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Ausland

Erstmals Pharmakonzern in USA wegen Opiatekrise verurteilt

Dienstag, 27. August 2019

Thad Balkman, Richter im Opioidprozess gegen Johnson & Johnson /picture alliance, AP Photo

Washington – In den USA ist erstmals ein Pharmakonzern im Zusammenhang mit der Opiatekrise zu Schadenersatz verurteilt worden. Ein Gericht im Bundesstaat Oklahoma verurteilte den Hersteller Johnson & Johnson gestern zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 572 Millionen Dollar (515 Millionen Euro).

Durch irreführende Werbung über in hohem Maße abhängig machende Schmerzmittel hätten J&J und dessen Tochterfirma Janssen „die Gesundheit und Sicherheit tausender Bürger Oklahomas beeinträchtigt“, hieß es in dem Urteil.

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J&J kündigte umgehend Berufung an. „Janssen hat die Opiatekrise in Oklahoma nicht verursacht“, erklärte der US-Konzern. In vielen Regionen stellt die Suchtkrise ein drama­tisches soziales Problem dar.

Nach Behördenangaben starben im Jahr 2017 landesweit zehntausende Menschen an Überdosen von Opiaten. Im selben Jahr trug der verbreitete Missbrauch von Schmerz­mitteln zu einer Absenkung der Lebenserwartung in den USA bei.

Richter Thad Balkman in Oklahoma machte J&J direkt dafür verantwortlich, dass tausen­de Menschen in Oklahoma von Opiaten abhängig wurden, viele an Überdosen starben und die Zahl der Neugeborenen mit Entzugssymptomen zugenommen hat. Die J&J auf­erlegte Entschädigungssumme soll dafür verwendet werden, in Oklahoma Programme gegen die Sucht nach Opiaten zu finanzieren.

Laut Balkman hatte J&J bei Ärzten und Patienten mit dem Versprechen geworben, bei seinen Medikamenten sei das Risiko für einen Missbrauch gering. Der Konzern habe Risi­ken bewusst heruntergespielt, indem er den Begriff der „Pseudoabhängigkeit“ verwendet habe. Suchtsymptome nach der Einnahme der Opiate habe J&J damit erklärt, dass die Schmerzen noch nicht ausreichend behandelt worden seien.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Entschädigungszahlung in Höhe von 17 Milliarden Dollar gefordert, das Gericht blieb deutlich darunter. Nach der Urteilsverkündung stieg der Aktienkurs des Pharmaherstellers im nachbörslichen Handel um zwei Prozent.

Das Urteil in Oklahoma stützt sich auf ein Gesetz gegen „Störung der öffentlichen Ord­nung“. J&J argumentiert jedoch, die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen können, dass die Produkte und Handlungen des Unternehmens eine solche Störungdargestellt hätten.

In den USA sind fast 2.000 Klagen gegen die Hersteller von Medikamenten mit Opioiden anhängig. In Oklahoma hatten zwei andere Pharmakonzerne – der US-Hersteller Purdue Pharma und der israelische Konzern Teva – Prozesse durch die Zahlung von 270 Millio­nen Dollar beziehungsweise 85 Millionen Dollar abgewendet. © afp/aerzteblatt.de

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