NewsMedizinMutation im Beta1-Adrenozeptor verkürzt den Schlaf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mutation im Beta1-Adrenozeptor verkürzt den Schlaf

Donnerstag, 29. August 2019

/pix4U, stockadobecom

San Francisco – Eine seltene Variante im Gen des Beta1-Adrenozeptors sorgt dafür, dass mehrere Mitglieder einer Familie mit weniger als sechs Stunden Schlaf am Tag auskomm­en. Die Entdeckung in Neuron (2019; doi: 10.1016/j.neuron.2019.07.026) wirft ein Licht auf den Einfluss von Adrenalin auf das Schlafzentrum und könnte erklären, warum Beta­blocker manche Patienten müde machen.

Die meisten Menschen benötigen mindestens sieben, besser acht Stunden Schlaf am Tag. Manche meinen mit weniger auszukommen, doch meist führt dies nur zu Schlafdefiziten, die am Wochenende wieder aufgeholt werden müssen.

Anzeige

Weltweit sind nur etwas mehr als 50 Familien bekannt, in denen mehrere Menschen mit erstaunlich wenig Schlaf auskommen. Dies spricht für eine genetische Ursache, die sich heute durch Genomvergleiche mit anderen Familienmitgliedern mit normaler Schlaflänge aufklären lässt.

2009 entdeckte der Neurologe Ying-Hui Fu von der Universität San Francisco erstmals eine Genvariante, die mehreren Frauen einer Familie zu einem kurzen Schlaf verhalf. Die Variante befand sich in dem Gen DEC2, das an der Regulierung der inneren Uhr beteiligt ist. Jetzt konnte Fu in einer weiteren Familie mit mehreren natürlichen Kurz­schläfern er­neut eine Genvariante identifizieren, die die Schlafdauer beeinflusst.

Die Mutation betrifft das Gen ADRB1, das den Bauplan für den Beta1-Adrenozeptor ent­hält. Der Rezeptor ist die Bindungsstelle für das Hormon Adrenalin und Angriffspunkt von Beta-Blockern, die zur Behandlung der arteriellen Hypertonie und verschiedener Herz­krank­heiten eingesetzt werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen von Betablockern gehört eine vermehrte Müdigkeit.

Die Forschungsergebnisse könnten den Grund dafür erklären. Erste Versuche an Zellkultu­ren zeigten, dass die Mutation zur Produktion eines Adrenozeptors mit einer verminder­ten Stabilität einherging. Der Einbau der Mutation in das Erbgut von Mäusen hatte zur Folge, dass die Tiere mit weniger Schlaf auskamen.

Die Forscher fanden heraus, dass die Beta1-Adrenozeptoren auf bestimmten Nerven­zell­en im Schlafzentrum in der dorsalen Ponsregion des Hirnstamms vorhanden sind. Dort sind sie im Wachzustand und im REM-Schlaf aktiv. Im Tiefschlaf (Non-REM-Schlaf) sind sie abge­stellt.

Durch die gezielte Aktivierung der Zellen konnten die Forscher Mäuse aus dem Schlaf wecken. Fu vermutet, dass die Mutation zu einer vermehrten Aktivität der Neuronen führt. Dies würde die verkürzte Schlafdauer erklären. Beta-Blocker hätten eine entgegen­gesetzte Wirkung. Die Folge sind Schlafstörungen, die bisher fälschlicherweise auf die Senkung des Blutdrucks zurückgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2020
Boulder/Colorado und Rochester/Minnesota – Die Müdigkeit, mit der viele Menschen auf die Zeitumstellung im Frühjahr reagieren, wenn sie eine Stunde „verlieren“, führt zu mentalen Fehlleistungen. Zu
Zeitumstellung führt zu mehr Verkehrsunfällen und Behandlungsfehlern
20. Oktober 2020
Marburg – Neue Möglichkeiten der Datenerfassung und der Übertragung und Verarbeitung von Gesundheitsdaten verändern die Schlafmedizin. Das klassische Schlaflabor wird deshalb nicht überflüssig,
Schlaflabor trotz Digitalisierung weiter für Diagnostik nötig
2. Oktober 2020
Marburg – Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) warnt davor, die Diagnose und Behandlung von Schlafstörungen zu verschleppen. Rasches Handeln sei vielmehr nötig, um
Bei Schlafstörungen rasche Diagnose und Behandlung nötig
25. September 2020
Ulm – Sogenannte neuronale Marker der verschiedenen Phasen beim Gehen haben Wissenschaftler der Universität Ulm und der Technischen Hochschule Ulm im Elektroencephalogramm (EEG) identifiziert. Im
Wissenschaftler in Ulm identifizieren neuronale Bewegungsmarker
21. September 2020
Marburg – Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) fordert, die Coronapandemie auch dazu zu nutzen, Arbeitszeitmodelle zu überdenken und gegebenenfalls dauerhaft zu
Bei schlechtem oder zu kurzem Schlaf oft berufliche Überforderung die Ursache
27. August 2020
Berlin – Immer mehr Teenager in Deutschland schlafen schlecht. Das geht aus einer heute in Berlin veröffentlichten Analyse der Barmer hervor. Während Ärzte 2005 bei 9.167 Personen im Alter von 15 bis
Immer mehr Schlafstörungen bei Teenagern
10. August 2020
Basel – Die Regionen des Gehirns, die die Traumphasen und die Gedächtnisbildung während des Schlafs steuern, beeinflussen möglicherweise auch unser Essverhalten. Bei Mäusen konnten Forscher in den
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER