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Medizin

Zum Eisprung kommt es meist nicht an Tag 14 des Menstruationszyklus

Freitag, 30. August 2019

Frau hält ein Thermometer vor einen Zykluskalender, in dem die fruchtbaren Tage eingezeichnet sind. ViDi Studio AdobeStock.com
Viele Frauen gehen davon aus, dass es am 14 Zyklustag zum Eisprung kommt. Das ist jedoch meistens nicht der Fall, wie Daten einer Appanalyse zeigen. /ViDi Studio AdobeStock.com

Stockholm/London – Menstruationszyklen sind sehr unterschiedlich. Nur 13 % der Frauen haben Zyklen, die 28 Tage dauern. Und auch der Eisprung findet bei den meisten Frauen nicht, wie häufig angenommen, an Tag 14 des Zyklus statt. Das zeigt eine Studie in npj Digital Medicine unter der Leitung des University College London (UCL) und dem Unter­nehmen Natural Cycles, die eine App zur natürlichen Verhütung anbieten (2019; doi: 10.1038/s41746-019-0152-7).

Die Forscher hatten die Daten von 124.648 Frauen aus Schweden, den USA und Großbritannien ausgewertet, die die Natural-Cycles-App nutzen. Dabei konn­ten sie mehr als 600.000 Menstruations­zyklen berücksichtigen. Die Ergebnisse zeigen, dass die durchschnittliche Zy­kluslänge 29,3 Tage beträgt. 65% der Frauen hatten Zyklen, die zwischen 25 und 30 Tagen dauerten.

Der Zyklus beginnt und endet mit der Menstruationsblutung und wird durch den Eisprung in zwei Phasen unterteilt: die follikuläre, in der Frauen schwanger werden können und die luteale Phase, in der keine Schwangerschaft möglich ist. Die schwedischen Forscher fanden heraus, dass die durchschnittliche follikuläre Phasen 16,9 Tage (95-%-Konfidenzintervall: 10-30) und die durchschnittliche luteale Phase 12,4 Tage (95-%-KI: 7-17) andauert. Zum Eisprung kommt es demnach nicht immer an Tag 14.

Bei Frauen mit einer typischen Zykluslänge von 25 bis 30 Tagen betrug die follikuläre Phasenlänge durchschnittlich 15,2 Tage. Für Frauen mit normalen, aber längeren Zyklen (31-35 Tage) betrug sie 19,5 Tage und für Frauen mit normalen, aber kürzeren Zyklen (21-24 Tage) 12,4 Tage. Bei einem sehr kurzen Zyklus (15-20 Tage), was auf 18 % der untersuchte Zyklen zutraf, betrug die mittlere follikuläre Phasenlänge 10,4 Tage und bei sehr langen Zyklen (36-50 Tage) 26,8 Tage.

Ab 25 Jahren wird der Zyklus immer kürzer

Ein weiterer bereits bekannter Faktor, der den Zyklus beeinflusst, ist das Alter. In der Stu­die konnte jetzt ein fast linearer Zusammenhang gezeigt werden. Von 25 bis 45 Jahren verringerte sich die durchschnittliche Zykluslänge pro Jahr um 0,18 Tage und die durch­schnittliche follikuläre Phasenlänge um 0,19 Tage. Insgesamt verkürzte sich der Zyklus um 3,2 Tage in diesem Zeitraum von 20 Jahren.

Teilnehmerinnen: Die Daten stammen von Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren. Der BMI der App-Nutzerinnen lag zwischen 15 und 50. Sie hatten in den 12 Monate vor der Registrierung keine hormonelle Verhütung eingesetzt. Benutzer, die an einer Erkrankung leiden (polyzystisches Ovarialsyndrom, Hypothyreose oder Endometriose) oder die klimakterische Symptome hatten, wurden ausgeschlossen.

Noch stärker schwankte die Zyklusdauer bei adipösen Frauen mit einem Body Mass Index (BMI) über 35 kg/m². Die durchschnittliche Variation lag bei 0,4 Tagen beziehungsweise 14 % höher als bei Frauen mit einem BMI von 18,5 bis 25. In geringerem Maße variierte die Zykluslänge auch bei untergewichtigen Frauen mit einem BMI von 15 bis 18,5. Ihre Blutungen dauerten 0,2 Tage länger als die von Normalgewichtigen (95-%-KI 0,18-0,22 Tage).

Diese Erkenntnisse könnten Paaren helfen, besser zu verstehen, wann eine Schwanger­schaft wahrscheinlich ist, sagen die Autoren. Die Analyse der Zyklusdaten allein sei aber nicht aussagekräftig, sagt Koautorin Joyce Harper von der UCL Institute for Women's Health.

„Um die fruchtbare Periode zu identifizieren, ist es wichtig, andere Messungen wie etwa die Basaltemperatur zu messen.“ Apps, die die fruchtbaren Tage allein auf der Grundlage von Zyklusdaten vorhersagen, könnten das fruchtbare Fenster völlig verfehlen, ergänzt Co-Autor, Simon Rowland, Head of Medical Affairs bei Natural Cycles.

Eine Einschränkung der Studie bestünde darin, dass die Studienpopulation sich aus­schließlich aus App-Nutzerinnen zusammensetzte, sagen die Autoren. Diese Auswahl sei möglicherweise nicht repräsentativ für die breite Bevölkerung. Nur 8 % der Frauen waren fettleibig, verglichen mit 15 % der Frauen in der Allgemeinbevölkerung.

Harper sieht dennoch ein großes Potenzial in der Auswertung großer Datenmengen von App-Nutzern: „Unter der Voraussetzung, dass die realen Daten mit traditionellen klini­schen Studien unter kontrollierten Bedingungen validiert werden können, besteht ein enormes Potenzial, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.“ © gie/aerzteblatt.de

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