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Ärzteschaft

Kritik an Honorarzuwächsen, Lob für Handlungsfähigkeit der Selbstverwaltung

Montag, 26. August 2019

/Bumann, stockadobecom

Berlin – Der NAV-Virchowbund hat ein gemischtes Fazit der Ergebnisse der Honorarver­handlungen für 2020 gezogen. „Trotz eines dürftigen Ergebnisses ist diese Einigung ein Beweis für die Handlungsfähigkeit der Selbstverwaltung“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Dirk Heinrich.

Der Abschluss sei ohne Anrufung des Erweiterten Bewertungsausschusses und somit ohne einen entsprechenden Schiedsspruch eines Dritten zustande gekommen. Dies lasse für die gesetzlich vorgegebene Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) zum Jahresende hoffen, sagte er.

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Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband hatten am vergange­nen Freitag die Ergebnisse der aktuellen Honorarverhandlungen vorgelegt. Dabei einig­ten sie sich auf eine Steigerung des Orientierungswertes um 1,52 Prozent. Damit steigt der Wert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen auf 10,9871 Cent.

Bislang lag dieser bei 10,8226 Cent. Dies bedeutet eine Steigerung von Honoraren um rund 565 Millionen Euro für das Jahr 2020. Die konkrete Ausgestaltung wird auf Ebene der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Krankenkassenverbände der Bundes­länder verhandelt.

„Das Verhandlungsergebnis von 1,52 Prozent auf den Orientierungspunktwert und damit rund 565 Millionen Euro mehr für die knapp über 101.000 Praxen in Deutschland bedeu­ten rund 466 Euro mehr pro Monat und Praxis“, rechnete Heinrich vor. Dies sei angesichts der allgemeinen Preisentwicklung und hinsichtlich der Personalkosten „kein gutes Zei­chen“.

„Der Fachkräftemangel hat längst die Praxen niedergelassener Ärzte erreicht. Wir befin­den uns in einer harten Konkurrenz zu anderen Akteuren im Gesundheitswesen und müssen unserem qualifizierten und motivierten Personal in Zukunft mehr bieten“, warnte Heinrich.

Kritik kam auch vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). BVKJ-Präsident Thomas Fischbach betonte, der Anstieg um 1,52 Prozent beim Orientierungswert sei nicht ausreichend. Allein im Juli dieses Jahres habe die Teuerungsrate bei 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gelegen. „Das bedeutet: Energiekosten, die Preise für Mieten, medizinische Geräte, Praxisbedarf etc. steigen stärker als unsere Honorare“, sagte Fischbach. Vor allem die Gehälter der Mitarbeiterinnen seien in letzter Zeit kontinuierlich und deutlich gestiegen.

Darüber hinaus würden bereits heute viele Leistungen für Ärzte nicht vergütet. Das be­deute, Ärzte arbeiteten „an der Grenze zur Selbstausbeutung“. Auch gebe es zunehmend Schwierigkeiten, Nachfolger für Praxen zu finden. Junge Ärzte tun sich den Stress bei gleichzeitig schlechten Honoraren nicht mehr an und bleiben in den Kliniken, sagte er. Die Kinder- und Jugendmedizin drohe auszubluten.

Enttäuscht äußerte sich auch der Hartmannbund. „Das Ergebnis zeigt einmal mehr, dass in einem durch Budgets und Hamsterrad-Mechanismen dominierten System mit dann ver­­gleichbar kleinen Stellschrauben - wie marginalen Punktwerterhöhungen auf Basis von Diagnosen und Demografie - kein Leistungsbezug mehr hergestellt werden kann“, sagte dessen Vorsitzender, Klaus Reinhardt.

Heinrich mahnte an, bei der anstehenden EBM-Reform das kalkulatorische Arztgehalt an das inzwischen erzielbare Oberarztgehalt in den Krankenhäusern anzupassen. „Hier wur­den die Tarifentwicklungen der letzten Jahre leider noch nicht nachvollzogen“, so der NAV-Vorsitzende. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 27. August 2019, 16:44

Wenn man so die Überschriften liest ...

dann ist das alles ziemlich hohles Geschwätz - zunächst "Verhandlungen kommen schwer in Gang" ... und nach zweitem Treffen haben alle die Lust verloren, Heureka, Einigung ... und das ohne "Schiedsrichter" sogar!
Wer veräppelt da wen?
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Montag, 26. August 2019, 19:12

Planwirtschaft

Anstatt die richtigen Entscheidungen zu treffen und das GKV System mit seiner unbegrenzten 08/15-Medizin grundlegend zu reformieren, wird weiter planwirtschaftlich herumgedoktert. Ein "Oberarztgehalt" soll bei der Massenbehandlung von Kassenpatienten am Monatsende herauskommen. Man fragt sich, wie dies bei Einzelhonoraren von 12, 15 oder 20 Euro pro Patient funktionieren soll....

Die Kassen werden nicht müde, Ihre Versicherten in die Arztpraxen zu treiben. Es kostet sie ja auch nichts. 42 Euro Kopfpauschale pro Versicherten zahlt sie im Quartal und damit ist sie von weiterer Zuzahlung befreit. Auf Kosten der Ärzteschaft lässt sich gut strunzen.

Anstatt den grenzenlosen Ansprüchen der Patienten, die für ihre kostenfreie Behandlungen auch noch Service einfordern, entgegenzutreten und vernünftige Eigenbeteilungen (5 Euro für jeden Arztbesuch) einzuführen, vertrauen alle Beteiligten auf ein "weiter so." Welcher halbwegs intelligente Jungmediziner soll auf dieser Basis noch eine Kassenarztpraxis übernehmen wollen ?
LNS

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