NewsMedizinAktuelle Zahlen zum Suchtmittelkonsum
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Aktuelle Zahlen zum Suchtmittelkonsum

Donnerstag, 29. August 2019

/monticellllo, stock.adobe.com

Berlin – Suchterkrankungen sind weltweit ein elementarer Risikofaktor für Morbidität und Mortalität. In Industrienationen wird fast jede zweite Gewalttat unter Alkoholeinfluss verübt. Das Deutsche Ärzteblatt hat jetzt aktuelle Zahlen zum Suchtmittelkonsum und der Verbrei­tung des schädlichen Gebrauchs und der Abhängigkeit von legalen und ille­galen Drogen veröffentlicht.

Mehr als 100.000 Todesfälle sind jährlich in Deutschland auf Folgen des Tabak­konsums zurückzuführen. Die Prävalenz für den Konsum traditioneller Tabakprodukte ist dessen ungeachtet weiterhin hoch.

Anzeige

Auf der Grundlage einer 2018 durchgeführten reprä­sentativen Befragung der deutschen Erwachsenenbevölkerung kann man davon aus­gehen, dass hierzulande rund 2,8 Millio­nen Personen mehr als 20 Zigaretten täglich rauchen. Rund 23 Prozent der Befragten – hochgerechnet auf die deutsche Erwachsenen­bevölkerung wären dies 12 Millionen Per­sonen –  gaben einen Konsum traditioneller Tabakprodukte in den vergangenen 30 Tagen an.

Zwei Studien des Münchner Instituts für Therapieforschung (IFO) in der aktuellen Ausga­be des Deutschen Ärzteblattes (Deutsch Arztebl Int 2019; 116: 577-91) zeigen, dass die gesundheitlichen Belastungen durch den Konsum legaler Substanzen weit höher ein­zuschätzen sind als die Belastungen durch den Gebrauch illegaler Substanzen.

Suchterkrankungen in Deutschland

Editorial zum Beitrag: „Trends des Substanzkonsums und substanzbezogener Störungen – Auswertung des Epidemiologischen Suchtsurveys von 1995 bis 2018“ und „Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten – Schätzungen zu Konsum und substanzbezogenen Störungen in Deutschland“ [...]

Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten

Substanzkonsum ist mit einer Vielzahl gesundheitlicher und sozialer Folgen verbunden. Die Ergebnisse der Global Burden of Disease Study machen deutlich, dass Alkohol- und Tabakkonsum weltweit zu den Hauptrisikofaktoren für vorzeitige Sterblichkeit und verlorene Lebensjahre aufgrund von Krankheit und Behinderung zählen (1, 2). In Westeuropa berichtete im Jahr 2015 jeder [...]

Trends des Substanzkonsums und substanzbezogener Störungen

Tabakkonsum war in den Jahren 2006 und 2016 weltweit der führende Risikofaktor für frühzeitige Mortalität und den Verlust an Lebensjahren durch Behinderung (e1). Im Jahr 1990 lag Tabakkonsum noch an dritter Stelle von 86 verglichenen Risikofaktoren. Alkoholkonsum war im Jahr 2016 viertgrößter (1990 fünftgrößter) Risikofaktor, während der Konsum illegaler Drogen in der Hierarche die 18. Stelle [...]

So zählt Deutschland beim Alkohol mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 10,7 Li­tern Reinalkohol zu den Hochkonsumländern. In der Befragung gaben 18,1 Prozent den Konsum riskanter Alkoholmengen an; als Schwellenwert gilt der tägliche Konsum von mehr als 12 g (Frauen) und 24 g (Männer) Reinalkohol.

Eine alkoholbedingte Abhängig­keitsstörung ließ sich für 3,1 Prozent der Befragten konstatieren, was deutschlandweit rund 1,6 Millionen Personen mit enorm erhöhtem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko entsprechen würde. Auch der Gebrauch von Analgetika und psychoaktiven Substanzen ist in der deutschen Allgemeinbevölkerung weit verbreitet.

Auf Basis der Befragung ist hochgerechnet von 1,6 Millionen Personen mit Analgetikaab­hängigkeit auszugehen; der Großteil der Abhängig­keitserkrankungen ist auf nichtopioid­haltige Analgetika zurückzuführen, die entweder über Privatrezepte oder als apotheken­pflichtige Medikamente erworben wurden.

Eine Auswertung epidemiologischer Suchtsur­veys in Deutschland zwischen 1995 und 2018 zeigt einen deutlichen Rückgang der 30-Tages-Prävalenz des Tabakkonsums und des täglichen Rauchens.

Allerdings betonen die Autoren, dass dieser positive Trend weiter unterstützt werden müsse, da der größte Teil des Risikos für koronare Herzerkran­kung und Schlaganfall auf den Konsum von wenigen Zigaretten pro Tag zurückzuführen sei. Auch beim Alkohol­kon­sum ist über den untersuchten Zeitraum hinweg ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Doch sind die aktuellen Prävalenzwerte alkoholbedingter Störungen nahezu unverändert. Alkoholscreenings und Kurzinterventionen durch niedergelassene Ärzte sind nach Ansicht der Autoren wichtige Bausteine bei der Prävention riskanter Alkoholtrinkmuster. © tg/EB/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Oktober 2019
Washington – In der Opioid-Krise in den USA hat der Arzneimittel-Hersteller Johnson & Johnson einem Millionenvergleich zugestimmt. Der Pharmakonzern teilte gestern mit, sich mit den von der
Johnson & Johnson stimmt in US-Opioid-Krise Millionen-Vergleich zu
30. September 2019
Berlin – Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, will neue Ansätze in der Suchtpolitik angehen und damit auch einer stark polarisierten Debatte entgegenwirken. „Es ist Zeit für
Ludwig sieht Zeit für Neuanfang in der Drogenpolitik
30. September 2019
München – Mit Naloxon kann Heroin- beziehungsweisen Opioidabhängigen bei einem Atemstillstand schnell geholfen werden – seit einem Jahr unterstützt der Freistaat Bayern ein Modellprojekt, bei dem
Bayern zieht positive Bilanz für Modellprojekt mit Naloxon
30. September 2019
München – Die App „PlayOff“ zur Verhinderung von Glücksspielsucht gibt es von morgen an auch in türkischer Sprache. Darauf hat Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) heute in München
App „PlayOff“ gegen Glücksspielsucht ab Oktober auf Türkisch
25. September 2019
Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die Packungsgröße von rezeptfrei erhältlichen Antidiarrhoika mit dem Wirkstoff Loperamid verkleinert. Dies soll den Missbrauch des synthetischen
FDA begrenzt Packungsgrößen von loperamidhaltigen Antidiarrhoika, um Missbrauch zu verhindern
24. September 2019
Saarbrücken – Die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) hat Schleswig-Holstein wegen „massiver“ TV-Werbung für Online-Casinos kritisiert. Diese „Alleingänge“ würden eine wirksame Bekämpfung von
Saar-Glücksspielaufsicht kritisiert Werbung aus Schleswig-Holstein
18. September 2019
Berlin – Sie hat sich bislang als Verkehrsexpertin der Union im Bundestag einen Namen gemacht - jetzt wird die CSU-Politikerin neue Drogenbeauftragte der Regierung. Die 44-jährige Daniela Ludwig tritt
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER