NewsPolitikSeehofer hofft auf Kompromiss zur Rettung von Bootsflüchtlingen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Seehofer hofft auf Kompromiss zur Rettung von Bootsflüchtlingen

Freitag, 30. August 2019

/picture alliance, Johannes Filous

Berlin – Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hofft ungeachtet der noch offenen Regierungsbildung in Italien auf einen EU-Kompromiss zur Umverteilung von Boots­flüchtlingen. „Es ist ein unwürdiger Zustand, dass bei jedem neuen Schiff die Debatte über die Aufnahme und Verteilung der Migranten immer aufs Neue geführt werden muss“, sagte er heute. Man arbeite mit Hochdruck an einem verlässlichen und solidarischen Ad-hoc-Mechanismus für die Seenotrettungsfälle. Das sei aber „äußerst schwierig“.

Für den 19. September hat die maltesische Regierung Deutschland und andere Staaten zu einem EU-Sondertreffen zur Seenotrettung eingeladen. Angestrebt wird eine Übergangs­regelung, die verhindert, dass Italien und Malta Rettungsschiffen mit Flüchtlingen an Bord die Einfahrt in ihre Häfen untersagen. Beide Staaten hatten dies in der Vergangen­heit mehrfach getan – bis nach mühsamen Gesprächen andere EU-Staaten zusagten, ihnen die Migranten abzunehmen. Teilweise mussten die Menschen wochenlang an Bord der Schiffe ausharren.

Anzeige

„Italien muss jetzt seine Regierung neu bilden. Wir brauchen aber Italien und Malta, um zu einer tragfähigen Lösung zu kommen“, sagte Seehofer. Auf Fachebene liefen die Arbei­ten bislang gut. Ob Italien bei dem Treffen auf Malta, das im September stattfinden solle, auf politischer Ebene mitmachen werde, könne er aber noch nicht sagen.

Seehofer mahnt eine Lösung zur Rettung von Bootsflüchtlingen an, die keine neuen An­reize schafft, sich auf die Reise über das Mittelmeer zu begeben. „Meine Amtskollegen aus Europa weisen mich darauf hin, dass die Zahl der Menschen, die sich von Libyen nach Europa über das Mittelmeer aufmachen, so gering wie seit Jahren nicht mehr ist. Sie ha­ben Bedenken, dass sich bei einem Mechanismus wieder mehr Menschen auf den lebens­gefährlichen Weg machen“, sagte Seehofer und betonte: „Diese Sorge vor einem soge­nann­ten Pull-Effekt ist nicht unberechtigt.“ Auch er wolle diesen Effekt unbedingt vermei­den.

Der Bundesinnenminister hofft aber auf möglichst viele EU-Staaten, die bei einem Kom­promiss mitziehen. „Ich wünsche mir, dass wir beim Ministertreffen auf Malta im Septem­ber eine tragfähige und von einer breiten Koalition an Mitgliedstaaten unterstützten Lö­sung finden“, sagte er. „Ich würde mir wünschen, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit seiner Einschätzung, dass 14 Länder mitmachen könnten, recht behält.“

Danach sehe es in den derzeitigen Verhandlungen aber leider noch nicht aus. „Deutsch­land steht zu seiner europäischen Verantwortung an der gemeinsamen EU-Außengrenze und zeigt sich durch die Beteiligung an den Seenotrettungsfällen mit den Mittelmeeran­rai­nerstaaten soli­da­risch“, betonte der Minister. „Ich hoffe, dass dies auch weitere Mit­glied­­staaten tun werden.“

Gestern waren weiter zwei private Rettungsschiffe mit rund 200 geretteten Migranten an Bord im Mittelmeer unterwegs, die deutsche „Eleonore“ und das italienische Rettungs­schiff „Mare Jonio“. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #555822
j.g.
am Freitag, 30. August 2019, 19:56

möchte an diesen Link verweisen.

https://www.nzz.ch/international/ungerechte-seenotretter-theologe-richard-schroeder-im-interview-ld.1504989
Avatar #778412
Existencia
am Freitag, 30. August 2019, 18:51

...unwürdiger Zustand...

Ja Herr Seehofer, da haben Sie Recht. Es ist unwürdig, dass Milliarden für Migranten (von denen man heute nicht mehr weiß, ob es Flüchtlinge aus Lebensgefahr oder nur Flüchtlinge in die soziale Hängematte sind) ausgegeben werden, wärend immer mehr Einheimische, insbesondere Rentner, in bittere Armut fallen und auch noch bestraft werden, wenn sie Lebensmittel aus Mülltonnen entnehmen.
Es ist unwürdig, mit welcher Selbstbedienungsmentalität die regierenden Politiker das eigene Volk betrügen. Mehr als 45 Milliarden Überschuss im ersten Halbjahr 2019 einnehmen, 20 Milliarden für mord lüsterne, deutsche IS-Zäpfchen rauswerfen aber nicht einen Cent für die Abschaffung der Armut im eigenem Land. Diese ganze Regierung ist unwürdig.
LNS

Nachrichten zum Thema

20. September 2019
Brüssel – Den Deregulierungstendenzen der EU-Kommission bei den Berufsregeln muss nach Auffassung von Kassenärztlicher Bundsvereinigung (KBV) und Bundes­ärzte­kammer (BÄK) entgegengetreten werden. Das
Deregulierungstendenzen der EU muss entgegengetreten werden
19. September 2019
Leipzig – Rund die Hälfte der Flüchtlinge zeigt kurz nach Ankunft in Deutschland deutliche Zeichen einer psychischen Störung oder Belastung. Das ist das Ergebnis einer Studie Universitätsmedizin
Jeder zweite Geflüchtete ist psychisch belastet
18. September 2019
Brüssel – Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie unterstützt die EU-Kommission den Kongo mit weiteren Hilfsmitteln. Knapp 30 Millionen Euro werden in das ostafrikanische Land fließen, wie die Brüsseler
EU unterstützt Kampf gegen Ebola mit weiteren Millionen
18. September 2019
Berlin – Soziale Ungleichheit gefährdet der Entwicklungsorganisation Oxfam zufolge die Bildungsziele der UNO. In armen Ländern sei die Chance, dass ein Kind aus einer armen Familie die Sekundarschule
Soziale Ungleichheit gefährdet Bildungsziele der UNO
17. September 2019
Genf – Die humanitäre Hilfe steht angesichts neuartiger und längerer Konflikte sowie angesichts des Klimawandels vor immer größeren Herausforderungen. Das sagte der Präsident des Internationalen
Klimawandel und neue Konflikte fordern Helfer heraus
17. September 2019
New York – Diskriminierung und Ungleichheit weltweit gefährden nach Ansicht von Microsoft-Gründer Bill Gates (63) den Kampf gegen Krankheiten und Armut. „Wo man geboren wird und welches Geschlecht man
Weltweite Ungleichheit gefährdet Kampf gegen Armut
16. September 2019
New York – UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat eine interne Kommission zur Untersuchung von Bombardements auf Krankenhäuser im Bürgerkriegsland Syrien eingesetzt. Wie die UNO in New York
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER