NewsPolitikDeutliche Kritik am neuen Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Kliniken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Deutliche Kritik am neuen Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Kliniken

Montag, 2. September 2019

/dpa

Berlin – Der GKV-Spitzenverband sieht noch erheblichen gesetzgeberischen Handlungs­be­darf, um Leistungsgerechtigkeit und Transparenz in der psychiatrischen und psychoso­matischen Versorgung durch die Krankenhäuser durchzusetzen. Das geht aus dem Bericht über die Auswirkungen des Pauschalierenden Entgeltsystems für Psychiatrie und Psycho­so­­matik (PEPP) hervor, der aktuell dem Bundestag vorliegt.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die ebenso wie der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV-Verband) an der Erstellung des Berichts beteiligt war, hält das PEPP-System für „nicht geeignet, um die Vielfalt und Individualität der psychiatrischen Versorgung sachgerecht abzubilden“.

Anzeige

Der Bericht dient dazu, die bisherigen Erfahrungen bei der Umstellung des Vergütungs­systems für die stationäre psychiatrische und psychosomatische Versorgung zu analysie­ren. Mit dem Einstieg in das PEPP-System, das in den Grundstrukturen 2009 vom Gesetz­geber auf den Weg gebracht wurde, ist ein Umstieg von tagesgleichen Pflegesätzen zu einem „stärker an der Ressourcenintensität der Patienten ausgerichteten Vergütungs­sys­tem“ verbunden, wie es in dem Bericht heißt. Im Unterschied zu den diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) handelte es sich bei PEPP um tagesbezogene Pauschalen.

Der GKV-Spitzenverband kritisiert unter anderem, dass PEPP mit den Änderungen durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) von 2012 zu einem „Abschlagssystem degra­diert“ wurde. Die geänderte Budgetfestsetzung mittels Krankenhausvergleich „unterliegt keinen klaren Regeln mehr, und konterkariert das Ziel der Leistungsgerechtigkeit“, heißt es in dem Bericht.

Weiterentwicklung des Operationen- und Prozedurenschlüssels gefordert

Die Krankenkassen fordern vom Gesetzgeber deshalb, auf eine stringente Anwendung des Krankenhausvergleichs hinzuwirken und konkrete Vorgaben für den Budgetfindungs­pro­zess zu verankern.

Des Weiteren sollten verbindlichere Vorgaben zu regionalen und strukturellen Besonder­heiten formuliert werden. Der Gesetzgeber solle auf eine Weiterentwicklung des Opera­tio­nen- und Prozedurenschlüssels (OPS) bestehen, die mehr Transparenz über die tatsäch­liche Patientenversorgung generiert.

Notwendig seien unter anderem präzisere Leistungsbeschreibungen im OPS. Auch sollte die Digitalisierung der Leistungserfassung in der Psychiatrie vorangetrieben werden, so der GKV-Spitzenverband.

Hoher Aufwand durch umfangreiche Dokumentationspflichten

Die DKG bemängelte insbesondere den hohen Aufwand durch umfangreiche Dokumenta­tionspflichten und einen starken Anstieg der Rechnungsprüfungen durch den Medizini­schen Dienst der Krankenkassen seit Einführung des PEPP-Systems.

In der Psychiatrie sei es kaum möglich, den individuellen Behandlungsaufwand durch einzelne Leistungen oder auch Komplexleistungen sinnvoll zu beschreiben. Auch deshalb habe sich der PEPP-Katalog sei dem PsychVVG „nicht wesentlich verändert“.

Darüber hinaus fordert die DKG vom Gesetzgeber eine Klarstellung zum Rechtsanspruch der Krankenhäuser auf das im Jahresdurchschnitt vorzuhaltende Personal und dessen voll­ständiger Refinanzierung. Im Jahr 2020 soll nämlich die Psychiatrie-Personalverord­nung (Psych-PV) durch die neuen Personalmindestanforderungen des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) abgelöst werden.

Die DKG befürchtet, dass das notwendige Personal massiv über den Mindestanforderun­gen des G-BA liegen wird. „Streitigkeiten mit den Krankenkassen in den Budgetverhand­lun­gen sind vorprogrammiert“, heißt es in dem Bericht. © PB/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Juli 2020
München – Die bayerische Staatsregierung will auch während der Pandemie einige Zweige der Krankenhausversorgung im Freistaat ausbauen. „Abseits der Maßnahmen für COVID-19-Erkrankte gewährleisten wir
Bayern will psychiatrische Versorgung ausbauen
18. Juni 2020
Stockholm – Eine Minderheit von Patienten, die mit Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) behandelt wird, neigt möglicherweise zu kriminellen Handlungen. Dies kam in
SSRI-Antidepressiva könnten Gewalttätigkeit einiger Patienten erhöhen
16. Juni 2020
Berlin – „Eine zeitgemäße Psychiatrie braucht die notwendigen personellen Voraussetzungen – aktuell sehen wir jedoch eher die Gefahr der personellen Absenkung“. Das betonte der stellvertretende
Petition schlägt trialogisch besetzte Expertenkommission für Psychiatrie vor
19. Mai 2020
Berlin – Die funktionelle Entwicklungstherapie kann für einen Übergangszeitraum auch per Video erfolgen. Darauf haben sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband verständigt,
Funktionelle Entwicklungstherapie per Video möglich
7. Mai 2020
Stockholm − Der schnell wirkende GnRH-Antagonist Degarelix, der zur Behandlung des Prostatakarzinoms zugelassen ist, hat in einer placebokontrollierten Studie in JAMA Psychiatry (2020; doi:
Pädophile Störungen: GnRH-Antagonist senkt in Studie die Neigung zu sexuellen Übergriffen
11. März 2020
Wiesbaden – Hessens forensische Kliniken, in denen psychisch kranke oder süchtige Straftäter untergebracht werden, sind in den vergangenen Jahren voller geworden. Seit 2016 steigen die
Mehr kranke Straftäter in Kliniken untergebracht
14. Februar 2020
Berlin – Ein „Plattform-Modell zur Bemessung der Personalausstattung in der Psychiatrie“ ist gestern Abend bei einem Fachsymposium mit Experten und Gesundheitspolitikern diskutiert worden. Entwickelt
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER