NewsAuslandErstmals Pharmakonzern in USA wegen Opiatekrise verurteilt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Erstmals Pharmakonzern in USA wegen Opiatekrise verurteilt

Dienstag, 27. August 2019

Thad Balkman, Richter im Opioidprozess gegen Johnson & Johnson /picture alliance, AP Photo

Washington – In den USA ist erstmals ein Pharmakonzern im Zusammenhang mit der Opiatekrise zu Schadenersatz verurteilt worden. Ein Gericht im Bundesstaat Oklahoma verurteilte den Hersteller Johnson & Johnson gestern zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 572 Millionen Dollar (515 Millionen Euro).

Durch irreführende Werbung über in hohem Maße abhängig machende Schmerzmittel hätten J&J und dessen Tochterfirma Janssen „die Gesundheit und Sicherheit tausender Bürger Oklahomas beeinträchtigt“, hieß es in dem Urteil.

Anzeige

J&J kündigte umgehend Berufung an. „Janssen hat die Opiatekrise in Oklahoma nicht verursacht“, erklärte der US-Konzern. In vielen Regionen stellt die Suchtkrise ein drama­tisches soziales Problem dar.

Nach Behördenangaben starben im Jahr 2017 landesweit zehntausende Menschen an Überdosen von Opiaten. Im selben Jahr trug der verbreitete Missbrauch von Schmerz­mitteln zu einer Absenkung der Lebenserwartung in den USA bei.

Richter Thad Balkman in Oklahoma machte J&J direkt dafür verantwortlich, dass tausen­de Menschen in Oklahoma von Opiaten abhängig wurden, viele an Überdosen starben und die Zahl der Neugeborenen mit Entzugssymptomen zugenommen hat. Die J&J auf­erlegte Entschädigungssumme soll dafür verwendet werden, in Oklahoma Programme gegen die Sucht nach Opiaten zu finanzieren.

Laut Balkman hatte J&J bei Ärzten und Patienten mit dem Versprechen geworben, bei seinen Medikamenten sei das Risiko für einen Missbrauch gering. Der Konzern habe Risi­ken bewusst heruntergespielt, indem er den Begriff der „Pseudoabhängigkeit“ verwendet habe. Suchtsymptome nach der Einnahme der Opiate habe J&J damit erklärt, dass die Schmerzen noch nicht ausreichend behandelt worden seien.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Entschädigungszahlung in Höhe von 17 Milliarden Dollar gefordert, das Gericht blieb deutlich darunter. Nach der Urteilsverkündung stieg der Aktienkurs des Pharmaherstellers im nachbörslichen Handel um zwei Prozent.

Das Urteil in Oklahoma stützt sich auf ein Gesetz gegen „Störung der öffentlichen Ord­nung“. J&J argumentiert jedoch, die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen können, dass die Produkte und Handlungen des Unternehmens eine solche Störungdargestellt hätten.

In den USA sind fast 2.000 Klagen gegen die Hersteller von Medikamenten mit Opioiden anhängig. In Oklahoma hatten zwei andere Pharmakonzerne – der US-Hersteller Purdue Pharma und der israelische Konzern Teva – Prozesse durch die Zahlung von 270 Millio­nen Dollar beziehungsweise 85 Millionen Dollar abgewendet. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. September 2019
Darmstadt – Der Darmstädter Merck-Konzern erwartet für sein schwieriges Geschäft mit Spezialmaterialien eine baldige Rückkehr in die Wachstumszone. Von 2020 an soll der Umsatz jährlich aus eigener
Merck erwartet Wachstum für Problemgeschäft ab 2020
12. September 2019
Washington – Ausgefallene Geschmacksrichtungen für E-Zigaretten sollen nach dem Willen der US-Regierung in den Vereinigten Staaten verboten werden. Präsident Donald Trump kündigte gestern im Weißen
E-Zigaretten: US-Regierung sagt Aromen den Kampf an
11. September 2019
New York – Die US-Behörden haben einen weiteren Todesfall gemeldet, der auf den Gebrauch von E-Zigaretten zurückgeht. Es handele sich um eine Frau in Kansas, die älter als 50 Jahre gewesen sei, teilte
US-Behörden melden weiteren Toten nach Gebrauch von E-Zigaretten
10. September 2019
Berlin – Eine in weitem Umfang überarbeitete Leitlinie der Stufe S2k „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“ hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Neue S2k-Leitlinie zu Diagnose und Therapie neuropathischer Schmerzen
10. September 2019
Sacramento – Kalifornien will mit einem neuen Gesetz die Impfpflicht im US-Westküstenstaat verschärfen. Der demokratische Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete gestern einen Entwurf, der Ausnahmen
Kalifornien verschärft Impfpflicht für Kinder
4. September 2019
New York – Nach dem größten Anstieg an Masernerkrankungen in New York seit fast drei Jahrzehnten hat die US-Ostküstenmetropole den Ausbruch für beendet erklärt. Nach der Erklärung des Notstandes im
New York erklärt Masernausbruch für beendet
3. September 2019
Leipzig – Ein neues Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen hat das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eingerichtet. Eine neue Schmerz-Tagesklinik soll die Lücke zwischen ambulanter und
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER