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Präeklampsie: Geplante Entbindung schützt Mutter ohne dem Kind wesentlich zu schaden

Freitag, 30. August 2019

lolostock.com

London – Eine sofortige Geburtseinleitung kann bei einer Präeklampsie die Gesundheit der Mutter am besten schützen. Eine randomisierte Studie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31963-4) kommt zu dem Ergebnis, dass die Strategie trotz eines Anstiegs der neonatalen Komplikationen auch dann zu rechtfertigen ist, wenn das Kind als Frühgeburt zur Welt kommt.

Bei einer Präeklampsie gilt es zwischen den Interessen der Mutter und des Kindes abzu­wägen. Tritt die Präeklampsie nach der 37. Gestationswoche auf, wird in der Regel sofort die Geburt eingeleitet, da das Kind zu diesem Zeitpunkt voll lebensfähig ist. Bei einer Erkrankung vor der 34. Woche wird in der Regel versucht, die Schwangerschaft zu erhal­ten, um eine extreme Frühgeburt zu vermeiden.

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Zwischen der 34. und 37. Gestationswoche fällt die Entscheidung schwer. Die Kinder werden dann unreif geboren, was zu schweren Komplikationen führen kann. Die Mutter könnte jedoch durch das Hinauszögern der Geburt schwere Schäden erleiden, da eine Präeklampsie zu Schlaganfällen und Leber- und Nierenschäden führen kann. Auch das Kind kann infolge der gestörten Plazentafunktion Schaden erleiden.

Die randomisierte PHOENIX-Studie hat an 46 Zentren in England und Wales die beiden möglichen Strategien verglichen: 901 Frauen mit einer Schwangerschaft zwischen der 34. und 37. Gestationswoche wurden entweder auf eine Geburtseinleitung innerhalb von 48 Stunden (nach sofortiger Steroidgabe zur Förderung der Lungenreifung) oder auf den Erhalt der Schwangerschaft randomisiert.

Am Ende waren die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht sehr groß. In der Gruppe mit sofortiger Einleitung wurden die Kinder im Durchschnitt am 252. Gestations­tag geboren, in der Gruppe, die den Erhalt der Schwangerschaft anstrebte, war es der 257. Tag. Die Chancen, eine Schwangerschaft bei einer einsetzenden Präeklampsie über längere Zeit zu erhalten, sind offenbar gering.

Die geplante Einleitung der Geburt ermöglichte häufiger eine vaginale Entbindung (36 versus 29 %). Das Geburtsgewicht war nur minimal geringer (minus 86 Gramm).

Trotz des geringen Unterschieds in der Dauer der Schwangerschaft senkte die rasche geplante Entbindung die mütterlichen Risiken. Der koprimäre Endpunkt aus maternaler Morbidität oder einem systolischen Blutdruck von 160 mm Hg oder höher trat bei 65 % der Frauen auf gegenüber 75 % in der Gruppe mit versuchtem Erhalt der Schwanger­schaft.

Lucy Chappell vom King’s College London und Mitarbeiter errechnen ein relatives Risiko von 0,86, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,79 bis 0,94 statistisch signifikant war. Die Studie hatte damit eines ihrer Ziele erreicht. Der sofortige Schwangerschaftsab­bruch kann die Morbidität der Mutter begrenzen.

Für das Kind war die frühere Geburt jedoch mit zusätzlichen Risiken verbunden. Bei 42 % der Kinder kam es zu Komplikationen, die eine Behandlung auf einer Neugeborenen-In­tensivstation notwendig machten. Der Versuch, die Schwangerschaft zu erhalten, senkte die Rate auf 34 %. Das relative Risiko von 1,26 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,08 bis 1,47 signifikant. In der „Per protocol“-Analyse war der Unterschied mit einem relativen Risiko von 1,40 (1,18 bis 1,66) noch größer.

Es gab allerdings in beiden Gruppen keinen einzigen neonatalen Todesfall und in beiden Gruppen benötigten nur 10 % der Neugeborenen eine respiratorische Unterstützung. Chappell hält es deshalb für vertretbar, bei einer Präeklampsie zwischen der 34. und 37. Woche die Geburt nach Gabe von Steroiden einzuleiten, um die Mütter vor Komplikatio­nen zu schützen. Die Sicherheit dieser Strategie setzt allerdings voraus, dass eine neona­tale Intensivstation im Hintergrund verfügbar ist, um die zu früh geborenen Kinder opti­mal zu versorgen. © rme/aerzteblatt.de

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