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Medizin

Hepa­titis-C-Therapie: FDA warnt vor Leberschäden

Freitag, 30. August 2019

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor schwerwiegenden Leberschäden, zu denen es bei Patienten gekommen ist, die mit den Kombinationspräpa­raten Mavyret, Zepatier und Vosevi behandelt wurden. Bei 63 Patienten, die bereits eine eingeschränkte Leberfunktion hatten, war es unter der Behandlung zu einer Dekompen­sation der Leberfunktion gekommen, die in einigen Fällen tödlich endete.

Eine Hepatitis C kann heute meist durch Medikamente geheilt werden, die die Replika­tion des Virus in den Leberzellen hemmen. Die notwendigen Wirkstoffe werden heute in Kombinationspräparaten angeboten. Mavyret enthält Glecaprevir und Pibrentasvir, Zepa­tier enthält Elbasvir und Grazoprevir.

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Vosevi ist eine Dreierkombination aus Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir. In allen drei Präparaten ist einer der Wirkstoffe ein Protease-Inhibitor (Glecaprevir, Grazoprevir und Voxilaprevir), die die FDA offenbar in Verdacht hat, für die Leberschäden verantwort­lich zu sein. Einige bei HIV-Infektionen eingesetzte Protease-Inhibitoren haben lebertoxi­sche Eigenschaften.

Mavyret, Zepatier und Vosevi dürfen nur bei Patienten mit leichter Leberschädigung (Stadium Child-Pugh A) eingesetzt werden. Die meisten der 63 Patienten, bei denen es unter der Behandlung mit einem der Kombinationspräparate zu Komplikationen kam, befanden sich bereits im Stadium Child-Pugh B oder C, in denen die Medikamente kontraindiziert sind. Teilweise war dies vor Behandlungsbeginn nicht erkannt worden.

Unter der Behandlung kam es dann nach median 22 Tagen (zwei Tage bis 16 Wochen) zu einer klinischen Verschlechterung der Leberfunktion: Dies waren bei 42 Patienten eine Hyperbilirubinämie, bei 32 Patienten ein Ikterus, bei 27 Patienten ein Aszites und bei 12 Patienten eine hepatische Enzephalopathie.

Insgesamt acht Patienten starben am Leberversagen. Bei 39 Patienten erholte sich die Leber nach dem Absetzen des Medikaments, bei zwei Patienten kam es bei Wiederauf­nahme der Behandlung zu einer erneuten klinischen Verschlechterung.

Die Komplikationen treten nach Einschätzung der FDA vermutlich selten auf. Die Behörde riet den Ärzten dennoch, die Leberfunktion ihrer Patienten vor Behandlungsbeginn sorg­fältig zu prüfen und Patienten in den Stadien Child-Pugh B oder C nicht zu behandeln.

© rme/aerzteblatt.de

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