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Medizin

Ausmaß eines Herzinfarkts unabhängig von der Tageszeit

Freitag, 23. August 2019

/airdone, AdobeStock.com

München – Ob ein Herzinfarkt in der Nacht oder am Tag auftritt, hat keinen Einfluss auf den Schweregrad der Folgen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) an der Technischen Universität München (TUM) in einer Studie mit rund 1.200 Patienten. Die Ergebnsise wurden im Journal of Translational Medicine publiziert (2019; doi: 10.1186/s12967-019-1934-z).

Am häufigsten treten Herzinfarkte zwischen 6 Uhr morgens und 12 Uhr mittags auf. Auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder plötzlicher Herztod scheinen einem Tagesrhythmus zu folgen, sie ereignen sich ebenso gehäuft morgens oder vormittags. Einige Studien deuten außerdem darauf hin, dass der Zeitpunkt, zu dem die Beschwerden beginnen beziehungsweise der Herzinfarkt einsetzt, beeinflusst, wie Herzerkrankungen verlaufen.

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Die aktuelle Studie kann diese Vermutung nicht bestätigen. Für die Untersuchung haben die Wissenschaftler den Tag in 4 Zeitfenster unterteilt: 0 bis 6 Uhr, 6 bis 12 Uhr, 12 bis 18 Uhr und 18 bis 24 Uhr. In allen Fällen lag ein ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vor und ein verschlossenes Blutgefäß im Herzen, nämlich ein Herzkranzgefäß, löste den Infarkt aus.

Noch vor Eröffnung des verschlossenen Blutgefäßes bekamen alle Studienteilnehmer eine Substanz gespritzt, um die Durchblutung des Herzens zu prüfen. 7 Tage nach dem Eingriff verabreichten sie die Substanz erneut, um zu beurteilen, welche Bereiche des vormals nicht durchbluteten Herzgewebes durch das Wiedereröffnen des verschlossenen Herzkranzgefäßes gerettet werden konnten.

Außerdem ermittelten Sager und seine Kollegen die Fünf-Jahres-Überlebensrate. Hiermit konnten sie Rückschlüsse ziehen, ob die Tageszeit, zu der ein Herzinfarkt auftritt, die langfristige Prognose verändert. „Natürlich gibt es viele Faktoren, die bestimmen, wie schwer ein Herzinfarkt verläuft“, sagt DZHK-Wissenschaftler Hendrik Sager. „Etwa wie lange es dauert, bis das Gefäß wiedereröffnet wird oder welches der 3 Herzkranzgefäße verschlossen ist. Diese Faktoren haben wir herausgerechnet.“

Bisherige Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse, ob sich die Tageszeit auf Infarktgröße und Überlebensrate auswirkt. Den Grund hierfür sieht Sager in den zu kleinen Patientenkollektiven und zu kurzen Beobachtungszeiträumen. Die Autoren sind überzeugt, dass ihre umfangreiche Analyse nun geklärt hat, dass die Tageszeit den Verlauf eines Herzinfarktes nicht beeinflusst. Ärzte müssten bei der Behandlung ihrer Patienten demzufolge nicht berücksichtigen, zu welcher Uhrzeit der Herzinfarkt auftrat. © gie/idw/aerzteblatt.de

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