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Medizin

Kontaktallergie: Titandioxidhaltige Tinte setzt Nickel und Chrom aus Tätowiernadeln frei

Dienstag, 27. August 2019

/mikhail_kayl, stockadobecom

Berlin – Die in Tätowiernadeln enthaltenen Metalle Nickel und Chrom könnten für aller­gische Reaktionen mit verantwortlich sein, zu denen es nach dem Tätowieren mit Titan­dioxid kommen kann. Eine Studie in Particle and Fibre Toxicology (2019; 16: 33) zeigt, dass das beliebte Weißpigment die Metalle aus der Tätowiernadel lösen kann. Die Metall­partikel waren sowohl in der Haut als auch in den regionalen Lymphknoten nachweisbar.

Allergische Reaktionen auf Tattoos und deren Inhaltsstoffe gehören zu den häufigsten Neben­wirkungen von Tätowierungen. An spezialisierten Zentren wie der Tattoo Clinic in Kopenhagen wird ein Drittel der Patienten wegen einer Allergie behandelt. Meist handelt es sich um Typ-IV-Reaktionen, auch Kontaktallergie genannt. Zu den häufigen Kontakt­aller­genen gehören Nickel und Chrom.

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Bisher wurden die allergischen Reaktionen auf verunreinigte Farbpigmente zurückge­führt. Nickel und Chrom sind jedoch auch in den Tätowiernadeln enthalten. Diese be­stehen aus Stahl, dem häufig Nickel (6-8 %) und Chrom (15-20 %) zugefügt wird, um ihn korrosions- und säurebeständig zu machen.

Ein internationales Forscherteam kann schlüssig nachweisen, dass die Metalle aus den Nadeln in die Haut gelangen. Von dort werden sie in den regionalen Lymphknoten trans­portiert, dem Ort, an dem Kontaktallergien ihren Ursprung haben.

Partikel von Titandioxid nachgewiesen

Ines Schreiver und Mitarbeiter vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin haben zunächst Haut- und Lymphknoten von drei tätowierten Menschen nach deren Tod unter­sucht. Mit einer synchrotronbasierten Nanoröntgenfluoreszenz wiesen sie in den Tätowie­rungen Mikropartikel nach, die neben Nickel und Chrom auch Eisen enthielten, was eine Herkunft aus den Nadeln wahrscheinlich macht. In der Nähe wurden stets auch Partikel aus Titandioxid nachgewiesen.

Es handelt sich um ein weißes Pigment, mit dem sich verschiedene Farbtöne der Täto­wie­­­rung erzeugen lassen. Die Forscher vermuteten deshalb, dass Titandioxid die Chrom-Nickel-Eisen-Partikel von der Oberfläche der Nadeln löst. Die Untersuchung von Täto­wier­nadeln mit dem Rasterelektronenmikroskop zeigte, dass Nadeln, die Titandioxid in die Haut injiziert hatten, mehr Abnutzungserscheinungen aufwiesen als Nadeln, die andere Pigmente ver­wendet hatten.

Die gleichen Chrom-Nickel-Eisen-Partikel wurden in den Lymphknoten gefunden. In einer früheren Studie hatten die Forscher gezeigt, dass die Farbpigmente sich dauerhaft in den Lymphknoten anreichern. Schreiver vermutet, dass sie entweder passiv mit der Lymph­flüs­sigkeit in die Lymphknoten drainiert werden oder aktiv von Phagozyten dorthin trans­por­tiert werden. In den Lymphknoten treffen sie dann auf T-Lymphozyten, die eine Typ-IV-Reaktion auslösen können.

Um die Rolle von Titandioxid näher zu untersuchen, tätowierte das Forscherteam Schwei­ne­haut einmal mit schwarzer Tinte (auf Kohlenstoffbasis) und an anderer Stelle mit einer titandioxidhaltigen Tinte.

Beide Tinten waren frei von Stahlpartikeln. Nach dem Täto­wieren mit titandioxidhaltiger Tinte waren Chrom-Nickel-Eisen-Partikel in größerer Menge in der Schweinehaut nach­weisbar. An den Stellen mit schwarzer Tinte wurden sie nur in sehr geringer Konzentra­tion gefunden.

Abschließend haben die Forscher noch Hautproben von einem Patienten untersucht, bei dem eine Kontaktallergie diagnostiziert worden war. Der Patient war mit unterschiedli­chen Tinten tätowiert worden. Die Chrom-Nickel-Eisen-Partikel waren nur an den Stellen vorhan­den, an denen eine titandioxidhaltige Tinte verwendet worden war.

Die Studie zeigt, dass von den Tätowiernadeln ein gesundheitliches Risiko ausgehen kann. Wie groß das Risiko für die einzelnen Personen ist, müsste jetzt in epidemiolo­gi­schen Studien untersucht werden. Interessant wäre auch, ob die Verwendung von Stahl­nadeln oder Chrom und Nickel die Entwicklung von Allergien verhindern würde. © rme/aerzteblatt.de

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