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Medizin

Doppelte Therapiestrategie soll programmierten Zelltod beim Sézary-Syndrom auslösen

Mittwoch, 28. August 2019

/dpa

Heidelberg – Einen Ansatz, um in den Krebszellen beim Sézary-Syndrom die Fähigkeit zum Zelltod wiederherzustellen, haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungs­zentrum und der Universitätsmedizin Mannheim vorgestellt. Ihre Studien beruhen auf präklinischen Experimenten an Mäusen sowie an isolierten Patientenzellen. Die Arbeit ist in der Zeitschrift Blood erschienen (doi 10.1182/blood.2019001545).

Kutane T-Zell-Lymphome bilden sich aus entarteten T-Zellen des Immunsystems, die sich vorwiegend in der Haut ansiedeln. Eine besondere Form dieser Erkrankung ist das Séza­ry-Syndrom, für das es bisher keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Bei dieser Erkrankung werden die entarteten Zellen nicht nur in der Haut, sondern auch im Blut gefunden. Von dort aus können sie auch andere Organe befallen. Bei dem Hautlymphom reagieren die Krebszellen nicht auf Signale, die den Zelltod Apoptose einleiten.

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„Bei der Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze versuchen wir daher, in den entar­te­ten Zellen die Fähigkeit zum Zelltod wiederherzustellen“, erklärte Jan Nicolayvon der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Mannheim und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg.

Einen solchen Wirkstoff erproben Nicolay und Kollegen in der Hautklinik der Universitäts­medizin Mannheim und an fünf weiteren Kliniken in Deutschland bereits in einer klini­schen Studie: Das Medikament Dimethylfumarat (DMF) schaltet in den Sézary-Zellen einen Überlebensfaktor aus und treibt sie dadurch in die Apoptose. Diesen Therapie­an­satz hat Nicolay ursprünglich zusammen mit Karsten Gülow und Peter Krammer am DKFZ entwickelt.

Noch wirksamer ließen sich die Sézary-Zellen möglicherweise mit einer Kombination von Medikamenten bekämpfen, die an zwei verschiedenen, unabhängigen Stellen in die Re­gulation der Apoptose eingreifen. Zusätzlich zum DMF erprobte die Arbeitsgruppe daher einen Wirkstoff namens „ABT-199“, der ein Protein namens „Bcl-2“ hemmt. Die Forscher konnten zeigen, dass ABT-199 T-Zellen von Sézary-Patienten in den Zelltod treibt, T-Zellen gesunder Spender dagegen kaum beeinträchtigt.

Die Forscher testeten die Kombination von DMF und ABT-199 zunächst an Sézary-Zellen in der Kulturschale. Die Kombination beider Substanzen löste einen deutlich stärker Zell­tod aus als eine ABT-199 Monotherapie. Gemeinsam mit Karin Müller-Decker vom DKFZ erprobten die Forscher den Ansatz auch im Tiermodell, nämlich an Mäusen, denen Séza­ry-Zellen übertragen worden waren. Auch hier war die Behandlung mit der Wirkstoff-Kombination effektiver als die ABT-199 Monotherapie.

Bei der Analyse der Tumoren der behandelten Mäuse entdeckten die Forscher, dass das Wirkstoffduo die Krebszellen in die Apoptose treibt und zudem die Zellteilung aufhält. „In den Zellen des Sézary-Lymphoms ist ein wichtiger Überlebensfaktor, NFkappaB, dauerhaft aktiviert, das macht sie resistent gegen Apoptose. An dieser Stelle greift DMF ein. ABT-199 dagegen wirkt auf ganz andere Stellschrauben bei der komplexen Regulation des Zelltods. Daher verstärken sich die beiden Medikamente in ihrer Wirkung“, erklärte Nicolay. Die präklinischen Ergebnisse sollen jetzt möglichst rasch in einer klinischen Studie getestet werden. © hil/aerzteblatt.de

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