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Medizin

Lange Arbeitszeiten von Eltern erhöhen das Risiko für Übergewicht ihrer Kinder

Mittwoch, 28. August 2019

/DimmoP, stockadobecom

Berlin – Lange Arbeitszeiten von Müttern und Vätern erhöhen bei ihren Kindern das Risiko, im Vorschulalter an Übergewicht oder Fettleibigkeit zu leiden. Das berichten Wissen­schaft­ler um Jianghong Li vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) im Journal of Epidemiology and Community Health (doi 10.1136/jech-2018-211132).

Basis der Untersuchung sind Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für 2.400 Kinder im Alter zwischen 0 und 6 Jahren. Die Studie zeigt, dass Kinder von Müttern, die 35 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, einem erhöhten Risiko für Über­gewicht und Fettleibigkeit ausgesetzt sind – im Vergleich zu Kindern, deren Mütter nicht erwerbstätig sind.

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Das Risiko erhöht sich auch, wenn Väter 55 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten. In diesem Fall wirken sich bereits kürzere Arbeitszeiten der Mutter (24 bis 34 Wochen­stunden) negativ auf das Körpergewicht der Kinder aus.

Der negative Einfluss langer Arbeitszeiten auf das Körpergewicht wurde hauptsächlich bei Kindern aus Familien mit mittlerem und hohem Einkommen festgestellt. Bei Familien mit niedrigem Einkommen lässt sich dieser Zusammenhang nicht nachweisen.

„Eltern mit niedrigem Einkommen sind vielleicht weniger informiert, welchen Einfluss Ernährung und körperliche Bewegung auf das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit ihrer Kinder haben“, erklärte Li. Deshalb änderten weniger oder mehr Arbeitsstunden an der Ernährungsqualität oder der körperlichen Betätigung möglicherweise nicht viel.

Es sei auch denkbar, dass in einkom­mens­schwächeren Familien die Vorteile eines höhe­ren Verdienstes durch längere Arbeitsstunden die negativen Folgen des Zeitmangels aus­gleichen würden.

Ein Kita-Besuch mindert das Risiko für Übergewicht oder Fettleibigkeit hingegen unab­hängig vom sozialen Hintergrund der Kinder. „Staatliche Investitionen zur Verbesserung der Kitas, insbesondere der Ernährungsqualität und angemessener körperlicher Bewe­gung können erwerbstätige Eltern bei ihren Erziehungsaufgaben unterstützen“, so Li.

Die Forscher vermuten, dass die Ernährungsqualität und das körperliche Aktivitätsniveau von Vorschulkindern mit längeren Arbeitszeiten der Mütter sinken. Eine andere mögliche Ursache könnten unterbrochene Schlafrhythmen bei Kindern sein, deren Eltern lange arbeiten. Um diese Erklärungsansätze empirisch zu belegen, seien aber umfangreichere Daten notwendig, so die Wissenschaftler.   

© hil/aerzteblatt.de

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