jemand den Mut haben“, erklärte auch KBV-Vorstand Gassen. Es könnten nicht an allen 2.000 Kranken­hausstandorten solche Zentren geschaffen werden.

Sowohl Gassen als auch Hofmeister sprachen sich dagegen aus, dass Krankenhäuser und KVen die integrierten Notfallzentren künftig gemeinsam betreiben. „Wir brauchen keinen dritten Versorgungssektor“, sagte Hofmeister. „Wir wollen die Patienten integriert versor­gen, aber nicht gemeinsam.“ Deshalb plädierte er dafür, dass die KVen den Tresen für ambulante Patienten betreiben und die Krankenhäuser für die Notaufnahmen zuständig sind, wo die Patienten mit dem Rettungswagen eintreffen. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 23. August 2019, 16:23

Ärzte, wehret den Anfängen! Die KBV will euch gerade verkaufen.

Statt die KV-Mitglieder offensiv zu informieren, dass der KBV leider nichts anderes übrig bleibt, als den Interessen der Niedergelassenen mal wieder zu schaden, lediglich eine der üblichen Hurra-Meldungen der KBV.

Es entspricht dem Zeitgeist auf app zu setzen, egal ob sie sinnvoll oder sinnlos sind. Wer heute nicht auf app setzt, der muss von vorgestern sein. Demzufolge bringt die KBV eine 116117-app auf den Markt, mit der Patienten bundesweit die Verbindung zum Notruf 112 herstellen können. Ich, als app-Dinosaurier, hätte im Notfall einfach 112 in irgendein Telefon, entweder mein eigenes oder irgendein anderes, eingegeben, fertig. Aber per app, für die man erst den Bildschirm entsperren muss, am besten das Handy des bewusstlosen Verletzten für die Gesichtserkennung dem Verletzten vor die Nase halten, die man dann erst suchen und dann starten muss, die dann eine Internetverbindung benötigt und die dann die 112 wählt, ist natürlich viel cooler. Vielleicht muss man die app auch zuerst downloaden und installieren – wer hat auf seinem Handy schon die Terminapp für medizinische Notfälle installiert? Ich wäre allerdings um ein Vielfaches schneller gewesen.

Eine solche app schade viel und hat null Mehrwert für den Patienten. Wäre sie „nur“ unsinnig, könnte man sie gleich wieder vergessen. Aber die KBV hat mit dieser App noch etwas ganz anderes vor. Zitat: „Ab Anfang nächsten Jahres sollen Nutzer online Termine der TSS buchen können.“ Von den allermeisten Ärzten völlig unbemerkt, obwohl die KVen sogar schriftlich darüber informiert haben, bauen die Praxis-EDV-Hersteller derzeit in ihre Software eine Schnittstelle ein, mit der man „von außen“ direkt Termine buchen kann. Sobald diese Schnittstellen scharf geschaltet werden, können die „Nutzer“, bei Dinosauriern heißt diese Gruppe „Patienten“, ihre Termine unmittelbar in der Arztpraxis „buchen“.

Die KBV verlangt, dass Ärzte Termine für die TSS bereitstellen, damit diese Patienten (am Praxispersonal vorbei) Termine in einer Praxis machen kann. Für viele Praxen eine völlig indiskutable Variante. Mit der 116117-app wird Patienten sogar die Möglichkeit eröffnet, sich direkt in den Terminkalendern der Praxen Termine zu machen. Statt suboptimal agierenden Mitarbeitern der TSS blockieren die Patienten gleich selbst Termine in den Praxen. Da „der Nutzer“ zum Zeitpunkt der Terminvereinbarung nicht genau weiß, wann er den Termin beim Arzt einschieben kann, bucht er halt gleich mehrere Termine bei mehreren Ärzten. Die Praxen merken dann schon von ganz allein, dass er bis auf einen Termin die anderen Termine nicht einhält. Ach so, absagen könnte er per app auch – 5 Minuten vor dem Termin sollte doch ausreichen.

Möglich wird eine Terminvereinbarung per app erst durch die Telematik. Ohne Anbindung an die TI kann niemand von außen Termine machen, weder die TSS noch ein Patient. Ist dagegen die Anbindung an die TI vorhanden, können und WERDEN die Termine von dafür nicht qualifizierten Personen vergeben werden. Und die KBV ist die treibende Kraft dahinter.

Glauben Sie nicht? Sie glauben, man kann Sie mit Ihrer Praxis nicht dazu zwingen? Träumen Sie weiter. Weil sich Ärzte nicht an die TI anschließen lassen wollten, wurden finanzielle Sanktionen eingeführt. Derzeit 1% des KV-Umsatzes, ab März 2020 sind es schon 2,5%. Die Sanktionen hatten zur Folge, dass sich viele Praxen gegen ihre innere Überzeugung haben anschließen lassen. À la Trump wird es demnächst heißen „wenn du deinen Terminkalender nicht für die 116117-app freigibst, steigen die Sanktionen auf 10%“. Und weil es noch Zahlen oberhalb von 10 gibt, können die Sanktionen auch auf 35% steigen. Sie halten das für wenig wahrscheinlich? Warum? Hätten Sie es vor zwei Jahren für wahrscheinlich gehalten, dass man Sie gegen Ihren Willen dazu bringt, sich an die TI anschließen zu lassen, gar dass man sie deswegen finanziell sanktioniert? Eben.

Wer einmal in der heiligen Mission „wir müssen die Ärzte in die Digitalisierung zwingen, auch gegen deren Willen, weil Ärzte zu schlicht strukturiert sind, die Vorteile zu erkennen“ unterwegs ist, der wird sich nicht mehr stoppen lassen. Spahn hat eine Mission. Und die KBV ist ein perfekter Erfüllungsgehilfe. Sie hat überhaupt null Bedenken, den Interessen der KV-Mitglieder zu schaden. Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich die aktuellen Äußerungen der KBV zur diskutierten dritten Schiene (Notfall- und Rettungswesen). Vom KBV-Vorstand Hofmeister heißt es dazu im Ärzteblatt:
„Er räumte allerdings ein, dass viele Vertragsärzte es sicherlich begrüßen würden, den un¬geliebten Bereitschaftsdienst nachts und an den Wochenenden loszuwerden.“

Die KBV kämpft dafür, dass der Bereitschaftsdienst bei den KVen bleibt. Die Ärzte sind dagegen, weil sie diese Dienste erbringen müssen. Was ist das für eine KBV, die weiß, dass die Ärzte den Bereitschaftsdienst loswerden wollen, und die sich trotzdem für den Bereitschaftsdienst im KV-System stark macht?

Es ist eine KBV, der die Interessen der KV-Mitglieder vollkommen egal sind. Um das KV-System am Leben zu erhalten, ist ihr kein Blutzoll bei den KV-Mitgliedern zu hoch.
Avatar #784973
baggi4
am Freitag, 23. August 2019, 11:22

Überfordert

Diese Nummer ist pausenlos in der Warteschleife: 15:00 Uhr angerufen,
15:45 hat sich eine Dame gemeldet und Arzt informiert! Bereitschaftarzt nach 4 Stunden erschienen,
(war für 3 Städte zustandig)! Es sollten mehr Ärzte in den Gemeinden zugelassen werden; vor allem muß viel mehr Geld dafür in die Hand, genommen werden. Wer braucht eine KBV?
Avatar #4050
woesti
am Donnerstag, 22. August 2019, 19:16

Weiter so

Der Plan der KBV ist klar:
„Seht her, wir kümmern uns doch und investieren mehr als 10 Millionen in die Werbung für die 116117! Dafür behalten wir den Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung...“ und anschließend läuft alles weiter wie bisher!
Was sagen eigentlich die Kassenärzte dazu, daß deren Gelder für eine solche Werbekampagne ausgegeben werden?
Anstatt sich also GEMEINSAM den Problemen zu widmen soll alles beim Alten bleiben. So laufen Ihnen ihre Ärzte und uns alle Mitarbeiter weg!
Vielen Dank Herr Gassen: 6, setzen!
LNS

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